Bambusfahrräder als Alternative zu konventionellen Fahrrädern

Alles begann vor ungefähr zweieinhalb Jahren, als Maximilian Schay und Jonas Stolzke, damals noch am Anfang ihres BWL-Studiums, einen Anruf von Maximilians Schulkollegen Niklas Juhl bekamen. Er war zu der Zeit für ein Jahr an einer Schule in Ghana tätig und wurde dort auf die einfachen Bambus-Fährräder aufmerksam, die für den ghanaischen Markt entwickelt wurden. Die schlug er dann den beiden Kieler Jungs als neue Geschäftsidee vor. Maximilian und Jonas waren von Anfang an begeistert. Ihr Kollege recherchierte dann genauer vor Ort und ging auf die Suche nach einem geeigneten Partner. Nebenbei betrieben die Kieler Jungs in Deutschland Onlinerecherche.

Schließlich fanden sie das Yonso Project. Das Projekt wurde von Kwabena Danso, dem Leiter und Gründer von Yonso-Project, entwickelt und kontinuierlich erweitert. Unterstützt wird es unter anderem von dem United Nations Development Programme, kurz UNDP und zahlreichen Spenden. Interessant zu wissen ist, dass der Gründer selbst aus armen Verhältnissen stammt und nur mit Hilfe eines Stipendiums die Möglichkeit bekam, in den USA Psychologie zu studieren. Als er dann sein Studium erfolgreich beendete, ging er zurück nach Ghana, um dort die Bildungssituation und das Leben der jungen Menschen zu verbessern. So entstand durch den Bamboo Bike Workshop, den die beiden Kieler Jungs ins Leben gerufen haben, ein finanzielles Fundament, welches Schul- und Studienstipendien, Fonds und Mikrokredite für junge Menschen bis circa 25 Jahre vor Ort mit diesem Projekt fördert. „Denn wir sind und wollten damals schon ein klassisches Unternehmen sein, aber dabei auch etwas Gutes in Ghana tun“. Pro verkauftes Fahrrad, welches viel Leidenschaft, Elan und je nach Rahmentyp schon bis zu 90 Arbeitsstunden Aufwand beansprucht, wird ein Stipendium vergeben. Den Arbeitern wird nebenbei ein fairer Lohn gezahlt und Sozialversicherungen vom Yonso Project finanziert, sodass sie somit ihren Lebensstandard  erhöhen können.

Maximilian und Jonas kommen selbst nicht aus der Fahrrad-Branche. Aber sie wussten bereits, dass die Arbeiter des Yonso Projects schon eine erste Ausbildung durch das Bamboosero Project aus den USA genießen konnten und so über Kenntnisse des Rahmenbaus verfügten. Umso entschlossener wurden die Beiden. „Sie haben damals schon ein paar Fahrradrahmen aus Bambus gebaut, aber eher ganz simpel, schlicht und von schlechter Qualität“, berichtet Maximilian. Dies bestätigte sich dann auch, als die erste Rahmenlieferung von einem deutschen Fahrradexperten durchgecheckt wurde. Die Rahmen waren leider „krumm und schief und asymmetrisch. Dann war die Frage, machen wir das Projekt so jetzt weiter, suchen wir uns einen neuen Produzenten oder sollen wir komplett aufhören?“. Doch sie gaben die Hoffnung nicht auf und suchten sich einen Geldgeber in Deutschland, einen mittelständischen Unternehmer. Er bekam ein Drittel der Anteile des Jungunternehmens und da er gute Kontakte pflegte, stellte er ihnen Ingenieure, technische Zeichner und Kontakte zur Metallbaubranche zur Verfügung. Nach und nach entwickelten sie gemeinsam ein Konzept, die Fahrräder unter einfachen Bedingungen stabiler und besser produzieren zu können. „Es ist eine Vorrichtung, eine Art Rahmenlehre am Ende geworden, ein paar Tools, die helfen, dass man bestimmte Sachen kontrollieren kann“. Mit diesen Ideen und Konzepten ging es im April 2013 schließlich für einige Wochen nach Ghana. Dort wurde dann, trotz einiger Hürden, der erste richtige Prototyp erstellt. „Wir fanden das Projekt super gut und haben gesehen, dass da Potential hinter steckt und die das mit Überzeugung und Leidenschaft machen“. Wieder in Deutschland angekommen, machten sie auf recht simple Art und Weise auf verschiedenen Messen Halt und sammelten Feedback für ihr soziales Projekt – mit Erfolg. Während sie hier fleißig nach Verkäufern suchten, wurden die Arbeiter des Bamboo Bike Workshops ausgebildet und weiter qualifiziert. Ebenso wurde ein Qualitätsmanagement eingeführt. Kurze Zeit später „haben wir Geld für Ghana zur Verfügung gestellt, damit sie dort Gebäude für das Vorhaben bauen können“. Einige Monate später flogen sie selbst nochmal nach Ghana, um sich die Situation vor Ort anzuschauen und haben „Tag und Nacht mit ihnen Rahmen gebaut“. Die erste kleine Serienproduktion wurde dann in Deutschland geprüft.
Mittlerweile haben sie schon über 40 Händler in Deutschland gefunden, jeweils einen in Italien, Schweden und Österreich. Für dieses Jahr planen Maximilian und Jonas, weitere Händler in den Niederlanden, Dänemark und Frankreich zu begeistern. Nach weiteren Monaten harter Arbeit, sowohl in Deutschland als auch in Ghana, fand dann im Frühjahr 2014 der große Verkaufsstart am Wissenschaftszentrum in Kiel statt.

Doch wie gut ist der Werkstoff Bambus eigentlich wirklich? Bambus ist ein natürlicher Rohstoff, welcher im großen Überfluss in Ghana wächst und leider kaum genutzt wird. Von großem Vorteil ist, dass es nach der Ernte wieder schnell zu Wachstum und natürlicher Stärke gelangt. Diese starke, robuste und auch leichte Außenwand des Baumbus‘ eignet sich daher besonders gut für den Rahmen der Fahrräder.

My boo zu Deutsch Mein Liebling, soll die Leidenschaft verdeutlichen, die Maximilian, Jonas und ihr Team in die Fahrräder stecken. Dabei ist der individuellen Gestaltung beim Bau keine Grenzen gesetzt. Doch all die harte Arbeit hat leider auch ihren Preis und ist für uns Studenten nicht gerade einfach bezahlbar. Für rund 2000 Euro lässt sich ein solches Fahrrad erwerben. Falls Euer Interesse trotzdem geweckt wurde und Ihr mehr über das Yonso Project als auch Maximilian und Jonas erfahren wollt, besucht einfach ihre Homepage www.my-boo.de oder schaut einfach bei den beiden im Laden vorbei.

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Über Bernadette Janik 5 Artikel
Bernadette ist seit 2013 Teil der Redaktion.

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