Bis nach Flintbek und nicht weiter

Wie stehen die Chancen auf ein landesweites Semesterticket an der CAU?

von Maxine Holsten

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01. März 2018

Wie stehen die Chancen auf ein landesweites Semesterticket an der CAU?

Die Freiheit, von Kiel nach Lübeck, Hamburg und sogar bis nach Sylt zu fahren, ohne für jede Fahrt zahlen zu müssen – das könnte ein landesweites Semesterticket für Studierende in ganz Schleswig-Holstein bedeuten. Derzeit reicht das Netz des aktuellen Semestertickets bis nach Flintbek und nicht weiter. In anderen Bundesländern ist ein landesweites Ticket bereits fest etabliert. Mit dem Niedersachsen/Bremen-Ticket können Studierende an der Universität Osnabrück für 179 Euro von der Nordsee bis in die Grenzgebiete NRWs alle Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs nutzen. Zusätzlich ist zu bestimmten Zeiten eine Fahrradmitnahme möglich. Und auch wer an einer Universität in NRW studiert, kann für rund 170 Euro im Semester das ganze Bundesland bereisen und am Wochenende sogar noch weitere Personen im Stadtgebiet kostenfrei mitnehmen.

In Schleswig-Holstein setzt die Thematik derweil Moos an. Während für viele Kieler Studierende das Naheliegendste zumindest eine Erweiterung des Tickets bis nach Hamburg wäre, ist für andere der niedrige Preis des Semesterbeitrags wichtiger. Die Hochschulpolitik will möglichst beides miteinander vereinbaren. Sowohl CampusGrüne als auch Juso-Hochschulgruppe fordern von der Landespolitik finanzielle Unterstützung. Ein landesweites Semesterticket müsse bezahlbar, sozialverträglich und fair für alle Studierenden gestaltet sein und auch für Auszubildende gelten. Unterm Strich soll das landesweite Semesterticket mit der größtmöglichen Reichweite zu einem möglichst günstigen Preis erworben werden. „Das ideale Semesterticket stimmt vom Preis-Leistungs-Verhältnis her“, sagt auch die Liberale Hochschulgruppe. Zwar äußert sie sich nicht konkret zum landesweiten Semesterticket, schlägt aber eine Kooperation mit privaten Unternehmen, wie zum Beispiel FlixBus vor, aus denen Sonderkonditionen für Studierende hervorgehen sollen.


Ergebnis der facebook-Umfrage:

Von 1281 Teilnehmenden sind 76 % für eine Erweiterung
des bestehenden Semestertickets


Die Einführung eines landesweiten Semestertickets würde gleichzeitig die Erhöhung des Semesterbeitrages bedeuten. Zurzeit zahlen Kieler Studierende 120,50 Euro pro Semester inklusive Semesterticket. Während die Juso-Hochschulgruppe die Gespräche mit dem Land und „anderen Akteuren“ als „sehr konstruktiv“ beschreibt, sagt Julian Schüngel, zuständig für Infrastruktur beim AStA und Mitglied im Verhandlungsteam der Landes-ASten-Konferenz SH (LAK): „Tatsächlich gibt es noch keinen Preis und kein Einführungsdatum.“ Zwischen Verhandlungspartnern und Akteuren habe zwar bereits ein Treffen stattgefunden, allerdings habe sich seit den letzten Jahren kein neuer Standpunkt ergeben. Da es schwierig sei, Vertreter aller Verkehrsverbunde in Schleswig-Holstein an einen Tisch zu bekommen, stünden die Chancen auf ein landesweites Semesterticket im nächsten Jahr weiterhin schlecht, so Schüngel. Sollte sich dieser Zustand verändern, beabsichtige der AStA eine umfangreiche Infokampagne zu organisieren und daraufhin eine Urabstimmung der Studierendenschaft zu initiieren: „Unsere Urabstimmung wird maßgeblich darüber entscheiden, ob auch alle anderen Studierenden in SH ein landesweites Semesterticket bekommen. Denn die CAU mit ihren 26 000 Studierenden, stellt die Hälfte aller Studierenden in Schleswig-Holstein.“

