Leona Sedlaczek

DIE SCHÖNE UND DAS BIEST – Filmkritik

Written by Leona Sedlaczek. Posted in Kinokatze, KULTUR

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Quelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/228322/bilder/?cmediafile=21376402

Published on März 16, 2017 with No Comments

Am 16. März 2017 bringt Disney die Live-Action-Adaption des Animationsklassikers Beauty and the Beast in die deutschen Kinos – bildgewaltig und magisch überzeugt Die Schöne und das Biest mit Emma Watson und Dan Stevens in den Hauptrollen

Die Schöne und das Biest ist den meisten als Disney-Klassiker aus dem Jahre 1991 bekannt. Die Geschichte geht zurück auf ein französisches Volksmärchen in der Version La Belle et la Bête von Suzanne Barbot de Villeneuve aus dem Jahre 1740. Disney schaffte mit seiner Adaption, was vorher keinem Animationsfilm gelungen war: Eine Nominierung in der Kategorie ‚Best Picture‘ bei den Academy Awards sowie zwei Oscars für ‚Best Original Song‘ (Beauty and the Beast) und ‚Best Original Score‘ (Soundtrack). 26 Jahre nach dem Erscheinen des Animationsklassikers bringt die Filmfabrik Disney nun eine Live-Action-Adaption mit Emma Watson als schöne Belle und Dan Stevens als Biest in die Kinos.

Die Story

Belle (Emma Watson) ist eine aufgeweckte, schlaue, belesene und emanzipierte junge Frau – und will somit so gar nicht in das 18. Jahrhundert, geschweige denn das verschlafene französische Dörfchen Villeneuve passen. Mit ihrem Vater Maurice (Kevin Kline) führt sie ein ruhiges, beschauliches Leben, das jedoch stets vom Erfolgsprodukt und Dorfschönling Gaston (Luke Evans) aufgemischt wird. Besessen vom Gedanken sie zu seiner Frau zu machen, macht er Belle bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Hof – sehr zum Leiden der jungen Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als der dörflichen Einöde zu entfliehen. Wie es das Schicksal will, kehrt Maurice eines Tages nicht von einer seiner Reisen zurück – beim Versuch eine Rose für seine Tochter aus einem wie es scheint verlassenen Schlossgarten zu pflücken, gerät er in die Fänge des Biests – ein einst schöner Prinz, der von einer Zauberin für sein kaltes Herz bestraft, als hässliches Biest leben muss, bis es ihm gelingen sollte, trotz seiner Gestalt jemanden wirklich zu lieben und im Gegenzug geliebt zu werden. Belle, nichtsahnend, was sie erwartet, macht sich auf die Suche nach ihrem Vater und entdeckt das verwunschene Schloss des Biests. Selbstlos nimmt sie den Platz des eingesperrten Maurice ein und begibt sich so in die Gefangenschaft des verwandelten Prinzen. Das ebenso verwunschene Schlosspersonal (u.a. Ian McKellen, Ewan McGregor, Emma Thompson) nimmt sich ihrer an und hofft leise, dass die tapfere junge Frau diejenige ist, die den Fluch brechen kann. Doch gerade als Belle beginnt, hinter die Fassade des angsteinflößenden Biests zu blicken, droht alles aus den Fugen zu laufen.

Belle und Emma Watson

Es herrschte große Aufregung rundum die Besetzung der Belle: Emma Watson, am besten bekannt als Hermione Granger aus der Harry Potter Reihe, ist ihrerseits ein Buchwurm und bekannt als Aktivistin für Frauenrechte – eine zugegeben ungewöhnliche Voraussetzung für eine Rolle als Disney-Prinzessin. Doch Belle ist anders: Die taffe junge Frau schreckt nicht vorm übermannenden Gaston zurück und windet sich geschickt aus seinen Fängen und Begierden, sie zu einer Haus- und seiner Ehefrau zu machen. Sie lässt sich ebenso vom wütenden Biest nicht einschüchtern und keift zurück. Und so bringt auch Watson in ihrer Rolle als Belle in der Live-Action-Adaption einem Mädchen aus dem Dorf das Lesen bei, wohlwissend, dass man sie belächelt und sogar verurteilt für ihren Drang nach Wissen, rebelliert gegen Gastons unerbetene sowie unerwiderte Annäherungsversuche und stellt sich einem wütenden Biest entgegen. Watsons Besetzung macht Belles Eigenständigkeit alle Ehre und auch schauspielerisch erweckt die 26-jährige Britin die beliebte Disney-Rolle gelungen zum Leben.

