Energieschub aus der Teeschale

Der giftgrüne Tee „Matcha“ erobert Deutschland

Alle Jahre wieder wird ein neues, ursprünglich aus fernen Ländern stammendes Genussprodukt nach Deutschland geschwemmt. Gerade noch schossen in den Großstädten Deutschlands diverse Pop-Up-Stores in knallbunten Farben aus der Erde, deren Besitzer den Deutschen auf den Geschmack von „Bubble Tea“ bringen wollten – einem zuckersüßen Tee-Milch-Mixgetränk mit erbsengroßen Perlen aus Fruchtsirup darin, die beim Daraufbeißen im Mund zerplatzen. Es mag schon sein, dass diesem chinesischen Export-Trendgetränk ein gewisser Nährwert fehlte – zwar hat der Deutsche auch nicht das gesündeste Essverhalten, doch das Bewusstsein dafür steigt – heute spricht jedenfalls so gut wie niemand mehr davon. Und so wundert es nicht, dass ein anderes, exotisches Produkt sein Glück auf dem deutschen Markt versuchen darf – eines mit einer vollkommen anderen Geschichte dahinter.

Es geht weg von den quietschigen Farben des „Bubble Teas“, dem hektischen Großstadttrubel und hin in die ruhige, malerische Berglandschaft Japans. Hier werden hochwertige, grüne Tees angebaut; und eine der edelsten Sorten von ihnen ist „Matcha“ auch „gemahlener Tee“, „geschlagener Pulvertee“ oder „Pudertee“ genannt. Die Wirkung dieses speziellen Grüntees verbindet Belebung mit Entspannung und Wohlbefinden und dies verhilft „Matcha“ mittlerweile auch in Deutschland zu einer immer größer werdenden Beliebtheit. „Mit dem Hype um „Matcha“ ging es in Deutschland erst vor 4 Jahren so langsam los. Davor war es einfach noch nicht soweit.“, erklärt der Besitzer vom Tee Kontor Kiel Jan-Oliver Hartleib. Möglicherweise liegt dieser späte Zeitpunkt der Entdeckung daran, dass „Matcha“ für den Deutschen lange noch zu ungewöhnlich war: Der Tee kommt als ein fein gemahlenes Pulver in einer intensiven, grünen Farbe, welche sich auch nach dem Aufguss mit heißem Wasser nicht verflüchtigt. Der Tee ist grün, weil die Teeblätter vor der Pflückung wochenlang unter verdunkelnden Netzen heranreifen und so besonders viel Chlorophyll bilden. Diesem Beschattungsprozess verdankt der Tee auch die für edelste Qualität stehende Bezeichnung „Schattentee“.

Die heutige Beliebtheit des grünen Tees erklärt sich Jan-Oliver Hartleib vor allem mit den immer bekannter werdenden Gesundheitsaspekten des Tees. „Matcha“ gehört zu den gesündesten Tees auf dem Markt. In den Klöstern chinesischer Mönche wurde er als traditionelle Medizin verwendet, da er neben den Vitaminen A, B, C und E auch Antioxidantien enthält. Außerdem hat „Matcha“ einen hohen Koffeingehalt, der für eine schnelle energetisierende Wirkung sorgt. Schon lange wissen buddhistische Mönche den Tee dafür zu schätzen, dass er Müdigkeit vertreibt und so zur Förderung ihrer Meditation beiträgt; im Jahr 1191 brachten sie ihn deshalb aus China mit nach Japan. Heute ist der grüne Tee dort ein fester Bestandteil der Alltagskultur; der sogenannte „Teeismus“ ist Kult. Die Verehrung des Schönen ist Grundlage des „Teeismus“ und der damit verbundenen Teezeremonie, bei der traditionellerweise „Matcha“ getrunken wird. Nach der japanischen Philosophie vollzieht man während der Teezeremonie eine Reinigung der sechs Sinnesorgane; so werden beispielsweise die Ohren gereinigt, während man dem Kochen des Wassers im Eisenkessel lauscht, und der Mund, während man den Tee kostet.