Bereits 2010 konnten sich die Studierenden der CAU zwischen zwei Optionen für den Bahnverkehr entscheiden: dem 24/7 Ticket, für Fahrten rund um die Uhr, für 256,50 Euro und dem Heimfahrerticket, welches Einschränkungen bei Fahrten tagsüber während der Woche enthielt, für 141 Euro. Beide Tickets wurden von der Studierendenschaft abgelehnt. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Die Verhandlungen von heute haben jedoch nichts mehr mit den (miserablen) Konditionen von damals gemeinsam. Inzwischen verhandelt nicht mehr nur der AStA der CAU mit den Verkehrsbetrieben, sondern die Landes-ASten-Konferenz SH, wodurch eine ganz andere Verhandlungsbasis geschaffen wird. Das Ticket, über das derzeit verhandelt wird, soll 24 Stunden gelten. Die Frage ist: Zu welchem Preis? Der Blick auf die veränderte Verhandlungsposition und andere Bundesländer lässt vermuten, dass der Preis im Vergleich zur Wahl von 2010 geringer ausfallen wird. Dies bestätigt auch Julian Schlüngel: „Wir arbeiten an was Gutem. Die Lage ist anders als damals.“

Bei einer im Januar 2018 von DER ALBRECHT durchgeführten facebook-Umfrage stimmten von 1 281 Teilnehmenden 969 für eine Einführung des Tickets und 312 dagegen. Trotzdem bleibt das Thema umstritten. Die Meinungen reichten von totaler Ablehnung bis zu dankbarer Begeisterung. So kommentiert Daniela B.: „Ich würde es [das Ticket] eh nicht nutzen, weil ich auf mein Auto angewiesen bin und […] daher nicht so viel Geld für ein Ticket zahlen möchte, das ich nicht nutze!“ In den Kommentaren wurde außerdem auf die schlechte Nahverkehrssituation in Kiel und Umgebung hingewiesen. Eine Tatsache, die sich nicht wegargumentieren lässt: Kiel hat ein Mobilitätsproblem. West- und Ostufer sind denkbar schlecht miteinander verbunden und Kiel ist inzwischen die einzige Landeshauptstadt ohne Stadtbahn. Auch landesweit gibt es viele Orte, die sich nur schwer mit der Bahn erreichen lassen, weswegen sich viele Pendler*innen lieber auf das eigene Auto verlassen.

Aber „auch in Niedersachsen, Brandenburg und anderen dünner besiedelten Bundesländern gibt es landesweite Semestertickets, die auch super ankommen und genutzt werden“, bemerkt eine weitere Studentin im Zuge der facebook-Debatte. Außerdem hätte ein landesweites Semesterticket eine entlastende Wirkung auf die Parkplatz- und Verkehrssituation. Positive Effekte für die Umwelt inklusive. Auch darf nicht vergessen werden, dass sich die Zahlung des Ticketpreises auf sechs Monate verteilt. Zurzeit kostet ein Schleswig-Holstein-Ticket der Deutschen Bahn 29 Euro für einen limitierten Zeitraum von 9 Uhr morgens bis 3 Uhr des Folgetages. Wer später zurückfahren will, zahlt erneut. In einem weiteren Kommentar wird bekräftigt: „Am Wochenende mal an die Nordsee, im Winter auf den Lübecker Weihnachtsmarkt, in Neumünster günstig wohnen und in Kiel studieren oder am Wochenende einfach mal nach Hamburg…Es gibt schon einige Ziele.“ Für die Einführung eines Semestertickets spricht außerdem, dass Kooperationen zwischen den verschiedenen Hochschulen in Schleswig-Holstein erleichtert würden und Praktikumsplätze besser erreichbar wären. Trotzdem: Dürfen 24 Prozent, die bei der (nicht repräsentativen) ALBRECHT-Umfrage gegen das Ticket gestimmt haben, übergangen werden? Kann deswegen eine Mischform oder ein Semesterticket als frei wählbare Option eine Lösung sein? Die anderen Bundesländer beweisen:

Ein Studierendenticket lebt vom Solidarmodell. Wird es nicht landesübergreifend eingeführt, ist der Preis für viele zu hoch. Eine Kommentatorin äußert: „Ich finde das Solidarmodell gut. Ich bin ja auch froh um meine Krankenkasse und darum, dass ich auf öffentlichen Straßen fahren kann, und dass die Feuerwehr kommt, wenn‘s brennt – alles Solidarmodelle.“

Das landesweite Semesterticket ist darüber hinaus eine Chance auf mehr Freiheit, mehr Mobilität und die Möglichkeit, das Studium als Lebensphase und Zeit des Entdeckens und Ausprobierens zu verstehen. Entscheiden werden letztendlich die Studierenden. Wichtig ist, am Ball zu bleiben und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nichts wäre trauriger, als dass das Thema Semesterticket und studentische Mobilität als moosbedeckte Aktenleiche endet.

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Über Maxine Holsten

Maxine Holsten

Maxi ist 20 Jahre alt und studiert Deutsch und Philosophie an der CAU. Sie ist seit dem Wintersemester 2016/17 Redakteurin beim ALBRECHT und schreibt vor allem für die Ressorts Gesellschaft und Hochschule.

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