„Das sind Erlebnisse, die werde ich nie vergessen.“

Robert Marc Lehmann über seine Arbeit und wie wir den Planeten schützen können

Auf seinen Reisen in ferne Länder hat Robert Marc Lehmann viele exotische Tiere gesehen. Deutsche Tiere findet er aber trotzdem noch cool // Bild: Christian Lehnen

Robert Marc Lehmann hat in Kiel Meeresbiologie studiert und eine Ausbildung zum Forschungstaucher gemacht. Mittlerweile ist er unter anderem als Fotograf, Filmemacher und Wissenschaftler auf der ganzen Welt unterwegs und setzt sich für den Schutz des Planeten ein. So besucht er als Tourist getarnt beispielsweise illegale Tiermärkte in fernen Ländern und dokumentiert seine Erfahrungen. Mit uns hat er über seine Arbeit gesprochen.

DER ALBRECHT: War Vielsichtigkeit schon immer wichtig für deine zukünftige Berufung?

Robert: Nein, das hat sich irgendwie so ergeben. Ich wollte schon immer Meeresbiologe werden, deswegen habe ich angefangen zu studieren. Auch der Beruf des Forschungstauchers hat mich sehr interessiert und Kiel ist einer der wenigen Orte in Deutschland, wo die entsprechende Ausbildung angeboten wird. Die habe ich dann auch gemacht. Aber mir ist das alles noch nicht genug gewesen, denn ich habe viel auf der Welt gesehen, was ich gerne verändern möchte. Und das macht man eher als Journalist, Kameramann oder Fotograf. Deswegen habe ich auch angefangen zu fotografieren, und Filme zu machen. So habe ich heute sechs bis sieben verschiedene Berufe, die sich aber alle untereinander sehr gut ergänzen.

Was ist das Schwierigste an deinem Job?

Da ich mich immer wieder mit Tier- und Artenschutz im In- und Ausland beschäftige, ist das Schwierigste für mich, Tiere in Gefangenschaft zu sehen. Aber auch wie mit Tieren in anderen Ländern umgegangen wird, zum Beispiel auf illegalen Tiermärkten in Indonesien. Das tut einem in der Seele weh. Es ist manchmal auch schwierig, mit Menschen umzugehen, die aufgrund von Hunger oder aus Geldnot Tiere abschlachten oder fangen, da sie ihre Familie ernähren müssen.

Was war das Erschreckendste, was du auf einer Reise bisher erlebt hast?

Wenn du seltene Tierarten siehst, die eingesperrt illegal verkauft werden und unter schlimmsten Bedingungen gehalten werden. Vor einiger Zeit habe ich zum Beispiel einen Bali-Star fotografiert, einen sehr seltenen Vogel. Davon gibt es auf der Welt nur noch ungefähr 70 in freier Natur, und einer saß im Käfig auf einem illegalen Vogelmarkt. Und du weißt: Das ist einer von siebzig. Das sind so Situationen, die ich schrecklich finde.

Was liegt dir bei deiner Arbeit besonders am Herzen?

Ich möchte gerne mit den Bildern, die ich mache, und den Geschichten, die ich erzähle, den Menschen Dinge zeigen, die sie sonst nicht sehen würden. Denn keiner geht morgens um drei auf den Fischmarkt und kontrolliert, ob illegal Haie verkauft werden, und keiner traut sich in Jakarta auf den größten illegalen Tiermarkt. Doch ich gehe dahin, um die Menschen zum Nachdenken zu bewegen und ihnen zu zeigen, welche Auswirkungen ihr Verhalten hat. Denn die sind den Menschen manchmal nicht so ganz bewusst, da die Konsequenz unseres Handelns oftmals 10 000 Kilometer entfernt stattfindet.

Was war das Schönste, was du auf einer Reise erlebt hast?

Ich treffe immer wieder Menschen, die ihr Leben riskieren, um beispielsweise vom Aussterben bedrohte Tierarten zu beschützen. Das finde ich beeindruckend und es gibt mir Hoffnung. Daher möchte ich die Geschichten dieser Menschen gerne erzählen und ihnen somit die verdiente Wertschätzung geben. Daneben gibt es natürlich auch die ganzen faszinierenden Tiererlebnisse: Wenn man zum ersten Mal einen Blauwal sieht oder das erste Mal mit einem Orca im Wasser schwimmt. Das sind Erlebnisse, die werde ich nie vergessen.

Warum glaubst du, sind Zoos heute noch so beliebt?

