AfdAfD – Alle fürchten die Alternative für Deutschland

Professor Bernd Lucke, Volkswirt an der Universität Hamburg und Vorstandsmitglied der Alternative für Deutschland, dürfte in den letzten Wochen und Monaten nicht viel Zeit zum Dozieren gefunden haben. Interviews für diverse Zeitschriften, Auftritte in Polittalks und nicht zuletzt die Formation seiner Partei für die anstehende Bundestagswahl werden ihren Tribut gefordert haben. Die AfD will es besser machen. Besser als die CDU in Sachen Euro und besser als die Piraten in Sachen Lebenserwartung.

Seit ihrer Gründung im Februar erfreut sich die Partei bereits großen Zulaufs, sowohl hinsichtlich der Mitgliederzahl als auch potentieller Wähler. Einer im Auftrag des FOCUS durchgeführten Umfrage zufolge liegt das Potenzial der Partei im September bei rund 18 Prozent, aktuell bekämen sie bereits vier Prozent der Stimmen. Ein enormes Ergebnis für eine Partei, die sich sieben Monate vor der Wahl gegründet hat. Mit der euroskeptischen Nische vermag sie viele Wähler vonCDU und FDP für sich einzunehmen, die nicht bereit sind, die Lücke zu füllenund entsprechend scharf gegen Bernd Lucke ins Feld ziehen.

Und doch bestehen immer noch einige Hürden bis SeptemberZunächst kann die Profilierung als Anti-Euro-Partei auch leicht den Eindruck aufkommen lassen, dass andere Themen durch die AfD nicht behandelt würden. Die fatalen Folgen solcher Beschränkung waren zuletzt bei der Piraten-Partei zu beobachten. Doch die AfD scheint durchaus ein breiteres Themenfeld abzustecken, als man zunächst vermutet.So verspricht man Bundesweite Bildungsstandards, ein transparenteres Steuerrecht sowie ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild, wobei Asylanten das Recht zu arbeiten erhalten sollen.

Die zweite Sorge stellt die NPD dar, die ankündigte, die AfD unterwandern zu können. Zwar wird bei neuen Mitgliedern auf die Parteivergangenheit geachtet, allerdings mussten auch bereits zwei Mitglieder aufgrund ihrer rechten Vergangenheit wieder ausgeschlossen werden. Man versucht mit aller Macht, ein rechtsradikales Bild der Partei in der Öffentlichkeit zu vermeiden, denn damit wäre der Einzug in den Bundestag bei allem momentanen Hype vermutlich vertan.

Zu guter Letzt bietet Bernd Lucke selbst Angriffsfläche für Störfeuer aus dem Regierungslager. Bei aller ökonomischen Kompetenz vernachlässige er aber die politische Wirkung des Euros für die europäische Identität, musste er sich im Rahmen des Polittalks Hart aber Fair sowohl aus dem grünen, dem roten und dem gelben Lager anhören. Lucke hingegen sieht den Euro zumindest seit Beginn der Krise als Mittel zur Spaltung, das die südeuropäischen Länder an einem Wiedererstarken hindert. Hätte zum Beispiel Griechenland eine eigene Währung, könnte es durch Abwerten eben dieser die Exporte vorantreiben und damit die Wirtschaft ankurbeln, so seine Argumentation.

Wie gut die AfD im September abschneidet, ist schwer einzuschätzen. Das andersartige Parteiprogramm greift womöglich erfolgreich die in großen Teilen der Gesellschaft herrschende Euroskepsis auf. Diese dürfte zum Zeitpunkt der Wahl auch noch akut sein, bedenkt man einmal, wie lange die Eurokrise bereits anhält. In dieser Hinsicht gibt Bernd Lucke der Partei einen seriösen Anstrich. Allerdings kann auch eine Partei aus dem Bildungsbürgertum schnell an Authenzität einbüßen, wenn sie gemeinhein auf eine Forderung beschränkt wird, die auch im Rechts-Populismus gerne aufgegriffen wird. Anderen Parteien, wie insbesondere den Piraten haben sie immerhin schon mal voraus, sich deutlich positioniert zu haben. Und anders als die CDU der letzten Zeit ist man offenbar bereit, Vorhaben zu erklären, statt sie schlichtweg als „alternativlos“ zu bezeichnen und zu beschließen. Sollten sich die Volksparteien sowie Grüne und FDP nach dem momentanen Hype der AfD wieder auf diese Handlungsweise besinnen, hat die junge Partei unabhängig vom Wahlergebnis im September einen positiven Einfluss genommen.

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Claas ist seit 2013 Teil der Redaktion.

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