Aus für die Toxikologie?

Die Zukunft der Umwelttoxikologie an der CAU ist bedroht

Bild: els

„Rettet die Toxikologie!“ – Dieser Aufruf der Chemie-Doktoranden Gerrit Schienke und Sebastian Leubner an die Fachschaften Pharmazie, Chemie, Biochemie, Biologie, Medizin und Ökotrophologie sorgte im Oktober 2018 für einigen Wirbel. Ursprung des Aufrufs war die geplante Zusammenführung zweier Institute innerhalb der Medizinischen Fakultät der CAU. Dabei handelt es sich zum einen um das Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler, welches Auswirkungen von Schadstoffen auf die Umwelt und den Menschen untersucht. Es forscht zum Beispiel an Auswirkungen von Kriegsaltlasten auf die Meere oder der Frage, warum rauchende Frauen häufiger Krebs bekommen als rauchende Männer. Das Institut soll mit dem Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie zusammengelegt werden. Das pharmakologische Institut forscht an Wirkungsweisen von Medikamenten, wobei besonders die molekularen Ursachen für Therapieresistenzen, Nebenwirkungen und Überreaktionen des Körpers untersucht werden. Beide Institute erforschen also die Wirkung von Stoffen auf den Menschen, jeweils mit anderem Hintergrund und Schwerpunkt.

Dieses Jahr sollte die Professur von Edmund Maser, dem Direktor des toxikologischen Instituts, mit dessen Renteneintritt auslaufen. Das war der Anlass, die Professuren der Institute unter einem Institut zusammenfassen zu wollen. Derzeit gehören beide Institute zur Medizinischen Fakultät, das toxikologische Institut hätte laut Dekanat der Medizinischen Fakultät allerdings nicht genügend Bezug zur Medizin. Der Dekan Professor Ulrich Stephani sagte in einem Interview mit dem Schleswig-Holstein Magazin, die Medizinische Fakultät möchte medizinische Forschung betreiben und Umwelttoxikologie gehöre nicht dazu, weshalb die Professur dem pharmakologischen Institut zugeordnet werden solle.

Durch die Zusammenlegung würde der Schwerpunkt auf medizinischen Themenbereichen, wie der Untersuchung von Medikamenten, liegen. Auch die Vorlesungen und Module für Studierende aus verschiedenen naturwissenschaftlichen und medizinischen Bereichen würden sich anpassen und medizinische Themen behandeln. Damit würde die Möglichkeit wegfallen, sich auf Umwelttoxikologie zu spezialisieren. Dies ist besonders relevant, weil es nur noch eine Handvoll Institute in Deutschland dieser Ausrichtung gibt. Studierende der Chemie können an der CAU ein zusätzliches Zertifikat für die Laborarbeit erlangen, von dem die Umwelttoxikologie ein Bestandteil ist. Des Weiteren leistet das Institut mit einer Ringvorlesung Öffentlichkeitsarbeit. Die unabhängigen Forschungen sind wichtig für den Schutz der Umwelt und die Gesundheit des Menschen und sowohl die Landesregierung als auch Medien kommen mit Expertenanfragen auf Maser zu. Allein 2017 waren es 93 Anfragen, davon elf von Presse- und Hörfunkinterviews und 25 von Behörden, Verbänden und Ähnlichen. Der Rest verteilt sich auf Anfragen für TV-Interviews, Privatanfragen und Anfragen von Kliniken und Ärzten.

„Wir werden uns dafür einsetzen, dass auch zukünftig eine unabhängige Einrichtung der Forschung, Wissenschaft und Bildung für Umwelttoxikologie erhalten bleibt und sich vollumfänglich entwickeln kann.“

So steht es im Koalitionsvertag der Landesregierung Schleswig-Holsteins. Auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sieht das Land in der Verantwortung: „Der NABU fordert daher ein starkes politisches Bekenntnis aus Schleswig-Holstein zur Ökotoxikologie ein und hofft, dass auch an der CAU die Erkenntnis reift, dass das jetzige Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler eine äußerst wichtige Aufgabe wahrnimmt und damit zu erhalten ist“, heißt es in einer Stellungnahme, die bereits im Mai 2017 veröffentlicht wurde. Lasse Petersdotter, hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, erklärte in einem Gespräch mit dem ALBRECHT, dass die unabhängige Forschung des Instituts gerade in wirtschaftskritischen Bereichen, wie Weichmachern in Babyschnullern, wichtig sei. Eine Fokussierung der Medizinischen Fakultät auf rein medizinische Forschung spräche außerdem gegen die interdisziplinarische Forschung, mit der sich die CAU für die Exzellenzinitiative beworben hat. Die Entscheidung liege jedoch letztendlich bei der Uni. Das Land habe die Aufgabe zwischen den Interessensgruppen zu vermitteln, um eine Lösung zu finden, die alle Parteien berücksichtigt.

Eine Möglichkeit das toxikologische Institut in der jetzigen Form zu erhalten, wäre das Institut von Maser in die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (Mat-Nat) einzugliedern. Dies scheitert momentan allerdings an der Finanzierung, da dafür die vorhandenen Gelder umverteilt werden müssten und weder die CAU noch die Mat-Nat dafür bereit wären. Laut der CAU könne ein toxikologisches Institut in der Mat-Nat nur entstehen, wenn das Land dafür zusätzliche Gelder bereitstellt. Lasse Petersdotter sieht dies kritisch: Das Land solle keinen Präzedenzfall schaffen, indem es ein Institut der Uni finanziert. Außerdem habe die Uni eine Verantwortung, unabhängige und kritische Forschung zu betreiben, auch wenn diese nicht wirtschaftlich gefördert wird.

Doch die Disskusion um das Institut ist noch nicht enschieden. Dem im Dezember 2016 von Maser gestellten Antrag auf Verlängerung der Professur wurde Ende Oktober 2018 nach langer Verzögerung stattgegeben. Das Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler bleibt drei weitere Jahre bestehen, währenddessen wird weiter über die Zukunft der Professur und der damit verbundenen Institute verhandelt werden. In dieser Zeit werden sich Gerrit Schienke und Sebastian Leubner weiter für den Erhalt des Instituts einsetzten.

Kathrin Biskop
Über Kathrin Biskop 2 Artikel
Kathrin ist 20 Jahre alt und studiert Biologie. Sie ist seit Oktober 2017 beim ALBRECHT dabei und ist für das Layout zuständig.

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