Ein bildgewaltiges Spektakel

Bill Condons Liebe zum Disney-Animationsklassiker von 1991 ist auch der Live-Adaption in jeder Faser anzumerken. Zusammen mit seiner Crew hat der Regisseur (Twilight: Breaking Dawn, Mr. Homes, Inside WikiLeaks, Kinsey) ein bildgewaltiges Spektakel geschaffen, das es in jeder Szene mit der animierten Version aufnehmen kann. Nur Kleinigkeiten wurden im Drehbuch verändert und an die heutige Zeit angepasst – und mehr war auch nicht nötig. Die Schöne und das Biest verfügt damals wie heute über märchenhaften Charme, beeindruckende Kulissen und witzige Dialoge.

Was lange nicht denkbar war, wird in Beauty and the Beast möglich gemacht: Die Filmindustrie verfügt im Jahre 2017 über Techniken, die selbst die buntesten Disney-Fantasien in Live-Action auf die Leinwand bringen. Die CGI-Technologie erlaubt es, das Biest so real wie möglich erscheinen zu lassen. Dafür musste Dan Stevens seine Rolle jedoch zweimal spielen: vom Hals abwärts sowie vom Hals aufwärts. Während er auf Stelzen stand und seine Körperbewegungen gemeinsam mit den anderen Schauspielern gefilmt wurden, musste seine Mimik separat aufgenommen werden, um später dem Biest Dan Stevens Mimik zu verleihen. Dies sei besonders bei der Nachstellung des Ballsaal-Tanzes vom Biest und Belle eine Herausforderung gewesen, erinnert sich Stevens.

Die Liebe fürs Detail ist Die Schöne und das Biest in jeder Instanz anzumerken, von der Besetzung über die Kostümierung bis hin zum Bühnenbild. Das verschlafene Dorf Villeneuve, der dunkle Wald und der prunkvolle Ballsaal sind nur einige Beispiele für die beeindruckende Arbeit der Kulissenbauer. Auch Belles gelbes Ballkleid,  mit dem sie sich seit jeher in die Disney-Prinzessinnen Riege einreiht, wurde mit Bravour in ein echtes verwandelt, in welchem Emma Watson gemeinsam mit Dan Stevens über die Tanzfläche zu schweben scheint.

Auch das in Haushaltsgegenstände verwandelte Schlosspersonal wurde mit viel Liebe zum Leben erweckt. Herr von Unruh (Standuhr) und Lumière (Kerzenständer) sowie Madame Pottine (Teekanne) mit ihrem Sohn Tassilo (Teetasse) dürfen auch in dieser Version nicht fehlen, stehen dem Biest sowie Belle treu zur Seite und sorgen für Neckereien, bunte Musical-Einlagen und Amüsements. Die berühmte Be Our Guest – Sei hier Gast Sequenz ist eins der absoluten Highlights des Films, glorreich in Szene gesetzt und mit einem wortwörtlich glänzenden Ewan McGregor als Kerzenständer Lumière.

Allgemeine Freude herrschte darüber, dass der US-amerikanische Komponist Alan Menken erneut für die musikalische Untermalung des Klassikers gewonnen werden konnte. Menken gewann schon 1991 einen Oscar für unter anderem seinen Song Beauty and the Beast und verwandelt auch die Live-Action-Version von einem Spielfilm in ein wahres Musical. Luke Evans als Gaston und Josh Gad als LeFou stechen mit ihrer langjährigen Gesangserfahrung besonders aus dem Ensemble heraus und haben eine derartige Chemie auf der Leinwand, dass es eine Freude ist, ihnen zuzusehen.

