Der Mensch, das Meer und die Katastrophe

Warum wir nicht ohne unsere Meere können - sie aber ohne uns besser dran wären

Nach der Korallenbleiche bleiben von der farbenfrohen Welt nur noch Skelette übrig // BQ: Underwater Earth/XL Catlin Seaview Survey

Weniger als zwölf Jahre. So viel Zeit hat die Menschheit laut eines UN-Klimaberichtes noch, um den Klimawandel aufzuhalten und die Katastrophe abzuwenden. Katastrophe meint vor allem eines – mehrere Katastrophen. Der Permafrostboden der Nordhalbkugel droht aufzutauen und dabei 1 500 Milliarden Tonnen CO2 freizusetzen, dem Amazonasregenwald droht der Hitzetod, Waldbrände, auch in kalten Regionen, treten verstärkt auf und der Nordpol ist immer weniger von Eis bedeckt, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dass diese Ereignisse auch Menschen betreffen werden, steht außer Frage: Schon jetzt gibt es Millionen Menschen, die durch Klimakatastrophen ohne ein Zuhause verbleiben.

Das Meer als Regulator

Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche bestehen aus Wasser – kein Wunder also, dass das auch einen Einfluss auf das Ökosystem hat. Durch die globale Erwärmung ist seit der Industrialisierung die Durchschnittstemperatur auf der Erde bereits um ein Grad Celsius angestiegen; würden die Ozeane nicht 99 Prozent der Treibhausgase, welche Wärme produzieren, absorbieren, so läge die Durchschnittstemperatur auf der Erde laut der Dokumentation Chasing Coral bereits bei über 50 Grad Celsius. Die Relevanz der Meere für die Menschheit wird noch deutlicher, wenn sich vor Augen geführt wird, dass zwischen 70 und 80 Prozent des weltweiten Sauerstoffs in der Atmosphäre von Algen produziert wird. Doch selbstverständlich geht auch der Klimawandel nicht spurlos an unseren Weltmeeren vorbei: Durch die Absorption von überschüssigem CO2 aus der Atmosphäre hat sich die Durchschnittstemperatur der Ozeane bereits um circa 0,5 Grad Celsius erhöht. Dies mag nicht viel erscheinen, hat aber verheerende Konsequenzen für die Meeresbewohner.

Korallenriffe – schön, aber auch nützlich

Zu den vom Klimawandel Betroffenen gehören auch die Korallen. Ursprünglich bekannt für ihre schillernde Schönheit, bevölkert von allerlei Lebewesen, sind laut der Meeresbiologin Dr. Sylvia Earle heute nur noch 50 Prozent aller Korallenriffe am Leben. Daran ist einerseits die Erwärmung der Ozeane Schuld, andererseits aber auch die Versauerung, ebenfalls ausgelöst durch die CO2-Absorption. In den letzten Jahren gab es ein regelrechtes Massensterben der Korallen, was sich dadurch äußert, dass die Korallen bleichen und nur ein weißes Skelett zurückbleibt. Der Nutzen der Korallen wird häufig unterschätzt: Sie bilden die Grundlage der Nahrungskrette im Meer. Wenn diese den kleinen Fischen, die sie bevölkern, genommen wird und folglich diese auch verschwinden, entsteht ein Teufelskreis, denn ohne die kleinen Fische bleiben auch die größeren ohne Nahrung. Außerdem tragen sie einen wichtigen Teil zum Küstenschutz bei und schützen tropische Inseln vor Abtragungen und Stürmen. Äußerst bemerkenswert ist ebenfalls, dass sich in Korallenriffen bereits Stoffe zur Behandlung von Krebs und anderen ernsten Erkrankungen haben finden lassen. So lässt sich aus Bestandteilen eines Schwammes aus der Karibik Zidovudin herstellen, ein Medikament zur Behandlung von HIV-Patienten.

Der Mensch und seine Liebe zum Plastik

Es wird mittlerweile schon viel gegen die Plastikflut unternommen, dennoch war das Problem noch nie so groß wie jetzt: Laut NABU bestehen 75 Prozent der bis zu zehn Millionen Tonnen Müll, die jährlich ins Meer gespült werden, aus Plastik. Der Kunststoff ist gerade deshalb so schädlich, weil er nicht verrottet. Ein Strohhalm benötigt etwa 200 Jahre um sich zu zersetzen, eine Plastikflasche schon 450 Jahre, und selbst dann sind noch kleinste Plastikpartikel, das sogenannte Mikroplastik, vorhanden. Die Folgen reichen von Walen, die mit Plastikmüll im Magen verhungern, über Seevögel und Schildkröten, die sich in Plastikschnüren verfangen, bis hin zu Mikroplastik in unserer Nahrung, wovon wir noch nicht wissen, welche Auswirkungen es auf unseren Körper hat.

Tipps und Empfehlungen

Es liegt sicherlich vieles in der Hand der Politik, aber die Verantwortung jedes einzelnen Menschen sollte nicht unterschätzt werden. Und dabei sind die meisten Tipps nicht schwer zu befolgen: Ein großer Beitrag im Kampf gegen Plastik wird schon mit dem Kauf von mikroplastikfreien Produkten geleistet, diese finden sich häufig in der Bio- bzw. Naturkosmetikabteilung. Gekauft werden sollten Produkte, die unter anderem keine Polyethylene oder Polypropylene enthalten (weitere Infos gibt es zum Beispiel auf utopia.de). Außerdem muss der generelle Verzicht auf Einwegplastik angestrebt werden. Ebenso ist es wünschenswert sich einen bewussteren Fischkonsum anzugewöhnen, um den überfischten Arten eine Verschnaufpause zu gönnen. Auch heimische Fische können lecker schmecken, zum Beispiel der Saibling oder die Bachforelle. Außerdem sollte darauf geachtet werden, Sonnencreme aus der Naturkosmetik zu verwenden, da diese keine für das Meer (oder für unseren Körper) schädlichen Chemikalien enthalten. Dass nach einem Strandbesuch der Müll wieder mitgenommen wird, versteht sich von selbst. Allen Lesefaulen sind zum Informieren außerdem die Dokumentationen Mission Blue und Chasing Coral wärmstens zu empfehlen.

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Über Nadine Simon 8 Artikel
Nadine ist 21 Jahre alt und studiert Germanistik und Spanische Philologie auf Fachergänzung an der CAU. Seit Oktober 2018 ist sie Teil der Albrecht-Redaktion und seit dem Sommersemester 2019 leitet sie das Kulturressort.

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