Alles nur Mythen?

Prof. Dr. Barsch möchte erforschen, ob der Blog Auswirkungen auf die Leser hat
Quelle: Sven Jalas

Ein Blog klärt über die Legenden der Geschichte auf

Schon einmal was von der Dolchstoßlegende oder der Schlacht im Teutoburger Wald gehört? Die meisten würden diese Frage wohl mit Ja beantworten. Oft wird dabei jedoch auf ein fundiertes Halbwissen zurückgegriffen, was allerdings bei manchen kein Hinderungsgrund zu sein scheint, sich nicht vermeintlich fachmännisch darüber zu äußern. So ist es auch bei einigen Themen, von denen viele denken, genug darüber zu wissen. Doch stimmen die Informationen, die im Kopf herumschwirren oder sind es womöglich nur Mythen, die sich immer weiter verbreitet haben?

In Zeiten von ,postfaktischen‘ und rechten Debatten sah Prof. Dr. Sebastian Barsch vom Historischen Seminar der CAU Kiel die Zeit gekommen, um die Geschichtswissenschaft weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Zu diesem Zweck bot er im vergangenen Wintersemester ein Seminar zum Thema ‚public history‘ an, in dem die Kursteilnehmer ein Produkt entwickeln sollten, das die Wissenschaft an Nicht-Akademiker und Nicht-Historiker vermitteln kann. Entschieden wurde sich dabei für einen Blog, der (HI)STORIES?! Legenden unter der Lupe genannt wurde, auf dem Geschichtsmythen dekonstruiert und die Erkenntnisse der Wissenschaft erläutert werden sollen. Die Teilnehmer des Seminars bekamen viel Eigenverantwortung übertragen und konnten sich untereinander absprechen, welche Themen der Geschichte behandelt und geklärt werden sollen, erzählt Martin Engel, der den Kurs gewählt hatte. Es wurden zum Beispiel Texte zum Thema des deutschen Kolonialismus, zum ersten und zweiten Weltkrieg und auch zu Themen der Antike geschrieben. Diese wurden im Rahmen des Seminars veröffentlicht und so für alle Interessierten zugänglich gemacht. Den Legenden wurden historisch belegbare Ereignisse entgegengesetzt, um den Mythos widerlegen zu können.

Ziel des Blogs ist es in erster Linie, solche Themen für jeden verständlich zu erklären sowie postfaktischen und auch rechten Debatten etwas entgegenzusetzen. Zusätzlich ist die Wissenschaftskommunikation ein weiteres Anliegen, um zu zeigen, was die Wissenschaft der Gesellschaft bieten kann. Barsch legt dabei viel Wert darauf, dass Diskurse und Erfahrungen der Geschichtswissenschaft weitergegeben werden und den Kreis der Akademiker verlassen, damit die Gesellschaft aus der Wissenschaft lernen kann.

Die acht Kursteilnehmer schrieben jeweils zwei Texte, die veröffentlicht werden sollten, wobei zwei Beiträge über das Vorhaben des Seminars auch auf dem Lehre-Blog von PerLe (Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen) erscheinen sollen, um den Blog bekannt zu machen. Denn damit viele Menschen von den dekonstruierten Mythen lernen können, muss der neugeschaffene Blog verbreitet werden, worum sich die Seminarteilnehmer Martin Engel und Sven Jalas kümmern. Dabei soll auch großer Wert auf die sozialen Medien gelegt werden, da sich Halbwahrheiten und ‚fake news‘ dort besonders schnell verbreiten und genau an dieser Stelle dagegen vorgegangen werden soll.

Für die acht Masterstudierenden, die den Kurs belegten, bot das Seminar einen guten Blick darauf, was die Nicht-Lehramtsstudenten mit ihrem Geschichtsstudium anfangen können. „Wissenschaftliches Schreiben für Nicht-Akademiker ist ein großes wachsendes Feld“, sagte Barsch und legte viel Wert darauf, dass die Studierenden im Seminar eigenverantwortlich ihre Texte für den Blog erarbeiteten.

Um auch nach dem abgeschlossenen Seminar weitere Geschichtsmythen aufklären zu können, möchte Barsch den Blog weiterführen. Ein ähnliches Seminar soll erneut angeboten werden und es besteht die Überlegung, eine HiWi-Stelle für die Pflege des Blogs einzurichten. Darüber hinaus wird es Anfang 2018 eine Tagung zusammen mit der Landeszentrale für politische Bildung IQSH (Institut für Qualitätssicherung der Schulen im Land Schleswig-Holstein) geben, welche die Frage behandeln wird, wie und ob die Idee des Blogs auch mit Schülern weitergetragen werden kann und wie Schüler mit Mythen, die über soziale Netzwerke verbreitet werden, umgehen sollen.

Judith Rödger
Über Judith Rödger 19 Artikel
Judith ist seit April 2015 beim ALBRECHT. Sie studiert Deutsch und Geschichte auf Fachergänzung seit dem Wintersemester 2013/14. Sie leitet das Lektorat des ALBRECHTS.

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