Abschied fällt schwer

Foto: paulbr75/Pixabay

Der Verein KAST unterstützt junge Menschen bei ihrem Ausstieg aus der rechten Szene

Im Jahr 2016 zählte das Bundesamt für Verfassungsschutz 23 100 Personen in Deutschland, die dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet werden können. Über die Hälfte von ihnen gilt als gewaltorientiert. Auszusteigen wird häufig als Verrat angesehen. Wer die Szene trotzdem verlassen möchte, steht vor einer großen Herausforderung. Bei diesem Schritt hilft das Kieler Antigewalt- und Sozialtraining (KAST).

KAST arbeitet seit knapp 12 Jahren in verschiedenen Bereichen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Zum Angebot des Vereins gehören unter anderem Antigewalttrainings, Präventivprogramme gegen Extremismus und die mobile Ausstiegs- und Distanzierungsberatung. KAST bietet die Beratung seit 2014 an, gefördert wird sie durch das Programm Demokratie leben des Bundesfamilienministeriums, für die Klient*innen ist sie kostenlos. Im Team von KAST, im Bereich Rechtsextremismus, arbeiten drei Pädagog*innen und eine Politikwissenschaftlerin. Die Mitarbeiter*innen haben spezifische Zusatzqualifikationen in Bereichen wie Antigewalt- und systematischer Beratung.

Die mobile Ausstiegs- und Distanzierungsberatung richtet sich zum einen an Menschen, die Mitglied in einer rechtsextremen Gruppierung sind und diese verlassen wollen, aber auch an diejenigen, die vor dem Einstieg stehen. Bei Einsteigern geht die Initiative meist von sogenannten Signalgebern aus, wie Mitarbeiter*innen von Jugendzentren oder Lehrer*innen.

„Das Ziel ist es, den Menschen bei der nachhaltigen Loslösung von rechtsextremen Gruppierungen zu unterstützen. Die Klient*innen sollen befähigt werden, selbstständig, gewaltfrei und frei von menschenfeindlichen Einstellungen ihr Leben zu gestalten.“ erklärt Nils Stühmer. Der Pädagoge arbeitet bei KAST in der mobilen Ausstiegs- und Distanzierungsberatung.

Der Ausstieg aus der rechten Szene kann schwer sein, das Projekt KAST unterstützt dabei. / Nils Stühmer, KAST
Der Ausstieg aus der rechten Szene kann schwer sein, das Projekt KAST unterstützt dabei. Foto: Nils Stühmer/KAST

Ein Umstieg in andere gewalttätige Gruppierungen wie Hooliganstrukturen oder das Rockermilieu soll dabei verhindert werden. Die Beratung ist mobil, sie erfolgt im Lebensumfeld der Klient*innen. Sie ist als Prozess zu sehen, ähnlich wie der Einstieg in die Szene. „Einstiege in die rechtsextreme Szene sind meist sozial motiviert, das heißt die Menschen suchen etwas, was ihnen fehlt. Das kann Schutz sein, Freundschaft, Wahrnehmung, Zusammenhalt oder Männlichkeit”, so Stühmer. In der Beratung werden die Zeit des Einstiegs und seine Gründe reflektiert. Die Zeit in der Szene wird gemeinsam mit den Klient*innen aufgearbeitet, mit dem Ziel, neue Perspektiven zu finden. „Wir unterstützen dabei, diese Ziele zu erreichen, wir unterstützen bei der Wohnungssuche, bei der Tattooentfernung und arbeiten daran, die rechtsextremen Einstellungsmuster aufzuarbeiten. Darüber hinaus begleiten und vermitteln wir weitere Unterstützung wie etwa Suchtberatung oder Schuldnerberatung.” erzählt der Pädagoge.

Die Erfolgsbilanz der Beratung ist gut. Lässt sich jemand auf die Zusammenarbeit mit KAST ein, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem erfolgreichen Abschluss kommt, sehr hoch. Zu Abbrüchen kommt es fast nie.

Wer aus der rechten Szene aussteigen möchte, kann sich entweder per E-Mail oder Telefon direkt an KAST wenden oder an das Innenministerium, das dann den Kontakt vermittelt. Das gilt auch für Lehrer*innen, Eltern oder Freund*innen von Betroffenen.


Titelbild: paulbr75/Pixabay

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Janika Schönbach
Über Janika Schönbach 6 Artikel
Janika studiert Politik- und Islamwissenschaft an der CAU. Sie ist seit November 2016 beim Albrecht dabei.

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