Der Traum davon, ein Kind zu bleiben

Kindheitsheld: Tabaluga

Bild: Mira Jacobsen / Design: Eileen Linke

„Als junger Drache will ich Sachen machen, die ein alter nicht tut.” Der kleine grüne Drache Tabaluga ist mir von allen Helden meiner Kindheit am meisten in Erinnerung geblieben. Das hat viele Gründe. Anzufangen wäre da mit dem Intro, dessen Melodie so gut ist, dass ich es mir heutzutage noch manchmal anhöre. Mittlerweile kenne ich es so gut, dass ich auch den genuschelten Text auswendig kann. Aber es gibt noch weitere Hintergründe, warum der Drache nach wie vor in meinem Herzen umherfliegt.

Eigene Wege gehen 

Tabaluga und seine Freunde wohnen in der fiktiven Provinz Grünland. Er ist acht Drachenjahre alt, was 800 Menschenjahre sind. Als er sechs Jahre alt war, starb sein Vater Tyrion, der im Verlauf der Geschichte immer wieder eine wichtige Rolle spielt. Nach Tyrions Tod war Tabaluga der letzte lebende Drache und wurde zum Kronprinzen Grünlands ernannt. Auf beiden Seiten dieses Landes gibt es Feinde, die Tabaluga mit seinen Freunden immer wieder in die Flucht schlagen muss. Auf der einen Seite eine arktische Tundra, die von dem bösartigen Schneemann Arktos regiert wird und auf der anderen Seite eine Wüste, über die der Sandgeist Humsin herrscht.  

Jetzt habt ihr hoffentlich wieder ein vages Bild der Kinderserie vor euren Augen. Aber was macht sie so besonders? 

Rock trifft auf Kindermusik 

Tabaluga wurde von dem Rockmusiker Peter Maffay und dem Kinder-Songwriter Rolf Zuckowski geschaffen. Ein ungewöhnliches Duo, das es aber geschafft hat, das Beste aus beiden Welten in einem Drachen zu vereinen. Lieder, die Texte für Kinder haben, aber Melodien, die durchaus auch erwachsenen Rock-Fans gefallen können. Diese Kombi hat mich als Kind so beeindruckt, dass ich heute sogar sagen würde, dass Tabaluga einer der Hauptgründe für meine heutige Vorliebe für Rock und Metal ist.  

Das Lied aus der Serie, das mir bis heute am meisten am Herzen liegt, ist ohne Zweifel die Rockballade Nessaja, eher bekannt als Ich wollte nie erwachsen sein. Nessaja ist eine uralte Schildkröte, die Tabaluga ganz am Ende seiner ersten Reise trifft. Mit dem Lied erzählt sie ihm, dass sie sich immer gegen das Erwachsensein gewehrt hat und im Herzen ein Kind geblieben ist. Erst, wenn sie dieses Kindsein nicht mehr spüren kann, „weiß sie, es ist für sie zu spät“. Es ist erstaunlich, dass so ein tiefgründiges Lied seinen Ursprung in einer Kinderserie gefunden hat. Das Lied ist immer noch auf meiner Playlist, die ich höre, wenn mir mal zum Weinen ist – und diese Aufgabe erfüllt es sehr gut. Und ich scheine nicht die Einzige zu sein, die es liebt. Von Tim Bendzko über Scooter bis hin zu Helene Fischer haben es schon viele deutsche Künstler:innen gecovert.  

Dass Erwachsenwerden angsteinflößend sein kann, hat wahrscheinlich jede:r in der ein oder anderen Form schon erlebt. Die Zukunft ist unsicher und voller Aufgaben, die im Hier und Jetzt noch unlösbar erscheinen. Aber wenn ihr das nächste Mal solchen Zukunftsängsten gegenübersteht – hört euch das Lied an. Ich verspreche, nach der ein oder anderen Träne wird es euch besser gehen.  

Was wir von einem Drachen lernen können 

Tabaluga hat viele moralische Inhalte, die für Kinderserien typisch sind: Freundschaft, Vertrauen, Liebe und Mut. Aber die Serie kann noch so viel mehr. Durch die Abenteuer nach dem Tod seines Vaters zeigt der kleine Drache uns, dass das Leben auch nach harten Schicksalsschlägen weitergeht. Die vielen Male, die er Arktos und Humsin mit der Hilfe von seinen Freunden überwältigt, lehren uns, dass auch der gruseligste Schneemann besiegbar ist. Die Musik entzündete einen Funken in einem zukünftigen Rock-Fan. Und eine alte Schildkröte lehrte mich, für immer im Herzen ein Kind zu sein. 

Autor*in

Mira ist 20 Jahre alt und studiert seit dem WiSe 2020/21 Soziologie und Deutsch an der CAU. Sie ist seit November 2020 Teil der ALBRECHT-Redaktion und leitet seit Februar 2021 das Ressort Hochschule.

Über Mira Jacobsen 6 Artikel
Mira ist 20 Jahre alt und studiert seit dem WiSe 2020/21 Soziologie und Deutsch an der CAU. Sie ist seit November 2020 Teil der ALBRECHT-Redaktion und leitet seit Februar 2021 das Ressort Hochschule.

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