Bis wirklich alle lachen

Kommentar: Satire ist Geschmackssache

Bild: Publicdomainvectors

Das Jahr 2019 ist vorbei und mit ihm die Zeit des Neo Magazin Royale beim ZDFneo. Moderator Jan Böhmermann verabschiedet sich aber noch lange nicht, sondern wird ab Oktober 2020 mit einer neuen Show im ZDF-Hauptprogramm zu sehen sein. Ungewiss bleibt, ob seine bissige Satire-Sendung den Umzug in die staubigen Humorkreise des ZDF mit seinen gutbürgerlichen Zuschauer*innen unbeschadet überstehen wird.

Mit Übertreibungen und Spott Kritik zu üben, ist die Kunst des Satirikers. So wurden von Böhmermann regelmäßig Politik und Gesellschaft der Lächerlichkeit preisgegeben. Als Unterhaltungsform hat Satire das Potential, Missstände anzusprechen mit der Intention, zu einer gesellschaftlichen Diskussion zu bewegen oder aktuellen Debatten einen neuen Anstoß zu geben.

Wöchentliche Comedy-Shows im ZDF wie die heute-show oder extra 3 im ARD-Programm nutzen die Möglichkeiten der Satire nur flüchtig. Stattdessen werden Zuschauer*innen mit vorhersehbaren Witzen abgespeist. Die Fernsehlandschaft würde einiges missen, wenn Böhmermann sich künftig ähnlich plumpen Gags hingibt.

Ist das noch Satire?

Die heute-show mit Moderator Oliver Welke ist ein Freitagabend-Unterhaltungsprogramm. Satire und echte Kritik an der herkömmlichen Nachrichtenerstattung lassen sich nur noch selten blicken. Fernsehkritiker Hans Hoff hat daher beschlossen, diese ͵Politikwitzchen für Doofeʹ nicht mehr zu gucken. Die Witze laden zum Schmunzeln ein, doch der Humor ist vorhersehbar – vor allem, wenn die gleichen Themen und Gags auch beim Konkurrenten zu sehen sind: Denn beim Pendant im Ersten, extra 3, läuft die gleiche Leier. Aber der*die Rentner*in lacht – an den Stellen, die Moderator Christian Ehring vorgibt.

So intentionslos die Sendungen auch sein mögen, die seichte Abendunterhaltung ist ein voller Erfolg. Millionen Deutsche lassen sich wöchentlich von Welke, Ehring und Co. berieseln. Hier ist nicht viel zu erkennen vom Aufdeckungswillen. Mit kleinen Abendgags werden keine Diskussionen angestoßen, es wird unterhalten und Zuschauer*innen in ihrer Meinung bestärkt, Verdrossenheit wird beflügelt.

Für Zuschauer*innen des Neo Magazin Royale hingegen ging es gerne an die Grenzen – Erdogan lässt grüßen. Der Humor von Böhmermann ist derb, er eckt an. Das trifft vor allem zu, wenn subtil bis obszön die Gesellschaft verspottet wird. Schließlich erkennt sich niemand gerne als Objekt der Lächerlichkeit wieder.

Satire muss nicht allen gefallen

Natürlich, selbstverständlich, Kritik an der Politik wird auch in der heute-show und bei extra 3 geübt – nur leicht verdaulich und in kleinen Witzchen serviert. Es soll schließlich keiner aufstoßen müssen. Das Schöne ist doch, dass Böhmermanns Satire nicht allen gefallen muss. Dennoch rückt er mit seinen provokanten Beiträgen gesellschaftliche und politische Probleme in den Fokus, die andernfalls ignoriert werden.

Da bleibt die Hoffnung, dass ein Böhmermann im Hauptprogramm für echte Kritik und Satire sorgen kann und nicht zu einem weiteren Clown leerer Quoten-Witze wird – aber fürs ZDF reicht‘s.

Autor*in

Alexandra studiert Biochemie und Molekularbiologie. Sie ist seit Oktober 2016 beim Albrecht als Redakteurin aktiv, schreibt über Hochschulforschung oder gibt im Gesellschaftsressort ihre Meinung zum Besten und beim Layout und Design der Zeitung hilft sie gerne aus.

Alexandra Tietze
Über Alexandra Tietze 24 Artikel
Alexandra studiert Biochemie und Molekularbiologie. Sie ist seit Oktober 2016 beim Albrecht als Redakteurin aktiv, schreibt über Hochschulforschung oder gibt im Gesellschaftsressort ihre Meinung zum Besten und beim Layout und Design der Zeitung hilft sie gerne aus.

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