Wer in den Genuss des grünen Wundertrunks kommen möchte, muss das jedoch nicht auf die traditionelle, japanische Art tun, die auch mal bis zu einer Stunde dauern kann. „Da gibt es bestimmte, komplizierte Regeln, an die sich die jungen Japaner nicht einmal herantrauen. Den Genuss von „Matcha“ kann man auch einfacher haben.“, so der Tee-Experte Hartleib, der auf einer Reise nach Japan selbst miterlebt hat, wie die Teebauern den belebenden „Matcha“ in ihren normalen Alltag mit einbinden. Sie geben das Teepulver dafür in eine mit Wasser gefüllte Flasche und vermischen alles mit schüttelnden Bewegungen.

Die normale Zubereitung des Tees für zuhause sieht drei Arbeitsschritte für das beste Ergebnis vor: Zuerst wird das Teepulver fein gesiebt und mit heißem Wasser aufgegossen. Anschließend wird der Tee mit einem Teebesen aus Bambus aufgeschäumt. „Die Routine bei der Teezubereitung bringt es mit sich: Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, geht es wirklich schnell – keine Kaffeemaschine hält da mit.“, meint Hartleib. Ist der Tee zubereitet, kann er pur getrunken oder als Zusatz in Mixgetränken – wie zum Beispiel „Matcha Latte“ – verwendet werden. Zudem wird er bei der Herstellung von Backwaren und Eiscreme genutzt. Der Geschmack des Tees ist durch seinen hohen Gehalt an Amino- und Glutaminsäure süßlich und im Vergleich zu chinesischen Grüntees grasiger. Dabei schmeckt „Matcha“ nicht rauchig wie einige chinesische Sorten.

Japan exportiert nur wenig seines charakteristischen Grüntees. Das liegt zum einen daran, dass das Land selbst der größte Verbraucher ist, zum anderen an dem hohen Preis des Produktes, der mit dem aufwendigen Herstellungsverfahren zusammenhängt. Nach der wochenlangen Beschattung der Teesträucher und der Pflückung werden nur die edelsten Bestandteile des Teeblattes – genannt „Tencha“ – weiterverarbeitet. Zu diesem Zweck muss das Blattfleisch von allen Adern und Stielen befreit werden, bevor es auf Granit-Steinmühlen vermahlen werden kann. Je nach Qualität kommt so für 30 Gramm Teepulver ein stolzer Preis von zwischen 27 € und 40 € zustande.

Wer eine gute Alternative zum Kaffee sucht, die auf dieselbe Weise neue Energie und Konzentrationsfähigkeit schenkt und dazu auch noch viele gesunde Inhaltsstoffe hat, der sollte nicht zögern, einmal einen Schluck von dem schaumigen, blattgrünen Gebräu zu nehmen. Ein gewisser Spielraum im Portemonnaie sollte zwar vorhanden sein, aber da schon ein halber Teelöffel Pulver für eine Tasse Tee ausreicht, hat man relativ lange Freude an seiner kulinarischen Investition.

Ob der Hype um „Matcha“ in Deutschland anhalten wird und das japanische Export-Produkt sich längerfristig auf dem Markt etablieren kann, ist schwer vorauszusehen und bleibt abzuwarten. Doch die Chancen könnten im Allgemeinen etwas besser stehen als die des „Bubble Tea“, da „Matcha“ ein absolut reines Produkt ohne jegliche Zusatzstoffe ist. Bei der Produktion achten viele Hersteller auf einen kontrollierten Bioanbau. Sie wollen auf den Einsatz von Pestiziden verzichten, damit der Endverbraucher beim Genuss von „Matchatee“ die guten Inhaltsstoffe des Teeblattes komplett aufnehmen kann.

Weitere Informationen über „Matchatee“, die unterschiedlichen Sorten sowie die Art der Zubereitung bietet der Tee Kontor Kiel im Rahmen einer Teeverkostung „Einführung in die Welt des Matchatees“ an. Anmeldungen erfolgen entweder direkt im Geschäft in der Holtenauer Straße 126 oder über info@tee-kontor-kiel.de.

Referenzen
Hesse, Eelco. Tee : Alles über die Welt des Tees und die Tees der Welt. Gräfe und Unzer.
Rohrsen, Peter.
Der Tee : Anbau, Sorten, Geschichte. C. H. Beck.
Standage, Tom.
Sechs Getränke, die die Welt bewegten. Artemis & Winkler.
Informationsmaterial von Keikotee, Shimodozono International GmbH.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*