Campus-Cup für Frauen

Teilnehmerinnen des Campus-Cup

Am 16.11.2013 war es wieder soweit. Im Rahmen eines Fachergänzungsseminar wurde an zwei Tagen der Campus-Cup ausgetragen. Das Seminar wurde vom Zentrum für Schlüsselqualifikationen und der Gleichstellungsbeauftragen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ausgerichtet und war exklusiv für Frauen.

Ein Gastbeitrag von Mikis Bünning

Der Campus-Cup ist die erste Stufe des sogenannten priME-Cups. Einem Planspiel-Wettbewerb, bei dem Teams aus Studierenden unterschiedlicher Studiengänge und Fakultäten ein Unternehmen leiten und um die virtuelle Marktführung konkurrieren. Die theoretische und praktische Auseinandersetzung im Planspiel soll auf die Praxis vorbereiten und helfen Berührungsängste mit betriebswirtschaftlichen Operationen und Begrifflichkeiten abzubauen.

Der Campus Cup

Am 16.11 um 9:00 geht es also los. 20 Studentinnen aus verschiedenen Studiengängen wie Geographie, Mathematik, Informatik, Medizin, Physik oder Ökotrophologie stellen sich vor und bilden Teams. Jetzt heißt es mit Hilfe eines Businessplan-Tools ein gutes Konzept für die Vermarktung von Surfbrettern zu erarbeiten. Die Teams müssen in ihrem Konzept die sechs Spielrunden im Voraus planen und die Kursleiter von der Tragfähigkeit ihrer Überlegungen überzeugen, damit diese ihnen virtuelle Kredite bewilligen. Die unterschiedlichen Teams treten dann im Spielverlauf auf einem gemeinsamen Markt gegeneinander an und kämpfen damit gleichzeitig um die selben Kunden. Hierbei müssen beispielsweise Entscheidungen über den Verkaufspreis sowie über die Ausgaben für Personal, Forschung und Entwicklung oder Werbung und Verkaufsförderung getroffen werden. Die Entscheidung eines Teams beeinflusst auch immer den Erfolg oder Misserfolg der anderen Teams. Senkt ein Unternehmen seinen Verkaufspreis und produziert eine große Anzahl an Surfbrettern, kann dies zur Folge haben, dass andere Unternehmen ihre produzierte Ware nicht absetzen können. Das Verdrängen der Konkurrenz mag große Vorteile bieten, dennoch müssen trotzdem Gewinne erzielt werden.

Der große Vorteil eines Planspiels sei es, erläutert Kursleiterin Wibke Matthes, dass auf die eigenen Entscheidungen, unmittelbar Ergebnisse im Marktgeschehen erfolgen und damit auch direktes Feedback für das individuelle Lernen gegeben wird. Ohne persönliches und finanzielles Risiko ist es erlaubt, Fehler zu machen und durch sie zu lernen. Frau Matthes fasst diese Art der Herangehensweise mit folgender Formel zusammen: „Unternehmerisches Denken lernt man durch unternehmerisches Handeln“. Jedoch werden in einem Campus-Cup-Seminar auch theoretische Inhalte und Begriffe erarbeitet. Die Studierenden lernen im Spiel mit der betriebswirtschaftlchen Sprache umzugehen und können so etwa den Zusammenhang zwischen einer Bilanz und einer Gewinn- und Verlustrechnung erkennen. Wie selbstverständlich jonglieren sie mit Begriffen wie Liquidität, Engpass oder Maschinenauslastung.

Die Spielrunden

Neeskea Kriett studiert Ökotrophologie im Master und nimmt an dem Planspiel-Seminar teil. Sie hat sich zwar schon theoretisches Wissen der Betriebswirtschaftslehre aneignen können, jedoch fehlte ihr bislang die praktische Erfahrung. Zusammen mit drei anderen Studentinnen gründet sie nach erfolgreicher Verhandlung mit der Spielleiterbank virtuell das Unternehmen „Fluidsurf“ und konkurriert mit den Unternehmen „Bluesurf“, „Soulsurfer“, „Foamy“ und „Santasurf“. „Fluidsurfs“ Strategie besteht darin, hochwertige Boards zu produzieren, die satte Gewinne abwerfen. Klasse statt Masse. Zunächst muss also erst einmal investiert werden. Daher steckt das Unternehmen 19.000€ in Forschung und Entwicklung.

Die Entscheidungen aller Teams wurden inzwischen eingegeben. Jetzt wartet die erste Runde auf ihre Ergebnisse. Ein Moment lang herrscht Stille. Ihr folgen die Worte der Kursleiterin „Wir haben die Ergebnisse der ersten Runde.“ Alle Augen sind jetzt auf das Beamerbild gerichtet, während Wibke Matthes die Teams durch die Resultate der Runde führt. Alle anderen Unternehmen bleiben in Forschung und Entwicklung bei den Mindestausgaben von 15.000€. „Fluidsurf“ setzt sich also an die Spitze der Qualitätspyramide. Doch der Preis in der ersten Spielperiode von 695€ pro Surfbrett gegenüber den Preisen der Konkurrenz, die zwischen 450€ und 510€ liegen, ist zu hoch angesetzt. „Fluidsurf“ schafft es nicht, die produzierte Ware an die Kunden zu bringen, bleibt das einzige Unternehmen, was nicht ausverkauft ist, und schreibt rote Zahlen. Die nächste Spielperiode läuft besser, kann die Defizite der ersten Runde jedoch nicht ausgleichen. Besonders die Unternehmen „Bluesurf“ und „Santasurf“ konnten bereits hohe Gewinne einfahren.

