Frank Sinatra – In The Wee Small Hours

Written by Paul Niklaus Stahnke. Posted in KULTUR, Plattensau

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Published on Mai 23, 2017 with No Comments

Frank Sinatra
Titel: In The Wee Small Hours
Label: Capitol Records
VÖ: April 1955

Im Nachhall seiner ersten Scheidung, die zweite erahnend, weil weder er selbst noch seine Ehefrau Ava Gardner wirklich treu sind, nimmt Frank Sinatra im Februar und März 1955 sein zehntes Studioalbum In The Wee Small Hours auf. Seine Karriere ist über das erste Hoch hinaus, mit Ende dreißig bleibt die frühere Käuferschicht weg, den Bobby Soxern, vergleichbar mit Beliebern und Directionern, ist Sinatra zu alt. Nach einem Labelwechsel, zwei erfolgreichen Alben für Capitol Records und einem Oscar-Gewinn für Verdammt in alle Ewigkeit geht es nun ans dritte Werk für die neuen Chefs. Der Opener In The Wee Small Hours Of The Morning wird speziell für das Album geschrieben, die übrigen elf Songs sind moderne Klassiker der Dreißiger- und Vierzigerjahre. Der vierzigjährige Hobokener Sinatra nimmt an fünf Tagen abends ab 20 Uhr bis spät in die Nacht in Los Angeles auf, bricht nach dem letzten Take für When Your Lover Has Gone weinend zusammen. Als eines der ersten Konzeptalben überhaupt zieht sich eine tiefe Trauer bis liebevolle Melancholie durch die gesamten 49 Minuten, manche Stücke wirken therapeutisch in ihrem zentralen Thema. Ob Sinatra mutlose Zeilen wie „Like faded flowers, life can‘t mean anything when your lover has gone“ (When Your Lover Has Gone) ins Mikrophon raunt, in schlaflosen Nächten schlaflose Nächte besingt „When the whole wide world is fast asleep, you lie awake and think about the girl. And never, ever think of counting sheep“. (In The Wee Small Hours Of The Morning) oder ins Philosophische abdriftet „What is this thing called love? This funny thing called love? Just who can solve its mystery?“ (What Is This Thing Called Love), er tänzelt meisterhaft um das Feuer der Leidenschaft, dessen Brandwunde er noch spürt, herum und unterdrückt dabei eine nach der anderen Träne. Zyniker mögen jetzt mahnen, dass das alles nicht nötig wäre, wenn man sein Glied außerhalb des Ehebettes nur zum Pinkeln benutzt. Hardcore-Fans mögen Ava Gardner fürchterliche Dinge schimpfen, doch ihr gebührt Dank. Selten ist davor, noch seltener danach, die Absurdität und tiefe Trauer menschlicher Zweisamkeit und unabänderlich folgender Einsamkeit mit Würde und Stil besungen worden als auf diesem Album.


Titelbild: Markus Spiske, bearbeitet (mlt)

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About Paul Niklaus Stahnke

Paul ist seit Ende 2012 Teil der Redaktion. Neben der Gestaltung des Layouts schreibt Paul gerne Kommentare und lässt die Weltöffentlichkeit an seiner Meinung teilhaben. In seiner Freizeit studiert Paul Deutsch und Anglistik an der CAU.

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