Diese Sache mit dem Blut

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Menstruation ist nach wie vor ein Tabuthema. Männer ekeln sich davor, Frauen müssen damit leben, reden aber kaum darüber. Dabei wird fast jede einmal im Monat für etwa fünf Tage davon heimgesucht. Dies äußert sich je nach Frau sehr unterschiedlich. Die Menstruation kann mit akzeptablen, bei Verwendung von Schmerzmitteln aushaltbaren oder schrecklichen Schmerzen einhergehen, ist unterschiedlich lang und stark und kann die Trägerin der zugehörigen Gebärmutter auf diverse Arten körperlich und geistig beeinflussen. Hinzu kommt, dass das monatlich ausfließende Blut und der Schleim unkontrolliert den Körper verlassen, was zu unangenehmen Gerüchen und Einfärbungen führen kann.

Um rote bis braune Flecken zu vermeiden, greifen die meisten Frauen auf Binden oder Tampons zurück. Der Gebrauch dieser Produkte wird nur selten hinterfragt, obwohl es zahlreiche Kritikpunkte gibt. Laut Utopia verbraucht eine Frau durchschnittlich 16 800 Einmal-Tampons oder -Binden in ihrem Leben – der dadurch entstehende Müllhaufen (plus die jeweilige Masse an Verpackung) ist keine angenehme Vorstellung. Neben der Menge muss auch das Material des Abfalls bedacht werden. Ein Tampon besteht beispielsweise zum Großteil aus synthetischer Viskosewatte gemischt mit herkömmlich angebauter und somit chemisch behandelter Baumwolle. Um eine maximale Weiße und Reinheit zu gewährleisten, wird das Material mit viel energetischem Aufwand gebleicht und oft zusätzlich für die noch weißere Optik mit umweltschädlichen Chemikalien behandelt. Das ist es, was sich die meisten Frauen jeden Monat direkt zwischen die Schleimhäute schieben. Neben dem direkten Kontakt mit Chemikalien sind auch die Risiken der vaginalen Trockenheit und des Toxischen Schocksyndroms – worauf auf jeder Tamponpackung hingewiesen werden  muss – bei der Nutzung von Tampons zu bedenken.

Alternativen gibt es, wenn auch nur wenige. Eine Möglichkeit für jene, die sich mit Binden am wohlsten fühlen, sind die auswaschbaren Lunapads. Die Binden aus 100 Prozent Baumwolle sind atmungsaktiv und können Wegwerfbinden, wenngleich diese starken Blutungen länger standhalten, effektiv ersetzen. Für alle, die das Blut lieber direkt im Körper aufhalten wollen, bietet sich eine Menstruationstasse an. Diese Tassen bestehen aus abwaschbarem Silikon und können über zehn Jahre lang bei jeder Menstruation verwendet werden. Dadurch werden Massen an Abfall, Geld und Sorgen gespart. Durch die Elastizität des Materials kann die Tasse gefaltet eingeführt werden und entfaltet sich dann von selbst, bereit als kleiner Trichter alles aufzufangen, was sich hinaus wagen will.

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Die verlorene Blutmenge wird oft übertrieben groß geschätzt. Quelle: Juan Chien-Han

Um die Angaben nicht nur auf Fakten zu beschränken, habe ich die Menstruationstasse von Lunette selbst getestet. Die Kosten für einen sauberen Umgang mit dem monatlichen Blut betrugen 31,60 Euro, einmalig für die nächsten zehn Jahre. Vor der ersten Nutzung war da auf einmal eine ernsthafte Vorfreude, endlich meine Tage zu bekommen. Dann bestätigte die Anprobe, was begeisterte Nutzerinnen bereits berichten: Freiheit! Die Lunette verschwindet, ohne, dass ich sie  spüre. Nach ersten Problemen bei der Entnahme wird die Handhabung immer geübter. Der Trick ist, die Tasse ein wenig nach unten zu pressen, damit man sie besser greifen kann. Der Anblick des eigenen Blutes ist sehr ungewohnt, doch dadurch kann ich die Blutung genauer beobachten, zum Beispiel, wann sie am stärksten ist, oder wie sich die Konsistenz verändert. Da die Tasse bis zu zwölf Stunden am Stück im Körper bleiben kann, bleiben mir ständige Toilettengänge erspart. Sogar auf einem Festival war das Leeren und Waschen kein Problem, da es ja nur noch selten nötig ist. Mein Tipp: Nehmt Euch einen Menschen mit, der Euch die Türen öffnet, wenn Ihr mit desinfizierten Händen gen Dixieklo strebt. Auch das heimliche Tampon/Binde in die Tasche schmuggeln, Freundinnen nach Hygieneartikeln fragen oder der Tamponkauf sind nun nicht mehr relevant, da das Menstruationsgeschirr in den blutigen Phasen direkt im Körper mitgenommen wird. Sport und Wasseraktivitäten kann ich nun jederzeit ohne Zwicken oder Flecken vollführen, sogar der weiße Bikini muss nicht bangen.

Wichtig bei der Handhabung ist natürlich die Hygiene. Wie auch bei Tampons müssen die Hände vor und nach der Entnahme sehr gründlich gewaschen oder desinfiziert werden. Die Tasse selbst kann einfach mit warmem Wasser ausgespült und wieder eingesetzt werden oder zusätzlich mit intimpflegender Seife oder speziellen Tüchern gereinigt werden. Durch die lange Tragedauer kann der Zeitpunkt strategisch so gelegt werden, dass eine Entleerung auf öffentichen Toiletten selten oder gar nicht erfolgen muss. Selbst kein fließend Wasser schränkt nicht ein. Dann kann einfach eine Flasche Wasser mit auf die Toilette genommen werden oder die Tasse einmalig lediglich mit Toilettenpapier ausgewischt werden. Nach der Menstruation wird die Tasse zur Endreinigung ausgekocht – um das Material zu schützen, hilft es, die Tasse in einen Schneebesen zu legen.

Da die Menstruationstasse bisher nicht von allzu vielen Frauen genutzt wird, ist die Skepsis häufig noch groß. Die Hersteller begegnen dieser Skepsis und dem grundsätzlichen Tabu, das über dem Thema Menstruation liegt, mit ausführlichen und gut gestalteten Informationen. Denn sie wollen den Frauen nicht nur ein angemessenes Produkt bieten, sondern auch Selbstbewusstsein und  Stärke im Umgang mit dem weiblichen Körper ermöglichen. Sich intensiv damit auseinanderzusetzen und die Funktionen des eigenen Körpers ohne Ekel zu bestaunen, kann zu einer angenehmen Selbstverständlichkeit führen, die bei der Thematisierung der Periode und anderen ‚Frauenthemen‘ dringend nötig ist. Durch Informationen und Austausch unter Freundinnen kann jede für sich die angenehmste Art ergründen, die Menstruation bis zu den Wechseljahren zu erleben.

 

Autor*in

Studiert seit 2013 Psychologie in Kiel, und frönt dem ALBRECHT seit dem Wintersemester 2014/15, von 2015 bis 2017 als Bildredakteurin und von Januar 2017 bis Januar 2018 als stellvertretende Chefredakteurin.

Mimke Lena Teichgräber
Über Mimke Lena Teichgräber 47 Artikel
Studiert seit 2013 Psychologie in Kiel, und frönt dem ALBRECHT seit dem Wintersemester 2014/15, von 2015 bis 2017 als Bildredakteurin und von Januar 2017 bis Januar 2018 als stellvertretende Chefredakteurin.

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