Der Weg vom Segelfest zum MUDDI Markt

Junge Kreative vom MUDDI Markt e.V. geben der Kieler Woche ein neues Gesicht

Am 18. Juni 2016 heißt es Startschuss für die 122. Kieler Woche. Jedes Jahr im Juni machen sich mehrere tausend Segelsportler aus der ganzen Welt – ob Olympiasieger, Weltmeister, oder einfach nur Freizeitsportler – auf den Weg nach Kiel und sorgen mit ihren Booten für eine einzigartige Silhouette rund um die Kieler Förde. Mit fast zweitausend Segelrennen und mehr als drei Millionen Besucher*innen ist die KiWo nicht nur die größte Segelveranstaltung der Welt, sondern gleichzeitig auch das größte Volksfest in Nordeuropa. Viele kostenlose Open-Air-Festivals, internationale Spezialitäten, Festbuden und Feuerwerke kleiden die Hafenpromenade in dieser Zeit in ein riesiges Volksfestspektakel. Die Vorliebe für den Segelsport der Kieler reicht bis ins Kaiserreich zurück. In den vergangenen hundert Jahren breitete sich das Segelfest so weit aus, dass sich die Landeshauptstadt heute, nicht nur auf dem Wasser sondern auch auf dem Festland, an diesen zehn Tagen im Sommer im völligen Ausnahmezustand befindet.

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Ein Volksfest in der Krise?

Ein Volksfest in der Krise? Doch in den letzten fünf Jahren verlor die KiWo für einige Kieler Bewohner*innen und Student*innen aufgrund der Expansion und den zahlreichen volksfesttypischen Ess-, Trink- und Feierbuden von Jahr zu Jahr immer mehr an Reiz. Die Standmieten sind oft für Privatleute mit kleinen eigenen Initiativen nicht mehr bezahlbar, sodass überwiegend nur noch die herkömmlichen Buden zwischen Schilksee und Hörn zu sehen sind. Auf einer Studentenparty in Lüneburg kam dem gebürtigen Kieler Lasse Kroll zusammen mit Freunden die Idee, einen alternativen Markt zu eröffnen.  „Wir haben das Volksfest hinterfragt, und wollten, dass die KiWo ihren individuellen Charme zurückbekommt und, dass die Bewohner*innen endlich wieder Teil des VOLKS-festes sind“, so Kristof Jessen, Freund von Lasse, Produktionsleiter und Pressesprecher des heutigen Vereins. Gesagt, getan: Die bei Schnaps und Spaß entstandene Idee wurde in die Tat umgesetzt: Mithilfe von Spenden starteten die Jungs auf der Kieler Woche 2011 das erste kleine alternative Programm. 2014 gründeten Lasse und seine Freunde den unabhängigen und gemeinnützigen Verein MUDDI Markt e.V.. Ihre Ziele stehen fest: Gegen den ausufernden Konsum auf dem Volksfest ein Zeichen setzen und ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Lebensstil schaffen, gleichzeitig Partizipation fördern und einen neuen Treffpunkt für die Kieler Jugendkultur ins Leben rufen. Alles in allem, das Volksfest an der Kieler Förde wieder aufwerten und ihm neuen Glanz verleihen.

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MUDDI macht’s möglich

MUDDI macht’s möglich Seit September letzten Jahres arbeiten circa 30 Ehrenamtliche in verschiedenen Arbeitsgruppen an dem diesjährigen MUDDI-Veranstaltungsprogramm. Auf einer 300 m2 großen Fläche an der Holstenbrücke können sich die Besucher*innen auf eine buntgemischte Themenwoche freuen: Es werden verschiedene Projekte organisiert, wie Markt der Möglichkeiten, Nachhaltigkeit im Alltag, Mobilität der Zukunft, Ernährung der Zukunft und Interkultureller Austausch. Unter dem Thema Recycling-/Upcy
cling-/Resilenz werden aus alten und kaputten Gegenständen, die eigentlich im Müll landen würden, neue Dinge gebaut. Aus Altglas und gebrauchtem Holz entstehen beispielsweise neue Leuchten und leere Milch- und Saftverpackungen werden mit ein paar Tricks zu Geldbörsen verwandelt. Auch aus Altkleidern können viele neue nützliche Dinge entstehen. An den Vormittagen können Schulklassen unterschiedliche Workshops besuchen und an den Nachmittagen gibt es eine bunte Mischung aus Kunst, Kultur und Musik. Die Künstlerin Barbara Noll wird auf dem MUDDI Markt Workshops mit Kunst aus Holz, Metall, Naturstoffen, Müll und anderen Fundstücken geben und der Kieler Designer und Tüftler Christian Kuhtz stellt seine Projekte Einfälle statt Abfälle vor. Außerdem sind Alte Mu-Projekte, das Ladenkonzept von unverpackt, oekonetz-sh, Stiftung Naturschutz, Reparatur-Café Gaarden, Fossil Free Kiel, Werk Statt Konsum, BUNDjugend, Kieler Tretwerk, my Boo-Bambusfahrräder, Rückenwind-Lastenfahrräder,  Greenpeace Kiel, ÖkoMarkt e.V., Regionalwert AG und Foodsharing Kiel bei dem MUDDI-Stand vertreten. Ein ganz besonderes Highlight ist auch das Improtheater „Szenenexpress“. Hierbei müssen die Schauspieler*innen sofort spontan das umsetzen, was das Publikum auf der Bühne sehen möchte. Neu ist in diesem Jahr das Konzept MUDDI macht Mittag. Mit ökologisch und sozial verträglichen Produkten wird es auf der KiWo einen täglichen alternativen MUDDI-Mittagstisch geben. In Zusammenarbeit mit der Kneipe Prinz Willy werden abends auf der MUDDI-Bühne verschiedene Musiker und Bands Live-Konzerte geben.

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Und übrigens: Der Name ‚MUDDI‘ ist eine Anlehnung an die Wohlfühl-Momente bei Mutti zu Hause und das Logo spielt auf den Discountermarkt Penny an. Auf den ersten Blick wollen die MUDDI‘s billig wirken, aber auf den zweiten Blick genau das Gegenteil erzeugen: Sie schaffen ein Gegengewicht zu ‚billig, billig, billig‘ und bieten Solides, Nachhaltiges, Künstlerisch-Kreatives und Ressourcen-sparendes.

Wenn Dir jetzt die kreative Nase juckt und Du Lust hast, Dich zu engagieren, kannst Du Dich gerne beim Team unter verein@muddimarkt.org melden. Das ausführliche Programm gibt es auf der Homepage unter www.muddimarkt.org. Ansonsten, komm‘ vorbei und lass‘ dich von MUDDI an der Holstenbrücke inspirieren!

 

Fenja Wiechel-Kramüller
Über Fenja Wiechel-Kramüller 10 Artikel
Fenja ist 22 Jahre alt und studiert Germanistik und Philosophie in Kiel. Sie schreibt seit November 2015 für den Albrecht.

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