„Das aufzuführen, lohnt wirklich.“

Am Ende dieses Semesters finden wieder die traditionellen Semesterkonzerte von Studentenkantorei und Collegium Musicum der CAU statt. Beide Ensembles musizieren gemeinsam am 26., 28. und 29. Januar jeweils um 20 Uhr im Kieler Schloss, der Eintritt ist frei. Unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer werden Robert Schumanns „Das Paradies und die Peri“ und Johannes Brahms‘ „Schicksalslied“ aufgeführt.

DER ALBRECHT: Herr Emmer, worum geht es in den beiden Stücken?
Bernhard Emmer: Beide vertonten Texte handeln vom Leben des Menschen, das in einer steten Spannung zwischen irdischem Dasein mit all seinen Facetten einerseits und der Welt des Göttlichen andererseits stattfindet. In Hölderlins Gedicht „Schicksalslied“ hat der vom Schicksal „von Klippe zu Klippe geworfene“ Mensch keine Aussicht auf himmlische Erlösung. Die Welt der Götter bleibt unerreichbar. Entsprechend ist in der Musik ein äußerst dramatischer Mittelteil gerahmt von einer wunderbar kantablen Einleitung bzw. einem sehnsüchtig entrückten Nachspiel. Hier nun scheint sich durch die Musik doch ein Ausblick auf Aufnahme in den Himmel zu eröffnen.
Schumanns Textvorlage trägt die Perspektive auf himmlische Vollendung bereits in sich. „Das Paradies und die Peri“ handelt von einem aus dem Paradies verstoßenen Engel, der Peri. Um wieder Aufnahme in den Himmel zu finden, soll die Peri „des Himmels liebste Gabe“ suchen. Schließlich ist es die dargebrachte „Träne eines reuigen Sünders“, die der Peri den Himmel erneut öffnet. Dies steht als Bild für den Menschen, der zur Umkehr bereit ist, um so in die Ewigkeit zu gelangen.
Die kompositorische Vielfalt ist nun so komplex, dass sie sich einer knappen Beschreibung entzieht. Da bleibt nur: Kommen und hören!

Warum haben Sie genau diese beiden Stücke für dieses Semester ausgewählt?

„Das Paradies und die Peri“ ist ein Werk, das zu Schumanns Zeiten sehr bedeutend war und im 19. Jahrhundert häufig aufgeführt wurde und seit Mitte des letzten Jahrhunderts im Konzertleben kaum noch eine Rolle spielte. Es handelt sich um ein außerordentlich gut gearbeitetes Musikwerk, das aufzuführen, lohnt wirklich. Zur Eröffnung des Konzertabends habe ich Brahms` „Schicksalslied“ ausgewählt.

Es wird vor den Konzerten viel geprobt. Wie läuft die Arbeit mit dem Chor und dem Orchester ab und wie gefällt Ihnen diese bis jetzt?
Wir haben dieses Semester einen sehr großen Chor, etwa 150 bis 160 Mitwirkende, die alle ganz enthusiastisch bei der Sache sind. Die Mitwirkenden bringen unterschiedlichste Voraussetzungen mit. Diese reichen von umfangreicher Chorerfahrung bis hin zum ersten Kontakt mit dem Singen in einem solchen Ensemble. Einer so gemischten Gruppe diese Musik nahezubringen und sie zu erarbeiten finde ich außerordentlich spannend. Ähnliches gilt für das Orchester. Eine schöne Arbeit!

Wer kann denn überhaupt alles im Chor und im Orchester mitmachen?
Was das Orchester angeht, muss man natürlich ein entsprechendes Instrument spielen können. Das kann man im Orchester nicht erst lernen. Wie oben bereits angedeutet ist es allerdings sehr wohl möglich, mit weniger Erfahrung im Chor anzufangen – da habe ich immer wieder erstaunliche Entwicklungen beobachten können.

Und werden dann die Chorerfahrenen als Solisten eingesetzt oder wie werden diese ausgewählt?
Man kann selbst dem erfahrensten Chorsänger keine große solistische Partie übertragen. Schumanns „Das Paradies und die Peri“ enthält ausgedehnte Gesangspartien für professionelle Sänger. Nur solche Stimmen haben das nötige Volumen und die Fähigkeit zur differenzierten musikalischen Ausgestaltung.

Die Konzerte kann man sich kostenlos anhören. Wie wird das Projekt dann finanziert?
Solche Veranstaltungen sind recht teuer, zumal sie im Konzertsaal des Kieler Schlosses stattfinden. Am Ende der Veranstaltung wird gesammelt, das Fehl wird durch einen Etat gedeckt.

Welche Stücke planen Sie für das nächste Semester?
Was das Orchester angeht, gibt es eine erneute Zusammenarbeit mit dem Pianisten Andreas Boyde. Mit ihm spielen wir zwei Stücke für Klavier und Orchester, eins von Carl Maria von Weber und ein Konzert von Franz Liszt. Dazu kommt noch etwas Sinfonisches für Orchester, was ich aber noch nicht ausgewählt habe.
Mit dem Chor stelle ich mir ein Programm mit Psalmvertonungen vor. Dieses wird in Zusammenarbeit mit dem Kieler Kammerorchester erarbeitet. Hier kann ich bislang nur den Komponisten Antonio Vivaldi nennen.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Yvonne Schink.

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Yvonne ist seit Ende 2012 Redakteurin des Albrechts und schreibt vor allem für das Kulturressort.

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