Vergessene Konflikte: Krieg, den wir nicht sehen

Die Konflikte in Syrien und der Ostukraine werden den Menschen tagtäglich vor Augen gehalten. In den Abendnachrichten sehen wir Bilder unsäglichen Leids, Zerstörung und Gewalt, Zeitungen drucken das Elend ab. Die Konflikte sind schockierend, nehmen uns emotional mit, weil sie so erschreckend sind und eine gewisse Nähe zu uns haben. Sie betreffen auch die Menschen in Europa, zum Beispiel durch die Geflüchteten, die aus diesen Regionen zu uns kommen. Doch Syrien und die Ostukraine sind nicht die einzigen Konfliktherde der Welt. Zwei kurze Portraits von vergessenen Konflikte.

Bürgerkrieg im Südsudan

Der Südsudan spaltete sich im Jahr 2011 vom Sudan ab und wurde ein unabhängiger Staat. Doch seitdem brodelt der Konflikt um die politische Führung im Land. Auf der einen Seite stehen die Streitkräfte des Südsudan unter Führung des Präsidenten Salva Kiir Mayardit, auf der anderen Seite Abtrünnige der Regierung, der Streitkräfte und Oppositionsgruppen. Angeführt werden diese durch Riek Machar, ehemaliger Vize-Präsident des Südsudan. Ausgangspunkt des Konfliktes war die Entwaffnung von Angehörigen des Nuer-Clans innerhalb der Präsidentengarde und Machars, welcher von Salva Kiir entlassen wurde. In der Provinzhauptstadt Bor kam es dann erneut zu Kämpfen. Die Vereinten Nationen bezifferten die Zahl der Todesopfer auf insgesamt mehrere tausend innerhalb einer Woche, hunderttausend Zivilisten seien aus ihrer Heimat geflohen. Im Januar 2014 einigten sich die Konfliktparteien auf einen vorläufigen Waffenstillstand und weitere Friedensverhandlungen, sollte die Waffenruhe eingehalten werden. Doch trotz Fortschritten in der Konfliktlösung, brach die Waffenruhe nach vier Wochen. Nuer-Rebellen besetzten die Ölstadt Malakal. Im Mai 2014 berichtete Amnesty International von schweren Kriegsverbrechen, auch an Schwangeren, Kindern und alten Menschen. Noch im Mai gab es weitere Friedensverhandlungen, bei denen Machar und Salva Kiir direkt miteinander verhandelten. Eine Konsensregierung und baldige Neuwahlen wurden vereinbart. Fünf Millionen Menschen benötigten nach UN-Schätzungen im Mai 2014 humanitäre Hilfe. Im August 2015 einigten sich die Parteien bei Gesprächen in Äthiopien auf einen Friedensvertrag. Im März 2016 gab die UNO bekannt, dass bis zu dem Zeitpunkt mehr als 50 000 Menschen im Bürgerkrieg getötet und 2,2 Millionen vertrieben wurden. Ein Ende des Konfliktes ist nicht absehbar, da im Juni und Juli erneut Kampfhandlungen aufflammten, auch in der Hauptstadt Juba.

Drogenkrieg in Mexiko

Es handelt sich bei diesem Konflikt zwar nicht um einen zwischenstaatlichen, er gilt aber dennoch als einer der brutalsten weltweit. Im sogenannten Drogenkrieg bekämpfen sich Drogenkartelle und Polizei- sowie Militäreinheiten Mexikos. Seit 2006 hat der Konflikt 185 000 Opfer gefordert, darunter Journalisten und Staatsanwälte. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung stuft den Konflikt seit 2010 als innerstaatlichen Krieg ein. Die Drogenkartelle sind dabei mannschaftsstärker, als die staatliche Gewalt: 50 000 Armeeangehörige und 35 000 Bundespolizisten sind gegen schätzungsweise 300 000 Mitglieder der mexikanischen Drogenkartelle und ihre paramilitärischen Einheiten im Einsatz. Manche Drogenkartelle sind mittlerweile so mächtig, dass die mexikanische Staatsgewalt in einigen Landesteilen, darunter an der Grenze zu den USA, außer Kraft gesetzt ist. Die Drogenkonflikte gibt es schon seit den 1990er Jahren. Die Regierung Mexikos verhielt sich lange Zeit passiv. Erst Präsident Felipe Calderón erklärte den Kartellen den Krieg. 2006, kurz nach Beginn seiner Amtszeit, entsendete er Militärangehörige in den Bundesstaat Michoacán, um die Auseinandersetzungen zwischen den Drogenkartellen zu beenden. Diese Handlung gilt allgemein als der Beginn des Drogenkrieges zwischen dem mexikanischen Staat und den Kartellen. Insgesamt wurden bis März 2010 rund 120 000 Personen festgenommen. Der Drogenkrieg führt zu Flucht und illegaler Auswanderung in die USA, was sich deutlich auf die US-Politik auswirkt.

Die hier beschriebenen, vergessenen Konflikte konnten nur kurz umrissen werden und sind bei weitem nicht die einzigen. Nicht weit entfernt vom Südsudan gibt es den Somalischen Bürgerkrieg. Es gibt Konflikte in Asien, wie zum Beispiel den Konflikt um das Südchinesische Meer. Alle Konflikte in einen Artikel unterzubringen wäre unmöglich. Deshalb schreiben Redakteure und Redakteurinnen des ALBRECHT an einer Serie, in der die vergessenen Konflikte vorgestellt werden. Diese Artikel werden online auf unserer Homepage zu finden sein. Somit soll den vernachlässigten Konflikten und dem vergessenen Leid Tausender, gar Millionen Menschen ein Platz gegeben werden.

Autor*in
Rune Weichert
Über Rune Weichert 0 Artikel
Rune ist 21 und studiert seit 2013 an der CAU Politikwissenschaft und Skandinavistik. Seit 2014 ist er beim ALBRECHT dabei. Nebenbei ist er auch beim Campusradio als Nachrichtenredakteur tätig.

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