Das wurde schon immer so gemacht!

Weihnachts- und Silvestertraditionen im Wandel der Zeit

Bild: Eugen Zhychik // Unsplash

Die Deutschen lieben ihre Traditionen, die die gesamte Weihnachtszeit und den Silvesterabend prägen. Was wäre Heiligabend ohne Geschenke, die Freude in den Augen und Herzen unserer Liebsten verbreiten, Weihnachten ohne einen Tannenbaum, der das Wohnzimmer in neuem Glanz erstrahlen lässt, oder Silvester ohne sich beim Bleigießen als Wahrsager*in zu versuchen? Die Geschichte hinter diesen Traditionen steht jedoch oftmals in einem unerwarteten Kontext, wie der Zusammenhang von der Bescherung und dem Nikolaustag, dem Tannenbaum und dem Sündenfall sowie dem Bleigießen und den alten Römern.

Morgen Kinder wird’s was geben

Alle Jahre wieder… findet bei nahezu allen deutschen Familien am Heiligabend die Bescherung statt. Der Brauch ist jedoch nicht mit Christi Geburt entstanden. Erst nach der Reformation wurde das Schenken auf den Heiligabend verlegt. Zuvor wurden die Geschenke am Nikolaustag überreicht, ehe die Heiligenverehrung im Zuge der Reformation abgelehnt wurde. Ebenfalls erfolgt in Skandinavien, Polen, Ungarn und Argentinien die Bescherung am Heiligabend.

Anfangs wurden nur Kinder beschenkt, infolge der Popkultur hat sich das Beschenken am Heiligabend auch auf die Erwachsenen erweitert. In Nord- und Mitteldeutschland überbringt der Weihnachtsmann die Gaben, wohingegen in Süddeutschland das Christkind die Geschenke verteilt.

O Tannenbaum, O Tannenbaum

In keinem Wohnzimmer darf an Weihnachten natürlich der Tannenbaum fehlen, auf den die strahlenden Augen der Kinder und Erwachsenen bei der Bescherung schauen, wenn die Geschenke unter den Tannenzweigen hervorlugen.

Der Weihnachtsbaum verlangt jedoch auch einiges an Arbeit von den Besitzern. Zuerst muss der richtige Baum ausgewählt werden, anschließend erfolgt der Transport, bei dem kein Ast abknicken darf. Wenn das Aufstellen des Baumes nach ein paar Wutanfällen geglückt ist, beginnt das Schmücken, wobei jede Weihnachtskugel einen sorgfältig ausgewählten Platz erhält. Sobald sich die Weihnachtszeit dem Ende neigt und ehe alle Tannenbaumnadeln den Wohnzimmerboden bedecken, muss der Christbaum wieder abgeschmückt werden.

Früher war der Brauchtum zu Weihnachten, an den Sündenfall und die Erbsündenbefreiung der Menschen durch Jesus Christus zu erinnern. Aus diesem Grund wurde an Weihnachten ein Baum, der den Baum der Erkenntnis symbolisieren sollte, mit Äpfeln und Holz oder Gebäck geschmückt, das die Form von Adam, Eva oder der Schlange hatte. Im Laufe der Zeit wurde die Auswahl des Baumbehangs immer bunter und durch verschiedene Süßigkeiten, wie zum Beispiel Zuckerstangen, erweitert.

Seine Anfänge hatte der Christbaum in Deutschland und erst im 19. Jahrhundert wurde die Tradition durch deutsche Auswanderer und Matrosen auch in Nordamerika und anderen Kulturkreisen eingeführt.

Zwischen Süßigkeiten und Schnaps

In Teilen von Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen ist es üblich, am Silvesterabend Rummelpott zu laufen. Diese Tradition ist eher in den ländlichen Regionen vertreten und erinnert an Halloween. Kinder und Erwachsene verkleiden sich und gehen in ihrer Nachbarschaft von Tür zu Tür, wobei die Kinder auf Süßigkeiten aus sind und die meisten Erwachsenen Vorlieb mit einem Kurzen an jeder Haustür nehmen.

Die Namensgebung ist dem Instrument Rummelpott geschuldet. Der Rummelpott ist ein Topf oder eine Dose, deren Öffnung mit einer Schweinsblase oder dünnem, reißfestem Leder überspannt ist. In der Mitte steckt ein Weidenstock, der gedreht und gerieben wird. Hierbei entsteht ein dumpfer Klang, zu dem die Kinder Rummelpottlieder sangen.

Heutzutage werden beim Rummelpottlaufen Lieder oder Reime aufgesagt, die aber selten musikalisch von einem Rummelpott unterstützt werden, oftmals werden sich anderer Instrumente bedient oder das Weglassen eines Instrumentes bevorzugt.

Gieß dir deine Zukunft

Was am Silvesterabend kaum wegzudenken ist, ist das Gießen von Blei. Die alten Römer haben die Tradition ins Leben gerufen und der Brauch hat sich bis in das heutige Zeitalter durchgesetzt. Beim Bleigießen wird sich an den Künsten der Wahrsagerei versucht, dafür werden Bleistücke in einem Löffel über einer Flamme erhitzt. Sobald das Blei flüssig ist, wird es in kaltes Wasser geschüttet, das dafür sorgt, dass das Metall rätselhafte Gestalten annimmt, die es anschließend zu interpretieren gilt.

Vor anderthalb Jahren wurde von der EU der Grenzwert für den Bleianteil in Bleigieß-Sets auf 0,3 Prozent beschränkt, da das Blei schädlich für die Gesundheit und die Umwelt ist. Im Jahr 2012 hatten die Sets noch einen Bleigehalt von 71 Prozent. Inzwischen ist Bleigießen in der EU gänzlich verboten, sodass auf Zinn oder Wachs umgestiegen werden muss.

Veränderungen gehören zum Leben dazu und somit ist es unvermeidlich, dass sich auch die Traditonen im Wandel befinden. Doch wie ihr euren Weihnachtsbaum beschmückt oder ob ihr am Silvesterabend lieber Raclette esst, anstelle von Tür zu Tür zu gehen – wir wünschen euch in jedem Fall eine wunderschöne Adventszeit, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Autor*in

Lea studiert Soziologie und Politikwissenschaft im Bachelor und ist seit Oktober 2019 beim Albrecht. Anfang 2020 übernahm sie die Verantwortung für Online.

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