Stockholm-Syndrom und ein homosexueller Twist

Insgesamt ähnelt Die Schöne und das Biest in Aufmachung und Storyline zu Recht sehr dem Animationsfilm, doch hier und da haben die Macher ein bisschen an den Rädchen der Zeit gedreht.

In der Beziehung zwischen Belle und dem Biest gibt es einige kleine, aber feine Unterschiede, die das dem Film vorgeworfene Stockholm-Syndrom nicht mehr ganz so vordergründig erscheinen lassen. Im Animationsfilm wird der Prinz schon als Junge verwandelt, weshalb Belle dem nun erwachsenen Biest, das Lesen beibringt. In der Version von 2017 hat das Biest jedoch tatsächlich fast jedes Buch seiner riesigen Bibliothek gelesen – mit Ausnahme der griechischen. Belle, der in ihrem Dorf nur Unverständnis für ihre Buchliebe entgegenschlägt, ist glücklich, endlich jemanden zu treffen, der ihr literarisches Interesse teilt. Belle und das Biest unterhalten sich über Shakespeare, rezitieren Gedichte und entdecken überrascht ihre Gemeinsamkeiten.

Darüber hinaus erforscht Die Schöne und das Biest die Geschichte rundum Belles Mutter, die in der Version von 1991 keine weitere Beachtung findet. Weil ihr Vater stets über das Schicksal der Mutter schweigt, ist 2017-Belles sehnlichster Wunsch zu erfahren, was mit ihrer Mutter geschehen ist. Unverhofft hilft ihr das Biest, endlich mehr über ihre lang vermisste Mutter herauszufinden. Belle und der verwunschene Prinz gehen so eine deutlich tiefere Verbindung ein, die anders als im Klassiker nicht auf Mitleid, sondern persönlichem Interesse, füreinander da sein und Gemeinsamkeit beruht. Stockholm-Syndrom, adé!

Vielleicht um dem Zahn der Zeit zu entsprechen, vielleicht auch um eine soziokulturelle Message zu senden, gibt es in der 2017-Version einen Twist, der 1991 sicher nicht vorhanden war: Einer der Charaktere entpuppt sich als homosexuell. Bravo für diesen in einem Disney-Film längst überfälligen Schritt in Richtung Toleranz und Akzeptanz.


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Erfindet der Film die Geschichte um Belle und das Biest neu? Wohl kaum. Aber er feiert den sehr gelungenen Disney-Klassiker von 1991 und passt ihn der Moderne an, besänftigt die Stockholm-Syndrom-Vorwürfe und zaubert eine märchenhafte, gut durchdachte, wunderbar besetzte und wirklich gelungene Live-Action-Version eines Animationsfilms auf die Leinwand, die sich anzusehen auf jeden Fall lohnt. Um zu Lumières Ehren mit seinen Worten zu enden: Sei hier Gast!


Beauty and the Beast – Die Schöne und das Biest
Kinostart: 16. März 2017
Regie: Bill Condon
Mit Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Kevin Kline, Josh Gad, Ewan McGregor, Ian McKellan, Emma Thompson, Stanley Tucci, Gugu Mbatha-Raw, Audra McDonald, Hattie Morahan und Nathan Mack

Hier geht’s zum deutschsprachigen Trailer: Die Schöne und das Biest
Hier geht’s zum englischsprachigen Trailer: Beauty and the Beast


Bildquelle: Filmstarts.de

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About Leona Sedlaczek

Leona Sedlaczek

Leona ist seit Juni 2014 Teil der Redaktion und war von Dezember 2014 bis Februar 2017 Chefredakteurin der Print-Ausgabe des ALBRECHT. Seit Februar leitet sie die Online-Redaktion. Leona studiert Englisch und Französisch an der CAU, schreibt für verschiedene Ressorts der Zeitung und kritisiert Land, Leute, Uni und den Status Quo ebenso gerne wie Platten.

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