Zählt nur die Zahl?

Studierende der Sozialwissenschaften und der Psychologie sollen während ihres Studiums Forschungsmethoden erlernen, um Untersuchungen durchführen und bewerten zu können. Soziologiestudierenden werden dabei qualitative, quantitative und kombinierte Methoden gelehrt. Von den vier Soziologieprofessor*innen an der CAU nutzen zwei einen qualitativen und zwei einen quantitativen Ansatz für ihre Forschung und Lehrforschungsprojekte. Psychologiestudierende hingegen widmen sich laut Lehrplan nach einer Veranstaltung, in der die Existenz und die Grundlegung aller drei Möglichkeiten besprochen wird, gänzlich und ausführlich der quantitativen Forschung.

Quantitative und qualitative Forschung unterscheiden sich hingehend ihres Forschungsinteresses, der Methodik, der Analyse und den Ansprüchen und Zielen – genug Potential, um auf Grundlage der selbst präferierten Methodik die andere anzugreifen.Während bei der quantitativen Forschung in der theoretischen Herleitung Hypothesen gebildet werden, die überprüft werden sollen, geht es in der qualitativen Forschung darum, offen und flexibel Ideen bezüglich möglicher Zusammenhänge oder Sachverhalte zu sammeln. Dabei werden insbesondere die subjektiven Sichtweisen der Untersuchten berücksichtigt. Dazu werden zum Beispiel Einzelfälle, Interviews oder Beobachtungsmethoden genutzt, die anschließend bezüglich ihrer Bedeutung analysiert werden. Dieses qualitative Vorgehen wird zum Beispiel in kombinierten Methoden zur Ableitung von Hypothesen für quantitative Forschung oder als alleinstehende Betrachtung eines Forschungsgegenstandes genutzt. Beispielhaft hierfür ist eine Fragestellung wie: Welche Elemente beinhaltet eine Therapie bei Depression und was wird als hilfreich erlebt?

Bei der quantitativen Methodik hingegen werden Variablen und Konstrukte in Zahlen überführt, mit denen, von Studierenden gefürchtet, statistische Analysen berechnet werden. Die Untersuchten nehmen an möglichst standardisierten und objektivierten Verfahren teil, die jedem/r Untersuchten einen Datensatz zuordnen. Aus den Ergebnissen lässt sich dann eine Tendenz ableiten, Hypothesen zu verwerfen oder beizubehalten. Eine beispielhafte Hypothese wäre: Patient*innen zeigen nach einer Therapie weniger Depressionssymptomatik.
Die Unterschiede zwischen den beiden Forschungsrichtungen bedingen einen seit Jahren geführten Methodenstreit. Quantitativ Forschende empfinden qualitative Forschung häufig als ungenau und subjektiv. Genauso kritisieren Vertreter der qualitativen Forschung den quantitativen Ansatz dafür, dass er bei der Prüfung von Hypothesen nicht ergebnisoffen und nah am Untersuchungsobjekt Mensch agiert. Doch beides ist nötig, um Relevanz und Güte in der Forschung zu garantieren.

Trotzdem werden in der Psychologie an der CAU die Lehre, Publikationen und Maßstäbe durch die quantitative Forschung dominiert. Dadurch kann für Studierende Forschung mit quantitativen Methoden zu Unrecht alternativlos erscheinen, obwohl auch die qualtiatitve Forschung möglich und wichtig ist. Am Kieler Institut für Soziologie wird gezeigt, dass die Lehre und Forschung von und mit qualitativer und quantitativer Forschung möglich ist, vielleicht kann dies eine Veränderung über Fachgrenzen hinaus bewirken.

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Mimke Lena Teichgräber
Über Mimke Lena Teichgräber 58 Artikel
Studiert seit 2013 Psychologie in Kiel, und frönt dem ALBRECHT seit dem Wintersemester 2014/15, von 2015 bis 2017 als Bildredakteurin und von Januar 2017 bis Januar 2018 als stellvertretende Chefredakteurin.

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