„Ich mach‘ das freiwillig!“

Kommentar: Freiwilliges Engagement ist nicht immer einfach

Eines der bekanntesten Ehrenämtern - die DLRG. Bild: Divablue // pixabay

Ehrenämter sind nicht nur eine tolle Sache für den Lebenslauf, sondern eine wichtige Stütze für die Gesellschaft. Dies zeigt sich bereits an unserer Uni: Fachschaften und Hochschulgruppen wären ohne freiwillige Helfer*innen ein Ding des Unmöglichen. Doch wie viele Studierende engagieren sich eigentlich ehrenamtlich und warum? Als wir uns auf dem Campus umgehört haben, hat sich herausgestellt, dass das auf weniger als ein Drittel der 60 Befragten zutrifft.

„Keine Zeit“ war die häufigste Antwort auf die Frage, warum sich jemand nicht freiwillig engagiert. Das ist sehr schade, denn wer sich für ein Ehrenamt entscheidet, macht meist völlig neue Erfahrungen, kommt mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt und erweitert den eigenen Horizont. Spaß ist eine der Hauptmotivationen für die ehrenamtlich arbeitenden Befragten. Von ihnen gaben beinahe alle an, dass sie es ihren Freund*innen weiterempfehlen würden, sich freiwillig zu engagieren. Schließlich tut der*diejenige nicht nur sich selbst, sondern auch der Gemeinde, dem Verein oder der Umwelt etwas Gutes. So zumindest wird das Ehrenamt gerne von anderen Menschen angepriesen.

Ehrenamt erfordert Zeit

Ehrenamt bedeutet für mich ein gesellschaftliches Engagement ohne Gegenleistung (mal abgesehen von dem einen oder anderen Bier auf der Weihnachtsfeier). Ich bin selbst ehrenamtlich aktiv und währenddessen sind mir dabei, neben den angesprochenen Zeitproblemen, noch weitere, zwischenmenschliche Schwierigkeiten aufgefallen. Sowohl im Verhalten von Ehrenamtler*innen als auch von denjenigen, die ehrenamtliche Arbeiten in Anspruch nehmen. Aussagen wie „Ich bin ehrenamtlich hier, ich mache das in meiner Freizeit“ klingen im ersten Moment sehr löblich. Da steht ein Mensch, der seine Freizeit lieber damit zubringt, anderen Leuten zu helfen und der Menschheit oder auch der Welt etwas Gutes zu tun, anstatt sie eigennützig zu verschwenden. Doch meiner bisherigen Erfahrung nach taucht diese Aussage nicht immer im Kontext der Freizeitgestaltung auf, sondern oft als aggressive Gegenreaktion auf eine Beschwerde. Natürlich, jede*r, der*die sich freiwillig engagiert, weiß, dass das manchmal durchaus anstrengend sein kann. Und nicht zu selten kommen Lob und Anerkennung zu kurz, geschweige denn irgendeine Form von Würdigung für die Arbeit, die geleistet wurde. Tatsächlich scheint es für viele Menschen selbstverständlich zu sein, dass es Fachschaften gibt, die sich für die Interessen der Studierenden einsetzen. Dass es immer Trainer*innen im Verein gibt oder dass der*die geneigte Leser*in den ALBRECHT in den Händen hält. Wenn es dann ein Mensch, der eben diese Arbeit in Anspruch nimmt, auch noch wagt, sich darüber zu beschweren, sind schnell Grenzen überschritten. Das wutschnaubende „Ich bin Ehrenamtler“ scheint dabei oft die greifbarste Reaktion zu sein, soll sie doch wenigstens für den einen Moment der*dem Meckernden die Sprache verschlagen und sie*ihn beschämen. Auf der anderen Seite wirkt es jedoch oft wie Machtmissbrauch.

Oft reicht ein kleines „Dankeschön“

Einer Person, die die von Ehrenamtlerinnen geleistete Arbeit in Anspruch nimmt, wird signalisiert, dass sie keinerlei Kritik äußern darf. Stattdessen muss diesen Wesen, halb Mensch, halb Engel, Dankbarkeit entgegengebracht werden, am besten noch Verehrung. Immerhin opfern sie ihre kostbare Freizeit, um der Menschheit zu Diensten zu sein. Dabei ist es unwichtig, ob die Kritik berechtigt ist.

Sollte es trotzdem jemand einmal wagen, Kritik verlauten zu lassen, wird dieser Jemand mit bereits schon erwähnter Aussage zum Verstummen gebracht. Denn was sagt dieser Satz anderes als „Ich bin besser als du. Deshalb hast du mir gar nichts zu sagen“?

Ehrenamtliche Tätigkeiten sind nicht immer einfach. Ebenso schwierig kann auch der Umgang mit Ehrenamtler*innen sein. Dennoch sollte dies für niemanden ein Hindernis darstellen, sich freiwillig zu engagieren und diese Dienste auch in Anspruch zu nehmen. Wichtig ist und bleibt ein freundlicher und respektvoller Umgang miteinander. Und hin und wieder ein kleines „Dankeschön“.

Autor*in

Merle ist seit Oktober 2017 beim ALBRECHT. Sie studiert Deutsch und Philosophie auf Fachergänzung.

Merle Lippmann
Über Merle Lippmann 11 Artikel
Merle ist seit Oktober 2017 beim ALBRECHT. Sie studiert Deutsch und Philosophie auf Fachergänzung.

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