Die drei ??? … und die Nostalgie

Kindheitshelden: Justus, Peter und Bob

Justus, Peter und Bob - die drei Detektive haben uns während unserer Kindheit immer begleitet. // Bild: Eileen Linke

Dies ist die wohl berühmteste Visitenkarte der Welt. Mit der Frage „Kann ich Ihnen unsere Karte geben?“ sind bei mir sehr viele Erinnerungen verbunden. Seit meiner Kindheit begleiten mich die drei Hobbydetektive aus dem fiktiven Städtchen Rocky Beach – und nicht nur mich und sicherlich auch viele von euch, sondern auch unsere Eltern. Denn seitdem 1964 das erste Buch von Robert Arthur erschien, sind die Jungs nicht mehr aus unseren Lautsprechern wegzudenken.

Achtung: Dieser Artikel ist auch für echte Fans lesenswert, vielleicht findet ihr hier neue Seiten an Justus, Peter und Bob, die euch vorher gar nicht aufgefallen sind.


Die drei ???

Doch wer sind sie eigentlich? Für alle, die eher Team TKKG oder Fünf Freunde waren: Justus lebt bei seiner Tante und seinem Onkel auf einem Schrottplatz in der Nähe von Los Angeles. Er ist hochbegabt, hat einen genialen Verstand und schon als Kind gründet er mit seinen beiden besten Freunden Peter und Bob das Detektivbüro Die drei Detektive – ???. Die Fragezeichen stehen für alles Mystische und Unerklärliche, auf das sich die Jungs spezialisiert haben. Sie übernehmen ohne Ausnahmen jeden Fall, das ist ihr Motto und das auch noch ohne Honorar.

Peter ist der Sportliche, aber auch der Ängstlichste. Während meistens Justus und Peter bei ihren Fällen an vorderster Front stehen, verbringt Bob viel Zeit in der Bibliothek und übernimmt die Recherche und dokumentiert die Ermittlungen. Meistens kommt Justus, der ganz klar der Anführer der Gruppe ist, alleine auf die Lösung des Falls und treibt mit seiner doch sehr altklugen und eloquenten Ausdrucksweise seine Freunde in den Wahnsinn.

Geschichten über Kinder, die Fälle lösen, gibt es viele. Das Besondere hier ist allerdings, dass die drei es teilweise mit heftiger Kriminalität zu tun haben – bis auf Mord war von Giftanschlägen über Bomben bis hin zu Entführungen alles dabei. Außerdem verfügen die Jungs über ein fast schon professionelles Equipment. Auf dem Schrottplatz (entschuldige Justus, ich meine natürlich Gebrauchtwarencenter) steht ein alter Wohnwagen, den sie zur Zentrale umgebaut haben, inklusive sprechendem Papagei. Dort lagern sie nicht nur einen Computer und ein Telefon, sie haben dort ebenfalls eine Dunkelkammer und ein Labor.

Der Lifestyle der Reichen und Berühmten von Los Angeles kommt auch in diesen Kriminalfällen nicht zu kurz. Der Filmregisseur Alfred Hitchcock wurde von Robert Arthur nicht nur als Schirmherr der Serie gewonnen, er taucht sogar namentlich auf, als Erzähler und manchmal auch als Figur, die mit den Detektiven in Kontakt kommt. Hitchcock ist nämlich nicht, wie viele glauben, der Erfinder der Detektive. Durch ihn erhalten die Jungs allerdings ihren ersten Fall Das Gespensterschloss. Viele Fans könnten hier einwerfen, dass das eigentlich Der Superpapagei war. Das gilt aber nur für die Hörspiele, die sich nicht an die Chronologie der Bücher halten, die mit dem spukenden Gespensterschloss begonnen haben.


… und die Fangemeinschaft

Ich könnte noch stundenlang darüber schreiben, was die Charaktere und ihren Charme ausmacht. Das liegt unter anderem auch daran, dass es so viele Geschichten gibt. Bis 1990 gab es allein 58 Bände (von elf verschiedenen Autoren) und seit 1979 können wir die Detektive auch durch Hörspiele auf ihren Abenteuern begleiten. Inzwischen gibt es mehr als 200 davon, mit vielen Spezialfolgen und Sonderausgaben. Dazu kommen noch die Spin-Offs Die drei ??? – Kids und Die drei !!! (die Drei ??? mit Mädchen), Sachliteratur wie Die drei ??? – Das große Detektivhandbuch und mehrere Kurzgeschichten. Ach ja, die Graphic Novels, Brettspiele, Theaterstücke, die beiden Filme von 2007 und 2009 und die Computerspiele dürfen nicht vergessen werden.

