Ein Blick hinter die Kulissen

12 Fragen an… Vigdis Unsgård

Bild: Johanna Touoda
Vigdis Unsgård //Bild: Olaf Struck

„Ich werde vermutlich auch verrückte Antworten geben“, lautete die kurze Warnung von Vigdis Unsgård vor dem Interview. Wir sitzen in entspannter Atmosphäre im Opernkeller des Theater Kiels. In nur wenigen Stunden muss die lyrische Sopranistin zur Premiere der Oper Die Trojaner auf die Bühne. Vorher hat sie sich noch die Zeit genommen, sich unseren 12 Fragen zu stellen*, die die gebürtige Norwegerin einmal von einer ganz anderen Seite vorstellen.


DER ALBRECHT: Wie sieht ein guter Tag für dich aus?

Vigdis: Ein toller Tag für mich ist, wenn ich gut drauf bin, die Sonne scheint und alles einfach funktioniert. Zum Beispiel, wenn ich spät dran bin, aber noch meine Notenblätter ausdrucken muss. Dann muss der Drucker funktionieren, ansonsten kann ich echt sauer werden. Aber wenn die Technik mitspielt, dann ist es ein wirklich guter Tag.


Woher kommt dein Interesse für das Theater?

Ich bin schon als Kind ständig singend über unseren Hof gelaufen. Bei uns in der Nähe gab es eine Outdoor-Oper, die jeden Sommer gespielt hat. Meine Mutter hat mich dort für den Kinder-Opernchor angemeldet. Natürlich haben wir keine wirkliche Oper gesungen, sondern sind über die Bühne gelaufen und haben den Erwachsenen die Hüte vom Kopf geklaut. Aber ich war sehr gut darin und habe das gemacht, bis ich zehn Jahre alt war. Später bin ich dann dem tatsächlichen Opernchor beigetreten und seitdem ist der Stein immer weitergerollt und nun bin ich hier.


Was gefällt dir am besten am Theater?

Ich liebe den Moment, wenn du auf der Bühne stehst und gerade deinen Part in einer wichtigen Szene singst und alles so ist, wie es sein soll. Die Chemie zwischen deinen Kollegen stimmt und du spürst, dass du auch das Publikum berührst, sie die Emotionen mit dir teilen. Das fühlt sich wirklich gut an.


Hast du ein Vorbild, das dich inspiriert?

Es gibt viele großartige Menschen, aber ich habe keinen davon als konkretes Vorbild. Ich denke, dass alle Menschen ihr Bestes geben, soweit sie es können. Bei mir ist es so, dass ich verschiedene gute Eigenschaften in unterschiedlichen Personen sehe. Und ich versuche dann diese guten Eigenschaften von mehreren Personen in mir zu suchen.

Vigdis Unsgård als Ascanius in Die Trojaner //Bild: Olaf Struck


Auf welche Erfolge bist du besonders stolz?

Es ist schwierig einen Moment auszuwählen, denn jede Erfahrung bringt etwas mit sich. Das ist ähnlich wie mit den Vorbildern. Ich habe nicht ein konkretes Ereignis, sondern es gibt viele gute Dinge, die mir im Laufe meiner Karriere passiert sind.

Eventuell meine erste Hauptrolle. Die war auch in der Outdoor-Oper bei uns im Dorf. Ich war damals Anfang 20 und noch nicht auf der Musikakademie, aber sie haben mich trotzdem genommen. Es war die Oper Olav Engelbrektsson, eine historische norwegische Geschichte. Ein sehr dramatisches und verrücktes Stück, bei dem am Ende alle gestorben sind. Dadurch, dass die Oper draußen stattfand, war das Highlight die norwegische Mitternachtssonne. So war es während des Stücks abends die ganze Zeit hell und es wurde am Ende schlagartig dunkel. Es war sehr dramatisch.


Was magst du an Kiel?

Letzten Sommer habe ich den Strand von Laboe entdeckt, den mag ich sehr. Ich war schon immer eine Strandperson, weil ich auch in der Nähe vom Strand aufgewachsen bin. Und ich mag auch das Wetter. Ich weiß, dass die meisten Leute das Kieler Wetter nicht mögen, aber mich erinnert es an mein Zuhause in Norwegen. Als Kind habe ich an den Fjorden gewohnt und da war es oft sehr stürmisch und nass. Wenn es so gestürmt hat, bin ich zusammen mit meiner kleinen Schwester nach draußen gelaufen und wir haben unsere Jacken als eine Art Segel genutzt und sind so durch die Gegend geflogen. Das hat sehr viel Spaß gemacht.


