„I could violate her ten different ways if I wanted to“

Rape Culture in US-amerikanischen Hit-Filmen der 1980er Jahre

Bild: Eileen Linke

In den 80er Jahren landete John Hughes als Autor und Regisseur mit Filmen wie Pretty in Pink, The Breakfast Club oder auch Sixteen Candles große Hits. Er schien mit diesen Highschool-Teenie-Filmen genau den Zahn der Zeit und den Gefallen der Menschen zu treffen. Stets handelt es sich um Teenager, die mit ihren Problemen und Wünschen, hauptsächlich romantischer Natur, im Fokus des Films stehen. So nostalgisch und unschuldig diese Filme heutzutage auch erscheinen mögen, fällt bei heutiger Sichtung dieser Filme jedoch eines schmerzlich und rigoros ins Auge: die Verherrlichung der Rape Culture (zu dt.: Vergewaltigungskultur). Junge Mädchen werden verbal und physisch misshandelt – aber der Umstand wird keineswegs kritisch, sondern stets mit einem Augenzwinkern in den Filmen dargestellt.

Sixteen Candles als klischeehaftes Beispiel

So verhält es sich auch beim 1984 erschienenen Film Sixteen Candles (dt.: Das darf man nur als Erwachsener), in dem Schauspielerin und Everybody’s Darling Molly Ringwald die Hauptrolle der Samantha verkörpert. Ebendiese feiert ihren sechzehnten Geburtstag, doch anstatt mit Liebe und Geschenken überhäuft zu werden, hat ihre gesamte Familie ihren Ehrentag vergessen. Gleichzeitig muss sie sich mit ihren unerwiderten Gefühlen für Mitschüler Jake Ryan herumplagen, denn wie könnte der beliebteste Junge der Schule schon in die unscheinbare Samantha verliebt sein? So weit, so kitschig und berechenbar. Sich um diesen Plot drehend spinnt der Film weiter seine Fäden, bezieht einen Abschlussball und einen Nerd als (un-)heimlichen Verehrer mit ein. Hat jede*r schon einmal in Filmen gesehen, auch Bewegtbilder der 90er und frühen 2000er sahen nicht anders aus.

Die meisten dieser Filme sind klischeehaft und stigmatisieren das Bild der Frau und des Mannes. Dies wird besonders in den Filmen der 80er deutlich, in denen die Rape Culture einem förmlich ins Auge springt. Unter Rape Culture versteht sich eine Gesellschaft, in der Missbrauch und Vergewaltigung verschleiert und toleriert werden; eine offensichtliche Misshandlung wird heruntergespielt und verharmlost.

Rape Culture: Missbrauch als gesellschaftlich akzeptables Happening

Filme der 80er Jahre, wie Sixteen Candles, spielten eine große Rolle für die Akzeptanz und Wahrnehmung von Missbrauch in der Gesellschaft. Diese unschuldigen Highschool-Filme verherrlichen den Umstand einer Vergewaltigung entweder nach dem Schema daraus einen Witz zu machen oder auch nach dem einfachen Prinzip „boys will be boys“: Seid nicht überrascht, wenn (junge) Männer etwas schroffer sind, denn so ist das männliche Naturell nun einmal. Ist ja nur natürlich, dass ein Junge über seine durch Alkohol dem Koma nahe Freundin sagt sagt: „I can get a piece of ass anytime I want. Shit, I got Caroline in bed, passed out cold. I could violate her ten different ways if I wanted to”. Als wäre das nicht schon genug, bietet er seine Freundin einem anderen Jungen an – weil er einfach keine Lust mehr auf sie hat: “She’s beautiful and she’s built and all that, but I’m just not interested anymore […] I’ll let you take Caroline home […] She’s so blitzed, she won’t know the difference”. In der darauffolgenden Szene wird Caroline von dem jungen Mann, der nicht ihr offizieller Freund ist, über die Schulter geworfen und zum Auto getragen. Beide erwachen am nächsten Morgen im Auto, und aus ihrem Dialog wird ersichtlich, dass sie miteinander geschlafen haben – obwohl Caroline zu dem Zeitpunkt nicht wusste, mit wem sie schläft.

Was heute als Date Rape Scene bekannt ist, wurde damals als normal erachtet. In den 80er wurde unter Vergewaltigung ein Akt verstanden, der durch einen Fremden in einer dunklen Gasse oder im abgeschiedenen Park forciert wurde, nicht etwas, das nach einem Abschlussball unter vermeintlichen „Freunden“ passiert. Der Missbrauch der Date Rape Scene aus Sixteen Candles wurde damals nicht als solcher verstanden, sondern als lustige Anekdote, die sich Jahre später auf dem Klassentreffen erzählt wird.

Ringwald selbst ist heute erschüttert

Was damals als normal betrachtet wurde, stößt heutzutage – zum Glück – einigen sauer auf. 2018 kam Molly Ringwald selbst im New Yorker zu Wort und schildert ihre Sicht zu den Filmen von John Hughes, in denen sie mitspielte. Ringwald selbst erklärt, dass ihr damals kaum bewusst war, wie unangebracht einige der Szenen waren – vor allem deshalb, weil sie zu der Zeit als normal betrachtet wurden. Erschreckend ist jedoch, dass Schauspielerin Haviland Morris, die Caroline verkörperte, Jahre später die Date Rape Scene nicht als grundlegend falsch betrachtet. Das dargestellte Mädchen hätte sich nicht bis ins Koma betrinken müssen. Auch hier ist zu erkennen, wie festgefahren die damaligen Ansichten noch heute in den Köpfen junger Menschen sind.

Ann-Kathrin studiert Deutsch und Anglistik im Master an der CAU. Da sie nicht auf Lehramt studiert, hielt sie es für klug, im Oktober 2017 Teil der ALBRECHT Redaktion zu werden. Von Februar 2018 bis Februar 2019 war sie Leiterin des Ressorts Gesellschaft und übernahm dann den Posten der stellvertretenden Chefredakteurin.

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