Fun Fact am Rande: Die Hörspiele werden inzwischen nicht mehr in Amerika produziert und ins Deutsche übersetzt, sondern nach langem Urheberrechtsstreit in Deutschland erstellt und ins Englische übersetzt. Mit mehr als 50 Millionen verkauften Tonträgern ist es außerdem die erfolgreichste Hörspielreihe der Welt. Noch immer werden jährlich bis zu acht Hörspiele veröffentlicht. Woher kommt dieser Erfolg? Ich kann jetzt nur von mir sprechen, aber für meinen Teil liegt es daran, dass Justus und seine Freunde – genau wie ich – älter werden. Dadurch entsteht eine Geschichte außerhalb der einzelnen Fälle.

Die Sprecher Oliver Rohrbeck (Justus), Jens Wawrczeck (Peter) und Andreas Fröhlich (Bob) gehen regelmäßig auf Tour und geben ein Live-Hörspiel, unter anderem auch in der Kieler Sparkassen-Arena. Und im Mediendom der FH Kiel war ich auch schon bei einem Hörspiel dabei, bei dem die Graphic Novel Der dreiäugige Totenkopf mit Bildern aus eben dieser vorgeführt wurde.


… und das schlafende Mädchen

Ich oute mich jetzt und ich vermute, ich bin damit nicht allein. Ich höre sie noch immer. Jeden Abend zum Einschlafen. Seitdem ich klein bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich mir kein Hörspiel angehört habe, sehr zum Leidwesen all der Menschen, bei denen ich übernachtet habe oder meiner Freunde, die den Kampf um Stille jedes Mal verloren haben. Ich gebe im Übrigen meinen Eltern die Schuld dafür. Sie haben mich erst darauf gebracht, zu Hörbüchern einzuschlafen und bei ihnen waren es ebenfalls (teilweise heute noch) die Detektive aus Rocky Beach. Nun läge die Vermutung nahe, ich kenne nach fast zwei Jahrzehnten alle Folgen auswendig. Doch zugegebenermaßen musste ich jede Folge mehrmals von vorne anfangen, da ich eigentlich immer einschlafe, bevor der Fall gelöst ist. Deswegen weiß ich nicht, ob ich überhaupt alle Folgen kenne.

Es gab auch Phasen, in denen ich eine Pause von den Jungs brauchte. Zum Beispiel ging mir Peter mit seinen ängstlichen Schreien und seiner irrationalen Panik vor Geistern auf die Nerven (ganz ehrlich, sie haben etwa 50 Fälle gelöst, in denen angebliche Gespenster als Menschen enttarnt wurden). Jedes Mal wird die Visitenkarte vorgelesen, was sehr anstrengend sein kann, wenn Personen das so tun, als hätten sie noch nie irgendetwas gelesen. Und doch bin ich ihnen treu geblieben.


… und die Bad Boys

Ich liebe die Kleinigkeiten, die einem mit der Zeit auffallen und einen teilweise schockieren. Besonders spannend finde ich seither die tragische Familiengeschichte von Justus, der früh seine Eltern bei einem Flugzeugabsturz verloren hat. Dieser Vorfall wird oft aufgegriffen, wie zum Beispiel in der Folge Das leere Grab, in der Justus nach Venezuela fliegt, weil er hofft, dort seine vermeintlich noch lebenden Eltern zu finden.

