1000 ARTEN REGEN ZU BESCHREIBEN – Kurzkritik

(Isabel Prahl, D 2017)

Ab sofort auf DVD und VoD erhältlich

Isabel Prahls Langfilmdebüt 1000 Arten Regen zu beschreiben erzählt die Geschichte vom Zerfall einer Familie. Initiiert wird dies durch den achtzehnjährigen Sohn Mike (Béla Gabor Lenz), der eines Tages sein Zimmer nicht mehr verlässt und damit fast jeglichen sozialen Kontakt zu seiner Familie und der Gesellschaft abbricht. In Japan wird das Phänomen sowie die praktizierenden Menschen als ‚Hikikomori‘ (sich einschließen) bezeichnet.
Mike bleibt während des Films nur ein buchstäblicher Schatten, eine schemenhafte Gestalt in unscharfen Heimvideos. Prahls Werk konzentriert sich auf die Reaktionen der ausgeschlossenen Familienmitglieder. Sie zeigt deren Verarbeitungsprozesse auf, die alsbald in Verzweiflung und diverse Kompensationshandlungen führen. Das breite cinemascope Bildformat verstärkt den Kontrast zwischen den Aufnahmen innerhalb und außerhalb der Wohnung. Hervorzuheben ist außerdem, dass der Film einen nicht belehren will, mit dem Finger auf eine konkrete Ursache zeigt, sondern einen Diskurs eröffnet, der mindestens so vielfältig ist wie die gezeigten Figuren.

8 von 10 KinoKatzenpunkte

 

Bildquelle Titelbild: Film Kino Text

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Marc Asmuß
Über Marc Asmuß 40 Artikel
Marc studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Kiel. Für den ALBRECHT schreibt er seit 2015 insbesondere für das Kulturressort und dessen Filmsparte KinoKatze.

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