Feindschaft zwischen Adel und Zigeunern

Unterüberschrift: Sommeroper „Der Troubadour“ von Giuseppe Verdi auf dem Rathausplatz

 

Auf der Tragfläche eines abgehalftert aussehenden, klapprigen, alten Pickups herrscht ausgelassene Stimmung. Ein halbes Dutzend Zigeuner überwiegend in schwarz-rot gekleidet, fahren zu ihrem Clan zurück. Dort herrscht geschäftiges Treiben, bis die Anführerin der Zigeuner, Azucena vom fesselenden und tragischen Unrecht berichtet, dass ihr zugefügt wurde und den Ausgangspunkt der weiteren Handlung bildet. „Der Troubadour“ von Giuseppe Verdi wurde in diesem Jahr als Sommeroper auf dem Rathausplatz gezeigt.

Entstanden aus einer grausamen Geschichte der Vergangenheit kommt es zu einem Kampf unter Brüder, die aus unterschiedlichen Welten stammen und erst von ihrer Verwandtschaft erfahren, als es bereits zu spät ist. Die Liebe dieser Brüder für die gleiche Frau setzt ein Karussell des Chaos in Gang. Der mächtige Graf Luna und der Troubadour Manrico sind in Leonara verliebt. Sie duellieren sich um die Gunst der Liebsten. Leonora liebt jedoch den Troubadour und will vom Grafen nichts wissen. Manrico gewinnt das Duell, kann den Grafen jedoch nicht töten. Dieser nutzt die Situation schamlos aus und lässt Manrico Gefangen nehmen, um Leonoras Herz zu gewinnen, doch er erreicht das Gegenteil. Als Azucena, Manricos Mutter ihren Sohn in der Nähe des Grafen sucht, kommt Licht ins Dunkel, da ein Gefolgsmann von Luna, sie als die Zigeunerin erkennt, die den Bruder des Grafen getötet haben soll. Erst im Sterben gesteht sie, dass Manrico sein Bruder gewesen sei und ein anderes Kind gestorben ist. Doch da ist es schon zu spät. Aus Verzweiflung hat Leonora eine Giftpille genommen und Manrico wurde vom Grafen hingerichtet, als er den Verrat von Leonora bemerkt. Er bleibt ohne Geliebte und Bruder allein zurück.

Mit vollem, leichtem Klang eröffnete das konstant überzeugende Orchester die Oper. Das sauber gespielte, weiche Horn schmiegte sich in das pathetische Spiel der Streicher. Auch in begleitender Funktion bestachen sie durch den konstant gehaltenen Rhythmus und ein stellenweise witziges Pizzicato.

Für den gesanglichen und schauspielerischen Höhepunkt sorgte Christina Melis in der Rolle der Azucena. Als leidende Mutter wirkt sie durch ihre expressive, emotionale Tiefe in der Stimme authentisch und entfaltet ihre Stimmgewalt. Die Farben ihres weißen Kleid mit den roten Blumen und dem schwarzen, leichten Stoff-Überwurf verbildlichen ihre Eigenschaften. Einerseits die unschuldige Mutter, die ihr Kind mit Leidenschaft verteidigt, andererseits das dunkle Geheimnis, welches sie mit sich herumträgt. Als ihr Sohn Manrico überzeugte Jesus Garcia durch glänzende Koloraturen. Ebenso beeindruckend waren die Phrasierungen von Anna Petrova, die als Hofdame Inez der Leonora leider nur recht selten zum Zuge kam.

Der weiche volle Klang der Stimme von Tomohiro Takada als Graf Luna, wurde durch die pointierten Akzente in seinem Gesang unterstrichen. Den Zwiespalt zwischen verzweifelter Wut und Hoffnung brachte Takada emotional rüber.

Serena Daolio als Leonore hatte mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach zu glattem leicht langweiligem Beginn und gelegentlichen Timing-Schwierigkeiten mit dem Orchester in den ersten zwei Akten, zeigte sie ihr Können im letzten Akt und explodierte nahezu in den hohen Passagen. Auch den Wechsel zwischen dramatischer Arie und jubelnden Staccato-Tönen gelangen ihr.

Besonders beeindruckend wirkten die Chor-Passagen. Gerade in den leisen Passagen konnten sie in der Zigeuner-Szene durch dynamische Stufen Schwung in die Musik bringen

Die Kostüme verdeutlichten, zu welchen Welten die jeweiligen Figuren gehörten. In rot und schwarz gehalten zum Lager der Zigeuner, in grauen, blauen oder schwarzen Tönen zum Grafen Manrico. Claudia Spielmann hat durch ihre Kostüme noch einmal den Gegensatz der zwei Welten verdeutlicht. Das schlicht gehaltene Bühnenbild wurde durch die Videoprojektionen von Konrad Kästner sowie das Spiel mit verschiedenen Feuern belebt.

Die Sommeroper bot eine andere Atmosphäre als im Opernhaus. Die Nebengeräusche, wie das Glockenläuten des Rathausturmes wurden mit in die Inszenierung eingebaut, ebenso wie die Bäume und das Spiel mit dem Feuer. Sie sorgten neben dem musikalischen Feuerwerk für Unterhaltung. Unbedingt im nächsten Jahr mal ausprobieren.

 

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Über Anna Lisa Oehlmann 0 Artikel
Anna Lisa ist seit dem Herbst 2010 als Redakteurin beim Albrecht tätig. Sie schreibt besonders gern Opernkritiken und Theaterrezensionen und leitete mehrere Jahre das Kulturressort. Der kulturelle Schwerpunkt begründet sich im Studium der Fächer Deutsch und Europäische Ethnologie/ Volkskunde.

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