Es könnt‘ alles so einfach sein…

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… stattdessen versinkt die Universität im Online-Plattform-Chaos

von Hannes Reinhardt

Das Studium steckt voller Herausforderungen, vor allem logistischer Art. Es beginnt mit der Einschreibung. Die Bewerbungsunterlagen können problemlos aus dem Internet heruntergeladen werden, doch die Einschreibung selbst muss vor Ort geschehen. Die möglichen Zeiträume sind jedoch begrenzt und die Schlangen an den vorgesehenen Schaltern lang. Es könnt‘ alles so einfach sein…mit der Einrichtung einer Online-Immatrikulation!

Ist der erste bürokratische Aufwand überwunden, landen Studienausweis sowie das Semesterticket im Briefkasten. Zwei dünne Blättchen Papier, noch nicht mal in Scheckkartenformat. „Bitte nicht einschweißen“ steht darauf. Wie vielen Studenten geht der Studienausweis nach kurzer Zeit kaputt oder wird verschmutzt? Es werden sicherlich einige sein. Ebenfalls zu lesen:„Nur in Verbindung mit Personalausweis oder Reisepass gültig“. Der Ausweis muss also auch immer dabei sein. Mit jedem absolvierten Semester zunehmend nerviger: die Rückmeldung muss jedes Semester unterschrieben und in einen Briefkasten im Erdgeschoss des Uni-Hochhauses geworfen werden. Faulheit kostet 55 Cent Portogebühren. Es könnt‘ alles so einfach sein…mit Rückmeldung online! Während des Semesters geht es so weiter. Mit der CampusCard kann fantastischerweise bargeldlos kopiert und in der Mensa bezahlt werden. Möchte man jedoch Bücher aus der Uni-Bibliothek ausleihen, so ist ein zusätzlicher Bibliotheksausweis von Nöten. Möchte man seinen Körper im FIZ stählen, dann nur mit der Karte für Hochschulsport. Es könnt‘ alles so einfach sein…mit einer Karte für alles!

Es folgt die Anmeldung für Kurse und Klausuren. Warum muss sich der Jura-Student über „HIS“ für seine Arbeitsgemeinschaften anmelden, der Germanistik-Student seine Kurse über „SVS“ belegen und der Politik-Student gar einen mittelalterlichen Papierbogen ausfüllen? Es könnt‘ alles so einfach sein…mit einem Anmeldungssystem für alle Studiengänge!

Erfreulich für jeden Studierenden ist auch dieses Szenario: pünklich morgens um acht Uhr vor dem Seminarraum zu stehen um mittels eines Zettels an der Tür erfahren zu dürfen, dass die Veranstaltung aufgrund von Krankheit des Dozenten heute ausfallen muss. Da sind wohl 30 Leute umsonst aufgestanden… Es könnt‘ alles so einfach sein… mit einer Uni-internen Email-Adresse für jeden Studierenden, über die alle wichtigen Informationen dieser Art wie Ausfall, zeitliche oder räumliche Verlegung usw. einfach übermittelt werden können!

Vorlesungmaterial soll mal von der eigenen Homepage des Dozenten, mal über die Fakultätsseite, mal über ein studiengangspezifisches System heruntergeladen werden. In anderen Fällen wird aufwendig ein Email-Verteiler eingerichtet und die Folien jedem Seminarteilnehmer per Mail geschickt. Es könnt‘ alles so einfach sein… mit einer zentralen Zugriffsmöglichkeit für die Materialien aller Veranstaltungen!

Sicherlich sind all diese bürokratischen Hindernisse für uns Studierende durchaus zu überwinden. Dennoch kosten sie uns Nerven und Zeit. Portale wie das UnivIS, das Moodle-System bei den Germanisten oder das Visum-System bei den Pädagogen sind bereits gute Ansätze, die jedoch ausgebaut und zentralisiert werden müssen.

Ein Wunsch für die Zukunft: Ein Ausweis mit Foto in Scheckkartenformat, darauf ein Chip oder ein Magnetstreifen zur Speicherung von Geldguthaben, ausgeliehener Bücher oder gebuchter Sportkurse. Dazu ein zentrales Uni-Portal, über das alles läuft: Anmeldung zu Veranstaltungen und gegebenenfalls Klausuren, sowie Download von Materialien. Per Username oder Matrikelnummer plus Passwort loggt man sich ein und hat Zugriff auf alle wichtigen Daten. Auch alle bereits erworbenen Scheine könnten hier auf einen Blick eingesehen werden. Dazu Informationen zu Professoren und Dozenten wie Sprechstundenzeiten, Raumnummern der Büros und Email-Adresse. Außerdem wird für jeden Studierenden eine Uni- Email-Adresse eingerichtet, über die alle Uni relevanten Informationen verschickt werden. Zu Semesterbeginn könnte das System automatisch Verteiler für jede Veranstaltung einrichten, die den Dozenten dann unkompliziert zur Verfügung gestellt werden.

Die Umstellung mag einiges an Geld kosten, doch diese Investition wäre sicherlich durch den damit verbundenen Bürokratieabbau im Interesse aller an der CAU, nicht nur der Studierenden. Von diversen Hochschulgruppen werden einige dieser Vorschläge bereits gefordert. Jedoch wird anscheinend neben dem finanziellen Aspekt auch vor dem mit der Einrichtung eines solchen einheitlichen Systems verbundenen Aufwand zurückgeschreckt. Der Lehrstuhl für Controlling am Institut für Betriebswirtschaftlehre unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Birgit Friedl hat erfreulicherweise die Zeichen der Zeit erkannt und dieses Projekt in Angriff genommen. Im Rechenzentrum und im Informatikstudiengang sitzen zusätzlich jede Menge Menschen, die das technische Know- How besitzen, ein solches einheitliches Uni-Portal zu entwickeln. Für Letztere wäre dies vielleicht auch im Rahmen eines Semesterprojektes denkbar.

Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein und hoffentlich heißt es dann irgendwann: „Es könnt‘ alles so einfach sein…und an der CAU ist es das auch!“

1 Kommentar

  1. So etwas als Semesterprojekt? Schön zu sehen, für wie einfach manche Leute so etwas halten. Schöne Traumwelt :).

    Die Informatik hat beispielsweise eine Studierendendatenbank mit Online-Anmeldung zu Übungsgruppen und Klausuren, Scheinverwaltung etc., und die ist zu einem kleinen Teil auch als Bachelor-Abschlussprojekt entstanden, ja – aber das zeigt sich leider auch schon an ihren Schwächen. Und sie muß gerade mal mit einer Handvoll ähnlich gelagerten und aus gleicher Hand entstandenen Prüfungsordnungen zurecht kommen.

    Wenn man sich alleine mal die verschiedenen Prüfungsordnungen und -modalitäten anschaut, die schon innerhalb eines Fachbereichs auftreten, weiß jeder Informatiker: So etwas uniweit gut umzusetzen, so daß nachher alleine schon von den Studierenden (!) kein Protest über ein schlechtes System kommt, ist zwischen Sisyphus und Kreisquadratur anzusiedeln. Wenn dann noch Datenschutz und rechtliche Verbindlichkeit hinzukommen („Ich hab mich nicht für die Klausur angemeldet, das war mein Mitbewohner, mein Passwort ist nämlich im Browser gespeichert!“) …

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