Endlichkeit und Nichtverstehen: Der Forschungstag der Philosophischen Fakultät

Die Doktorandinnen Lucie Chamlian und Maria Grewe lassen Besucher des Forschungstags in einem Nachhaltigkeitsspiel Lebensmittel in einen Kühlschrank sortieren.

Ein Gastbeitrag von Eltje Böttcher

„Wie viele Plastiktüten werden in Deutschland jährlich verbraucht?“ – „Wie viele Liter Wasser werden für die Herstellung einer einzelnen Jeanshose benötigt?“ – „In welchem Kühlschrankfach wird ein Joghurt idealerweise aufbewahrt?“ – Die Doktorandinnen Maria Grewe und  Lucie Chamlian stellen den Besuchern ihres Standes Die Grenzen unserer Welt herausfordernde Fragen zum Thema Nachhaltigkeit. Als Stipendiatinnen des Collegium Philosophicum konfrontieren sie Besucher des Audimax in ihren Schätz- und Rätselspielen mit einigen Aspekten der „Endlichkeit“. Diese bildet zusammen mit dem Thema „Nichtverstehen“ den Rahmen für den dritten Forschungstag des Collegium Philosophicum, das Studierenden, Wissenschaftlern, Schulklassen und allen anderen Interessierten einen Tag lang die geistes- und kulturwissenschaftliche Forschung in der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität vorstellt.

Daniel Jesche, Dr. Sonja Petersen und Dr. Anja Franke-Schwenk (v.l.) debattieren über Ressourcenknappheit und Wirtschaftswachstum.
Daniel Jesche, Dr. Sonja Petersen und Dr. Anja Franke-Schwenk (v.l.) debattieren über Ressourcenknappheit und Wirtschaftswachstum.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch den Präsidenten Prof. Dr. Gerhard Fouquet beginnt die Reihe der vier Vorträge und zwei Workshops. Der Umweltethiker Professor Konrad Ott zum Beispiel stellt gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Christian Baatz Diskussionen zum Climate Engineering vor – ein Thema, das vor dem Hintergrund der globalen Klimakonferenz COP 19 in Warschau einige Besucher in den Hörsaal lockt.

Doktorand Justus Gronau macht eine Schülergruppe mit den Besonderheiten der Haikudichtung vertraut.
Doktorand Justus Gronau macht eine Schülergruppe mit den Besonderheiten der Haikudichtung vertraut.

Im Workshop Poesie (nicht) verstehen erkunden etwa 50 Teilnehmer neue Zugänge zur Lyrik. Nachdem sie die Gedichtgattung Haiku an Beispielen kennengelernt und ihre teilweise sehr neuartige Erfahrung dieser Dichtungsform besprochen haben, versuchen sie sich selbst als Dichter. Auch 40 Schülerinnen und Schüler füllen in der Dichterwerkstatt ihre anfänglich weißen Blätter zunehmend konzentriert und begeistert mit stimmungsvollen Kurzgedichten. Ihre Deutschlehrerin Gisela Nischalke ist mit ihrem Deutschkurs des elften Jahrgangs eigens für diesen Workshop aus Husum angereist. „Die Textsorte ‚Haiku‘ war vorher nur Zweien aus dem Kurs namentlich bekannt, aber auch die anderen haben schnell einen Zugang gefunden“, berichtet sie nach Ende des Workshops. „Sehr spannend fand ich, dass bei den Schülern vor allem Haiku über ihre regional besonderen Alltagseindrücken entstanden sind, also über Natur, Sturm, Meer und Kälte. Vielleicht haben wir soeben die Textgattung des ‚Nordfriesischen Haiku‘ begründet“, schmunzelt ihre Kollegin Frau Binder. Die Workshop-Leiter Justus Gronau, Frank Nagel und Ingo Vogler zeigen sich zufrieden. „Viele Schüler waren zunächst überrascht, dass es Texte gibt, die man gar nicht verstehen soll“, erzählt Frank Nagel. „Ich denke, dass sich ihr Zugang zu Dichtung durch die Erfahrung im Workshop verändert hat – vermutlich werden einige sogar selbst weiter mit Haiku experimentieren.“

Doktorandin Hanna Pahl lässt ihre Workshopbesucher an Werken von James Turrell „Nichtverstehen“ und „Endlichkeit“ nachempfinden.
Doktorandin Hanna Pahl lässt ihre Workshopbesucher an Werken von James Turrell „Nichtverstehen“ und „Endlichkeit“ nachempfinden.

Den letzten Punkt der Veranstaltungsreihe bildet eine Podiumsdiskussion zum Thema Endlichkeit der Welt – Endlichkeit des Wachstums?. Hier debattieren Vertreter aus der Umweltethik, der Wirtschafts- und der Politikwissenschaften vor dem Hintergrund von Klimawandel und Ressourcenknappheit über die Konsequenzen für unser jetziges Wirtschaftssystem und hinterfragen das nach wie vor als gesetzt geltende Ziel des Wirtschaftswachstums.

Das Zentrum für Osteuropa-Studien präsentiert einer Besucherin seinen Forschungsbereich.
Das Zentrum für Osteuropa-Studien präsentiert einer Besucherin seinen Forschungsbereich.

Parallel zu diesen Veranstaltungen stellen im Foyer das „Zentrum für Asiatische und Afrikanische Studien“, das „Zentrum für Osteuropa-Studien“ und andere Forschungszentren der Philosophischen Fakultät sowie weitere Doktorandinnen und Doktoranden der Projektkollegien interessierten Besuchern mit Postern und in Gesprächen ihre Forschungen vor. Bei einem kleinen Umtrunk lassen die Gäste gemeinsam mit den Veranstaltern den Abend bei geselliger Atmosphäre ausklingen.

Die Doktorandinnen Lucie Chamlian und Maria Grewe lassen Besucher des Forschungstags in einem Nachhaltigkeitsspiel Lebensmittel in einen Kühlschrank sortieren.
Die Doktorandinnen Lucie Chamlian und Maria Grewe lassen Besucher des Forschungstags in einem Nachhaltigkeitsspiel Lebensmittel in einen Kühlschrank sortieren.

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