Tatsächlich steigt das Bewusstsein in der Bevölkerung langsam, dass Zoos und Aquarien outdated sind. Dass sie aber trotzdem noch beliebt sind, liegt daran, dass das Thema von keiner Partei oder Regierung in Deutschland angesprochen wird. Jeder findet es cool, in den Zoo zu gehen, außer ein paar aufgeklärte Menschen. Die gehen in den Zoo und sehen einen Elefanten mit stereotypischem Verhalten, der als Jungtier in Sambia gefangen wurde, jetzt eingesperrt ist und auf Beton steht und seinen Kopf hin und her schüttelt. Ganz viele Menschen sehen das gar nicht, sondern gehen mit ihren Kindern in den Zoo, haben einen schönen Tag. Das Argument, du würdest ein Bewusstsein für Tiere entwickeln, wenn du in den Zoo gehst, ist Quatsch. Das entwickelst du, indem du mit deinem Großvater über eine Wiese spazierst, mal einen Wurm ausgräbst oder einen Schmetterling beobachtest. Aber nicht, indem du einen Tiger eingesperrt herumliegen siehst. Damit wird ein falsches Bild von dem Tier vermittelt. Dieses Verständnis ist leider noch nicht in den Köpfen aller Menschen angekommen.

Wie sehen die akuten Umweltprobleme bei uns an der Ostsee aus?

Durch den Schiffsverkehr wird viel Plastik eingetragen, und dabei produzieren diese Schiffe auch noch sehr viel CO2. Dazu kommt noch der Meereslärm, den sie verursachen. Dadurch können sich Meeressäuger, die sich über ihr Gehör im Meer orientieren, nicht mehr verständigen. Die Überfischung in Nord- und Ostsee ist auch ein massives Problem. Dazu kommt der Klimawandel, der den Tieren immer mehr Lebensraum nimmt, und weitere Veränderungen wie wechselnde Strömungen und die Zunahme sauerstoffärmerer Gebiete. Also Ost- und Nordsee haben ganz schön zu kämpfen. Dazu kommt natürlich die immer mehr werdende Vermüllung durch Plastik.

Was kann jede*r Einzelne zum Schutz des Planeten und der Tiere tun?

Ich finde es wichtig, dass man Menschen nicht nur sagt: „Du darfst das jetzt nicht mehr!“ – Das schreckt viele ab. Deswegen sage ich immer: Wenn dir die aktuelle Politik nicht passt, dann mach doch deine eigene, zu Hause. Man muss bei sich selbst anfangen: Zum Beispiel kann man Kosmetik ohne Mikroplastik oder eine Bambuszahnbürste kaufen. Im Haushalt und beim Lebensmittelkauf kann viel verändert werden. Dabei muss nicht unbedingt auf alles verzichtet, sondern nur die richtigen beziehungsweise andere Sachen müssen gekauft werden. Wenn du willst, kannst du dir jeden Tag ein Beispiel raussuchen, wie du die Welt ein Stückchen besser machen kannst, und dann machst du die Welt jeden Tag ein Stückchen besser. Das ist ganz einfach, zum Beispiel indem man weniger Fleisch isst, weniger Auto fährt und stattdessen mehr aufs Fahrrad steigt, seine Flugreisen CO2-mäßig ausgleicht und eine Wildblumenwiese sät. Und das Schöne ist: Natur- und Umweltschutz machen auch oft Spaß.

Hast du einen Tipp, wo man in Kiel und Umgebung einzigartige Natur mit Tieren erleben kann?

Einer meiner Lieblingsorte in Deutschland ist Helgoland. Dort kann man Basstölpel, Robben und wunderschönes Meeresleben sehen und echtes deutsches Wildlife erleben. Oder die Geltinger Birk, auch nicht weit weg von Kiel, dort kann man Wildpferde sehen. Es gibt also auch in der Umgebung wirklich viel Wildlife, was man sich anschauen kann und dafür nicht nach Nicaragua oder Südafrika fliegen muss.

Vielen Dank für das Gespräch!

Nadine ist 21 Jahre alt und studiert Germanistik und Spanische Philologie auf Fachergänzung an der CAU. Seit Oktober 2018 ist sie Teil der Albrecht-Redaktion und seit dem Sommersemester 2019 leitet sie das Kulturressort.

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Über Nadine Simon 9 Artikel
Nadine ist 21 Jahre alt und studiert Germanistik und Spanische Philologie auf Fachergänzung an der CAU. Seit Oktober 2018 ist sie Teil der Albrecht-Redaktion und seit dem Sommersemester 2019 leitet sie das Kulturressort.

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