Und Dinge, die bei uns völlig normal sind, so wie das erste Bier, sind bei Justus, Peter und Bob etwas Besonderes. Da sie waschechte Moralapostel sind, sind mir glatt die Kopfhörer aus den Ohren gefallen, als Justus eine Zigarette raucht, Bob fast seine Freundin betrügt, Peter ständig in Nachtclubs unterwegs ist und dort sogar von einer Frau Drogen annimmt (wobei sich am Ende herausstellt, dass er sie nicht konsumiert hat). Je älter sie werden, desto öfter schleichen sich Flüche und Schimpfwörter ein, richtige „Hat er nicht gesagt“-Momente. Wegen Beschwerden der Hörerschaft zu dieser Wortwahl wurden sogar zwei Folgen, Der finstere Rivale und Der Superpapagei (2004) neu vertont. Ab und zu werden sie auch Opfer der Doppelmoral. Sie bringen Einbrecher hinter Schloss und Riegel, während sich Peter mit seinem Dietrich aber fast jede Folge unbefugten Eintritt in so manches Haus verschafft. Der finstere Rivale ist auch deswegen eine besondere Folge, weil sich hier Justus nah am Rand der Illegalität bewegt, um Bob zu retten. So wird oft der Eindruck vermittelt, dass sie über dem Gesetz stünden, immerhin sind sie ja die Guten.


… und die Unklarheiten

Ich habe für euch auch noch einen „Spezialgelagerten Sonderfall“, wie Justus sagen würde. Die drei ??? … und die gestohlenen Namen umfasst ein Verbrechen, das schlimmer nicht sein könnte. In der Folge Im Bann des Drachen werden die Detektive nach China entführt und treffen dort natürlich auf Chinesen. Zwei Figuren haben keine Klischee-Namen (das ist noch so ein Problem der Reihe), sondern: Zuko und Katara! Schande über euch! Wer nicht mitkommt, Zuko und Katara sind eigentlich die Namen zweier Hauptcharaktere aus Avatar – Herr der Elemente. Dachtet ihr wirklich, das würde uns nicht auffallen? Leider bleibt es nicht bei diesem einem Vorfall, die Autor*innen benennen ihre Figuren oft nach anderen bekannten Charakteren.

Wer auch noch einmal in Erinnerunge an die Clique von Avatar schwelgen möchte, kann hier weiterlesen:

Genauso mysteriös wie ihre Fälle sind auch die Geschehen hinter Justus, Peter und Bob. In mehr als 50 Jahren sammelte sich einiges an, wie zum Beispiel der bereits erwähnte Urheberrechtsstreit. Es gab Jahre, in denen keine Folgen mehr aufgenommen wurden und welche, in denen die Detektive DiE DR3i hießen. Viele Fans wie ich fragten sich vielleicht, warum das Trio plötzlich so sprunghaft älter wurde (erst waren sie 12-13 Jahre alt, dann auf einmal etwa 16), warum ihr Privatleben so in den Vordergrund rückte oder warum es eine neue Titelmelodie gab. Die Uneinigkeiten zwischen den Verlagen sind die Erklärung dafür. Für diejenigen, die hier den Durchblick bekommen wollen, habe ich einen Buchtipp: Der Autor C.R. Rodenwald hat das Buch Die Welt der drei Fragezeichen geschrieben, in welchem hinter die Kulissen geschaut und auch einigen inhaltlichen Fragen auf den Grund gegangen wird.

Letzten Endes ist mir persönlich das alles nicht wichtig, solange weiterhin neue Folgen erscheinen. Denn die drei sind wie enge Freunde, die mich mein Leben lang begleitet haben und die ich auf keinen Fall verlieren will. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Vielleicht lösen sie bald als Studenten Fälle? Haben sie bald Aufträge neben ihrem Bürojob? Werden ihre Kinder die Zentrale übernehmen? Ich hoffe, dass wir die Antworten in einigen weiteren Jahrzehnten erfahren werden.

Autor*in

Eileen studiert BWL und ist seit Oktober 2018 Teil der Redaktion. Sie leitete von Februar 2019 bis Februar 2020 das Ressort für Gesellschaft. Seitdem ist sie die stellvertretende Chefredakteurin. Außerdem werden viele der Illustrationen im Albrecht von ihr gezeichnet.

Eileen Linke
Über Eileen Linke 21 Artikel
Eileen studiert BWL und ist seit Oktober 2018 Teil der Redaktion. Sie leitete von Februar 2019 bis Februar 2020 das Ressort für Gesellschaft. Seitdem ist sie die stellvertretende Chefredakteurin. Außerdem werden viele der Illustrationen im Albrecht von ihr gezeichnet.

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