Die TV-Revolution in den 80ern: Bunt, modern und unterhaltsam

Foto: Wolfgang Pfensig / pixelio.de

RTL, Sat.1, ProSieben und VOX – für viele gehören diese Sender wie selbstverständlich zum Fernsehprogramm dazu. Heute können Zuschauer bis zu 200 Sender Zuhause empfangen. Doch es gab eine Zeit, da hatte das Publikum nur die Wahl zwischen drei Fernsehsendern: ARD, ZDF und das Dritte. Am 1. Januar 1984 brach für das deutsche Fernsehen ein neues Zeitalter an.

Am Neujahrsmorgen um 9.58 Uhr meldete sich Geschäftsführer Jürgen Doetz gemeinsam mit Moderatorin Irene Joest aus einem Kellerstudio in Ludwigshafen und begrüßte die Zuschauer zum Sendestart von PKS, dem späteren Sat.1, dem ersten privaten Fernsehsender in Deutschland. Einen Tag später erblickte um 17.27 Uhr mit RTL plus der zweite private Fernsehsender das Licht der Welt. In den ersten Sendeminuten wurde einer schwangeren Frau in einem OP-Saal ein Fernsehgerät mit der sich darauf befindlichen Aufschrift RTL entbunden. Sat.1 und RTL starteten im Rahmen von vier Pilotprojekten in Ludwigshafen, Dortmund, München und Berlin. Am Anfang konnten nur Zuschauer in diesen Gebieten die Sender empfangen. Die Verbreitung der Programme nahm durch den Ausbau der Kabelnetze und der Inbetriebnahme von Satelittenübertragung kontinuierlich zu. Das Programm der Privatsender war in den ersten Jahren noch improvisiert und amateurhaft und doch zeichnete es sich durch viel Leidenschaft, Kreativität und neuen, frischen Ideen der Fernsehmacher aus. Bis 1987 sendeten beide Sender nur von nachmittags bis Mitternacht Programm.

Die Pioniere des Privatfernsehens eröffneten den Zuschauern eine ganz neue, schrille, bunte, andere und junge Programmwelt. Zahlreiche noch nie zuvor gezeigte US-Serien, wie etwa Star Trek, flimmerten von nun an über die Bildschirme und führten zu einem breiteren Angebot an TV-Inhalten. Die Öffnung des Rundfunkmarktes hatte zur Folge, dass jungendaffine Sendungen, wie die Teenie-Serie Beverly Hills 90210 große Programmflächen eingeräumt wurden. Neue Genres, vor allem im Serienbereich, wie beispielsweise die Mutter aller Mystery-Serien Twin-Peaks, fanden nur durch das Privatfernsehen ihren Weg nach Deutschland.

Kommerzielle Anbieter führten auch immer wieder neue Formate in Deutschland ein. Herz, Schmerz und Intrigen hielten 1992 mit GZSZ, der ersten deutschen Daily-Soap, Einzug ins RTL-Programm. Hans Meiser begründete den Daily-Talk im deutschen Fernsehen.

Boulevard-TV, wie Explosiv- Das Magazin, das Sex, Crime und menschliche Abgründe in den Vorabend brachte, sowie einer Welle von Comedy-Formaten boten den Zuschauern neue Programmfarben. Late-Night-Shows, wie die von Thomas Gottschalk und Harald Schmidt, hätte es ohne RTL und Sat.1 nicht in der Bundesrepublik gegeben.

Sat.1 wälzte ebenfalls die Fernsehlandschaft um: Der Sender sorgte mit Gameshows nach amerikanischem Vorbild, wie Glücksrad und dem ersten Frühstücksfernsehen für Innovationen. Das Privatfernsehen hob auch den Sendeschluss um Mitternacht auf und führte ab 1991 das 24-Stunden-Programm ein.

Immer wieder sorgten RTL und Sat.1 mit Tabubrüchen für Aufsehen. Umstrittene Formate, wie die Sex-Beratung Eine Chance für die Liebe, der kontroverse Talk Explosiv – Der heiße Stuhl und Realityshows wie Big Brother und Das Dschungelcamp modernisierten das deutsche Fernsehprogramm.

Die Zulassung kommerzieller Programmanbieter führte überdies zu einer Orientierung der Programmplanung an Zuschauerbedürfnisse, indem erstmals Einschaltquoten gemessen wurden. RTL-Chef Helmut Thoma schuf 1984 die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, um die vor allem jungen Zuschauer seines Senders als potenzielle Kunden für Wirtschaftsunternehmen zu vermarkten. Diese Zuschauergruppe wies RTL als Marktführer aus und half zudem bei der Abgrenzung zu ARD und ZDF. Im Herbst 2013 stellte RTL aufgrund der Demographie seine Zielgruppe auf die 19- bis 59-Jährigen um. Durch Video-On-Demand-Portale und Online-Streaming-Dienste sieht sich das Privatfernsehen großen Herausforderungen ausgesetzt. Beide Sender haben aber bereits einmal bewiesen, dass sie über den Mut und den Willen zur Erneuerung sowie zum Experimentieren verfügen.

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Über Marcel Kodura 17 Artikel
Marcel Kodura ist seit Oktober 2010 als Redakteur beim Albrecht tätig. Er schreibt vor allem über gesellschaftliche Themen.

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