Der Hass wächst

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Im braunen Sumpf des Cyberspace schreibt jeder, der Zugang zu einem Computer hat. Ob gegen ISIS, Lampedusa, den Euro oder das Wetter, hier kann jeder seine Meinung postulieren. Doch ist der Rechtsdrall des deutschen Netzes realistisch, oder posten Nazis nur mehr?

Ein Kommentar.

Die Krisen der Welt beschäftigen die Deutschen. Ukraine, Irak, Syrien, ISIS: Alles Themen, die die Schlagzeilen in der Presse bestimmen. Fernsehen und Zeitungen posten ihre Artikel zu diesen Themen auch auf Facebook und Co. und dank der Kommentarfunktion kann jeder seinen Senf dazugeben. Eigentlich etwas Gutes, denn immerhin leben wir in einer Demokratie, in der jeder seine Meinung frei äußern darf. Doch leider nutzen viele diese Option, um ihre negativen Ansichten zu diesem Thema zu äußern und sie haben zu häufig einen rechten Anstrich. Zu syrischen Flüchtlingen schreiben Facebooknutzer zum Beispiel: „Ihre sogenannte Dankbarkeit zeigen sie in Kürze wenn sie wie der Rest der Bande Deutsche Recht und die Kultur mit Dreck beschmutzen Ihr Land ihre Problem sollten alle Zuhause bleiben!“. Andere Worte fallen, wie etwa „Lampedusaneger“, Befürworter des Asyls werden als „naive Gutmenschen“ bezeichnet. Solche Kommentare sind leider kein Einzelfall. Unter einem Artikel über Jesiden in Deutschland liest man: „Bla bla bla raus das pack wir sind deutsch“ oder „Hässliges jeciden kind die bumsen ihre eigene schwester“. Und zu Homosexualität heißt es da: „Bei einigen Menschen hat Toleranz auch seine Grenzen und das ist auch gut so sonst sehen unsere Kinder wie conchita wurst aus und das wäre der Untergang der Menschheit!!“

Schon an der Grammatik, dem Ausdruck und der Rechtschreibung lässt sich erkennen, dass diese „Kommentatoren“ es nicht so mit Bildung haben. Für solche Menschen gibt es sogar ein Fachwort: Modernisierungsverlierer. Modernisierungsverlierer kommen mit den sozialen Wandlungsprozessen nicht klar, verlieren ihre ökonomische oder soziale Stellung, was zur Ablehnung des politischen Systems führt oder zu Gewalt und Kriminalität. Sie neigen dadurch dazu bei Wahlen ihre Stimme einer rechten Partei zu geben. Deutlich wird das bei der „Wir sind ja gar nicht rechts“-Partei AfD, die sich momentan im Aufwind befindet. In Sachsen erlangte sie bei der letzten Landtagswahl knapp zehn Prozent. Da muss es ja so kommen, dass die Spinner der NPD den Einzug in den Landtag nicht geschafft haben.

Denn genau diese Ergebnisse spiegeln die innere politische Haltung von Modernisierungsverlierern und Rechtsgesinnten wider: Rechte Parteien gelten in unserer Gesellschaft als etwas Tabuisiertes. Wer eine rechte Partei wählt, wird schnell als Nazi abgestempelt. Deswegen wählen oder wählten viele die NPD nicht, sie war schlicht und einfach keine „wählbare“ Partei. Doch dann tauchte urplötzlich die AfD auf der politischen Bühne auf, eine Partei, die ihre Rechtsextremität weichgespült hat. Rechts bleibt sie dadurch trotzdem, da kann Bernd Lucke noch so häufig im Fernsehen dementieren, seine Partei sei gar nicht ausländerfeindlich. Dadurch, dass die AfD sich weniger rechts gibt, als sie ist, erscheint sie wählbarer und erzielt in Umfragen und bei Wahlen bessere Ergebnisse als NPD oder Republikaner. Doch darin liegt die Gefahr: Je mehr Menschen rechte Parteien wählen, desto weniger skeptisch oder zögerlich sind zukünftige Wähler, sich ebenfalls für solche Parteien zu entscheiden. Wenn es tatsächlich so kommen sollte, ist es sehr wahrscheinlich, dass AfD und NPD irgendwann im Deutschen Bundestag sitzen und eine größere Bühne für ihre rechte Propaganda bekommen. Und was kommt dann? Soll es eine Quote für deutsche Lieder im Radio geben und müssen „deutsche“ Frauen mehr Kinder in die Welt setzen, nur weil das so ein rechter intellektueller Kleingärtner fordert?

Glücklicherweise liest man nicht nur menschenverachtende Kommentare. Viele User der sozialen Medien befürworten Asyl, zeigen Mitleid für Flüchtlinge, die aus Kriegshöllen hierher kommen, zeigen sich tolerant gegenüber allen Ethnien, Homosexuellen und Behinderten. Und gerade auf diese Weise sollte man den rechten Kommentaren und ihren Urhebern auf Facebook entgegentreten. Die Menschen in Deutschland müssen zeigen, dass unser Land ein tolerantes Land ist und es auch bleiben soll. In der digitalen Zeit kann jeder ganz einfach ein Zeichen gegen Rechts, gegen Rassismus oder Homophobie setzen. Die Facebookseite „Kein Facebook für Nazis – NPD Seite löschen!“ hat schon über 482 000 Likes, die Seite „Gib Rassismus keine Chance“ hat knapp 40 000 Likes. Es kostet kein Geld und keine Mühe hier ein „Daumen hoch“ zu setzen und damit auch ein Zeichen gegen Rechts und für ein tolerantes Deutschland.

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Rune Weichert
Über Rune Weichert 39 Artikel
Rune ist 21 und studiert seit 2013 an der CAU Politikwissenschaft und Skandinavistik. Seit 2014 ist er beim ALBRECHT dabei. Nebenbei ist er auch beim Campusradio als Nachrichtenredakteur tätig.

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