Ein neuer Wohnraum aus Müll

Diese mobilen Häuser wurden aus Sperrmüll gebaut und werden zu einer neuen Bleibe für Obdachlose. Foto: Brian J. Reynolds

Der amerikanische Künstler Greg Kloehn baut für Obdachlose Häuser aus Sperrmüll

Der amerikanische Künstler Greg Kloehn baut seit Kurzem für Obdachlose kleine Häuser aus dem Abfall der modernen Gesellschaft. Zuvor schuf er schon geraume Zeit unterschiedliche Kunstobjekte zum Thema Wohnen, wie beispielsweise ein voll funktionsfähiges Wohnmobil aus einem Müllcontainer. Beim Spazierengehen hatte er eines Tages die Idee, aus Sperrmüll und Abfall ein kleines Heim zu bauen. Es sollte soweit den Maßstäben eines normalen Hauses entsprechen, so dass man darin tatsächlich für einige Zeit wohnen könnte. „Ich hatte die Vision eines kleinen Hauses, als ich mit meinem iPhone die selbst gebauten Häuser der Obdachlosen in meiner Heimatstadt Oakland dokumentierte. Ich arbeite selbst im Hausbau, deshalb beeindruckten mich deren selbst gezimmerte Hütten enorm!“, erzählt er im Interview. „Ich wollte also ein voll funktionstüchtiges Heim bauen mit Küche samt Wasserversorgung, Toilette und Stromanschluss. Es sollte eigentlich nur ein Kunstprojekt sein, das auf unsere Wegwerfgesellschaft hinweist.“

Aus diesem Grunde bediente er sich bei der überall verfügbaren Ressource Sperrmüll. Dieser wird meist illegal irgendwo an Straßen und leeren Plätzen abgeladen und wartet ungenutzt auf seine Entsorgung. Als Basis eines neuen Hauses dient Kloehn meist eine Palette, auf der er weitere Holzteile und Balken zu einem Ganzen zusammenfügt. „Nachdem ich Einiges an Abfall in mein Studio geschleppt hatte, begann ich zu bauen. Mein Plan war ja zunächst einfach nur ein verrücktes, kleines Haus zu bauen.“ Nachdem das fertiggestellte Haus bereits einige Monate in seinem Studio stand, kam in einer kalten, regnerischen Nacht eine obdachlose Frau zu ihm und fragte, ob er für sie eine Plane habe. Er ging zurück in seine Werkstatt und suchte vergebens, bis ihm beim Vorbeigehen an seinem Haus die Idee überkam: Warum nicht ein Kunstprojekt in ein wirkliches Heim verwandeln? „In diesem Moment rannte ich wieder hinaus und sagte der Frau, dass sie morgen wieder kommen solle, dann hätte ich ein Haus für sie“, erinnert sich Kloehn. Am nächsten Morgen kamen die Obdachlose und ihr Ehemann wieder und erhielten zusammen mit einer Flasche Champagner ihr eigenes, kleines Haus. Beide schoben es anschließend die Straße hinunter und lebten dort rund neun Monate.

Der Künstler bei der Arbeit an einem neuen Haus aus Abfall.
Der Künstler bei der Arbeit an einem neuen Haus aus Abfall.

Dieses positive Erlebnis war der Beginn, die Idee künstlerischer Arbeit mit etwas Sozialem zu verbinden. „Mir macht es einfach Spaß Dinge zu bauen und dabei fiel mir auf, dass ich dies mit etwas Gutem verbinden kann. Das Leben kann verdammt hart sein, wenn man immer in der Kälte schläft und einfach keinen sicheren Ort für sich und seine Sachen hat. Außerdem kostet der Bau der Häuser mich fast nichts, weil man hier in Oakland wirklich immer wieder brauchbare Sachen finden kann.“ Durch die mediale Aufmerksamkeit bekommt Kloehn mittlerweile immer mehr Dinge geschenkt, weil beinahe jeder etwas hat, das man noch verwenden kann. So kommen immer wieder Menschen, bringen ihm Holz, Farbe oder Nägel und fragen, ob sie irgendwie helfen können. „Die Rückmeldungen sind enorm, weil die Leute selbst etwas Ähnliches machen wollen. Sie fragen mich sogar nach Bauplänen, worauf ich einfach nur antworten kann, dass ich das zusammen baue, was ich finde – so wie es gerade zusammen passt.“

Die Kontaktanfragen sind mittlerweile so zahlreich, dass seine Frau oft einfach nur damit beschäftigt ist, den ganzen E-Mail-Verkehr zu regeln und die Einladungen und Besuchsangebote anderer Interessierter zu koordinieren. „Ehrlich gesagt habe ich noch keine Ahnung wie das alles weitergehen wird, aber ich bin sehr optimistisch, dass wir alle ganz einfach vielen Menschen helfen können. Einfach nur, indem man Abfall, den die Gesellschaft nicht mehr will, wiederverwendet“, resümiert Kloehn die aktuelle Entwicklung. Wer noch mehr über ihn und seine Arbeit erfahren möchte, kann sich auf der Projektwebseite www.homelesshomesproject.org oder unter www.gregorykloehn.com informieren. Und wer weiß, vielleicht werden auch bald bei uns aus Abfall Träume vom ganz neuem Wohnen und Leben wahr werden.

Fotos: Brian J. Reynolds

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Christian ist Redakteur und gestaltet beim Albrecht vor allem Motive und Designs für unsere Flyer, Plakate, T-Shirts und die berühmten ALBRECHT-Beutel.

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