Gab es schon einmal eine Sache, von der du dachtest, sie wäre einfach, bis du sie probiert hast?

Ich bin gerade dabei, meine Wohnung in Oslo zu renovieren und da dachte ich tatsächlich, dass es viel leichter sein würde. Ich habe das Budget festgelegt, die entsprechenden Leute eingestellt und dachte, dass es schon laufen wird. Aber es wird immer komplizierter. Zum Beispiel, wenn es um die Entscheidung geht, welches Holz ich für den Boden möchte. Dadurch, dass ich hier in Kiel bin, muss ich mit meiner Mutter skypen, die dann die verschiedenen Modelle auf dem Boden vor sich hat. Aber das Licht ist nicht immer optimal, also habe ich keine Ahnung, wie mein Apartment am Ende tatsächlich aussehen wird. (lacht)

Vigdis Unsgård in „Die Trojaner“ //Bild: Olaf Struck


Was ist eine unnütze Sache, in der du aber gut bist?

Ich kann meinen Bauch rollen, in so einer Art Bauchtanz-Wellen-Bewegung. Ich war einmal in Ägypten und da gab es Frauen, die für uns Bauchtanz getanzt haben. Und dann hat mich eine von ihnen auf die Bühne geholt. So war ich gezwungen mitzutanzen. Ich wusste aber nicht, wie genau man das macht und stand einfach so da und habe versucht, mich genauso zu bewegen wie sie. Natürlich war sie viel besser, aber ich konnte auch eine Welle mit meinem Bauch machen. Das ist schon cool.


Was ist die coolste Sache, die du weißt?

Dass männliche Seepferdchen diejenigen sind, die den Nachwuchs austragen. Sie haben sogar kleine Wehen. Männliche Seepferdchen machen das richtig.


Hast du jemals deinen Text auf der Bühne vergessen? Was hast du in dem Moment gemacht?

Ja klar, einmal hat beispielweise mein Bühnenpartner seinen Text so schnell aufgesagt, dass ich meinen Einsatz verpasst habe. Ich habe ihn nicht gehört. Also standen wir auf der Bühne und haben den jeweils anderen erwartungsvoll angeguckt. Dabei hat mein Bühnenpartner für sich meinen Part vor sich her gesummt und dann wieder mit seinem Part weitergemacht. Da habe ich gemerkt, dass ich meinen Einsatz verpasst habe. Ich bin mir zwar sicher, dass es niemand aus dem Publikum bemerkt hat, weil es so schnell ging, aber ich wusste es und habe mich in diesem Moment schon etwas geärgert.


Woran denkst du, wenn du nicht einschlafen kannst?

Wenn ich nicht schlafen kann, dann schaue ich meist etwas im Fernsehen und schlafe dabei relativ schnell ein. Oder ich habe eine kleine Dance-Party, bis ich so erschöpft bin und ins Bett falle. Doch eigentlich passiert es mir wirklich selten, dass ich nicht einschlafen kann. Ansonsten wecke ich auch gerne meinen Freund, denn wenn ich nicht schlafen kann, dann darf er es auch nicht. (lacht)


Auf was freust du dich in der Zukunft?

Auf die Projekte, die als nächstes am Theater anstehen, über die ich natürlich jetzt noch nicht sprechen kann. Ansonsten über die ganz alltäglichen Dinge, zum Beispiel gehe ich gerne in Cafés und trinke Kaffee, fahre in den Urlaub oder schaue mir eine Folge einer Serie an.


Vielen Dank für das Gespräch!

*das Interview wurde auf Englisch geführt und hier ins Deutsche übersetzt.

Autor*in

Johanna studiert seit dem Wintersemester 2016/17 Deutsch und Soziologie an der CAU. Sie ist seit Oktober 2016 Teil der ALBRECHT-Redaktion. Von Juli 2017 bis Januar 2019 war sie als Ressortleiterin für die Kultur verantwortlich. Sie ist seit Februar 2019 Chefredakteurin des ALBRECHT.

Johanna Touoda
Über Johanna Touoda 50 Artikel
Johanna studiert seit dem Wintersemester 2016/17 Deutsch und Soziologie an der CAU. Sie ist seit Oktober 2016 Teil der ALBRECHT-Redaktion. Von Juli 2017 bis Januar 2019 war sie als Ressortleiterin für die Kultur verantwortlich. Sie ist seit Februar 2019 Chefredakteurin des ALBRECHT.

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