Teilnehmerinnen des Campus-Cup
Teilnehmerinnen des Campus-Cup

Für Neeskea Kriett ist die Strategie ihres virtuellen Unternehmens jedoch die richtige: „Die Forschung und Entwicklung unseres Surfbretts hat uns einiges gekostet. Aber das wird sich hoffentlich später auch auszahlen.“ Für die weitere strategische Planung heißt es also weiter Marktführer in Forschung und Entwicklung bleiben, sowie den preislichen Vorstellung und der Zielgruppe treu bleiben. Genau das setzt das vierköpfige Team dann auch um. Doch der Abstand aus den ersten beiden Perioden ist zu groß. Die Unternehmen „Bluesurf“ und „Santasurf“ setzen sich mit ihren Gewinnen immer weiter ab und machen den Kampf um die Marktführung untereinander aus. Und das ist richtig spannend. Teilweise wirkt es so, als wenn beide Unternehmen synchron ihre Verkaufspreise senken und auch bei den Ausgaben für Werbung, Forschung und Personal dicht aneinander kleben. Jede Veränderung die einen Abstand zwischen beiden Unternehmen erzeugt, ist dann deutlich bei den Absatzzahlen und auch bei Umsatz, Gewinn- und Verlust zu sehen.

Am Ende gewinnt „Bluesurf“ nach einem großen Wettlauf den Spielwettbewerb. „Fluidsurf“ landet mit kleinen Verlusten auf dem letzten Rang, schafft es jedoch weiter das Surfbrett mit der höchsten Qualität anbieten zu können. Für die Endwertung zählen jedoch nicht nur die Ergebnisse des Planspiels, sondern auch eine abschließende Präsentation von Ergebnissen, Strategien und zukünftigen Planungen, sowie der erarbeitete Business-Plan. Bei beidem kann „Fluidsurf“ punkten und verbessert sich so noch um einen Rang.

Nüchterne Planung oder spannendes Pokerspiel?

„Wir sind mit einem Minus aus dem Spiel gegangen, sind unserer Strategie aber treu geblieben. Wir haben versucht, uns mit hochpreisigen und hochqualitativen Boards auf dem Markt zu halten. Die großen Gewinne haben jedoch die Billigboardanbieter gemacht.“ fasst Neeskea Kriett das Ergebnis der sechs Spielrunden zusammen. So glich das Unternehmensplanspiel an einigen Stellen einem Pokerspiel, wie Neeskea Kriett es ausdrückt: „Als Team hat man einige Informationen über den Markt und kann so spekulieren, was passieren könnte. Die Entscheidungen der anderen Teams bleiben jedoch so lange unbekannt bis gleichzeitig alle Karten aufgedeckt werden. Das führte besonders am Anfang zu sehr großen Überraschungen!“. Es sei ein spannendes Wochenende gewesen, das sehr viel Spaß gemacht hat. Die Entscheidung am Seminar teilzunehmen sei auf jeden Fall die richtige gewesen.

Fazit

Das sahen fast alle anderen Teilnehmerinnen ähnlich. In einer abschließenden Evaluation wurden die 20 Teilnehmerinnen zu verschiedenen Punkten befragt. 18 Teilnehmerinnen gaben an, dass sie Spaß am Seminar hatten und es weiterempfehlen würden. Die Einsteigerfreundlichkeit wurde von 16 Teilnehmerinnen positiv bewertet und 15 Teilnehmerinnen meinten, sie hätten viel gelernt. Die Geschlechtertrennung war nur für sechs Teilnehmerinnen ein Anmeldekriterium. Für andere Teilnehmerinnen war zum Beispiel der Zeitpunkt des Seminars ein gutes Argument. Erwartungen an ein Seminar unter Frauen betrafen insbesondere die Arbeitsatmosphäre. In einem geschlechtergetrennten Seminar, so nahmen einige Teilnehmerinnen vor Seminarbeginn an, ließe sich Gleichberechtigung hinsichtlich der Redeanteile und auch der Entscheidungsfindung besser verwirklichen. Auch würde man sich eher erlauben Fehler zu machen und es gäbe weniger Scheu davor bei fehlendem Wissen andere Seminarteilnehmer oder auch die Kursleitung offen zu fragen.

Diese Erwartungen sahen alle Teilnehmerinnen, die sich bewusst für ein geschlechtergetrenntes Seminar angemeldet hatten, bestätigt. Für Neeskea Kriett war die Geschlechtertrennung kein Anmeldekriterium. Sie war jedoch positiv von der Harmonie der Teams überrascht. Auch die Dozentin Frau Matthes bewertet die Arbeitsatmosphäre sehr positiv: „Die Stimmung in diesem Seminar ist eine ganz andere als in den bisherigen geschlechtergemischten Seminaren. Die Teilnehmerinnen arbeiten sehr fleißig, gewissenhaft und akribisch an dem Gegenstand. Sie trauen sich Unsicherheit zu zeigen, kommen schnell ins Gespräch und treffen alle Entscheidungen gemeinsam.“

Was halten Sie von geschlechtergetrennten Seminaren? Hätten Sie Interesse an einem teilzunehmen? Schreiben Sie uns gerne eine Email an frauen-cup@zfs.uni-kiel.de 

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