Im Bienenstock der Ideen

In der alten Muthesius Kunsthochschule sei es „wie in einem Bienenstock, weil es hier so viel Aktivität gibt“, lacht Professor Corves. „Es ist wichtig, einen Ort für Initiativen zu haben, wo viele Leute mit unterschiedlichen Interessen zusammenkommen können“, meint er und betont: „alle Menschen sollten die Möglichkeit haben zu lernen, wie sie in dieser Welt etwas verbessern können“. Prof. Corves ist Initiator des Yooweedoo-Ideenwettbewerbs, bei dem Preise an Projekte zum Thema Nachhaltigkeit vergeben werden. Viele der Initiativen, die die Räume der Alten Mu nutzen, sind ehemalige Preisträger des Wettbewerbs. Eine kleine Auswahl der Projekte:

Kieler Honig ist das Projekt von vier Jungimkern, die sich unter diesem Namen zusammengeschlossen haben. Ihr Ziel ist dem weltweiten massiven Bienensterben mit einer lokalen und nachhaltigen Produktion entgegenzuwirken. Deshalb kann mithilfe eines QR-Codes auf dem Honigglas nachlesen werden, woher der Honig stammt. Angebaut wird der Honig, unter anderem, im Botanischen Garten und im Schrevenpark.

In der Werk Statt Konsum in der Alten Mu kann jeder vorbeikommen, um mit Unterstützung des Werkstattteams Möbel aus Holz zu reparieren oder seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, um etwas Eigenes zu bauen. Die Nutzung ist kostenlos, denn gebaut wird mit Holz, das gespendet wurde. Die 28-jährige Theresa vom Werkstattteam findet es gut, dass „Materialien, die andere Leute wegschmeißen, von anderen genutzt werden können“.

Auch Bierfans kommen in der Alten Mu auf ihre Kosten. Max und Florian, die Gründer von Lillebräu, des ersten Craft-Bier Kiels, geben hier regelmäßig Braukurse. Mit ihrem Kieler Bier wollen die beiden nicht nur eine lokale Biermarke etablieren, sondern auch durch den Vertrieb „in unabhängigen, eigentümergeführten Läden und Restaurants“ regionale Wirtschaftskreisläufe stärken, wie die beiden in ihrem Video zum Yooweedoo-Wettbewerb verkünden.

Die 26-jährige Friederike ist Mitbetreiberin des Fahrradkino-Kombinats in der Alten Mu. Mit der Kraft, die durch das Treten auf dem Fahrrad entsteht, wird Strom erzeugt. „Ungefähr sieben Fährräder braucht man für einen Film“ erklärt sie. Besonders Bewusstsein für den Stromverbrauch zu schaffen, ist ein Anliegen der Fahrradkino- Kombinat-Gruppe. Ohne einen kostengünstigen Raum, wie in der Alten Mu, wäre das wohl kaum möglich. Friederike jedenfalls fühlt sich hier wohl: „Man kann viele Sachen ausprobieren und viele Leute kennen lernen, die man sonst nie getroffen hätte. Es ist ein Ort der Begegnung.“

Im Glückslokal finden alle ihr Glück, die preiswert an schöne Klamotten kommen möchten. Bereits ab einem Betrag von drei Euro kann man Mitglied werden und sich dafür zu den Öffnungszeiten jedes Mal drei Teile aussuchen und kostenlos mitnehmen. An den regelmäßig stattfindenden Klamotten-Tauschparties können auch Nicht-Mitglieder teilnehmen. Nach dem Prinzip ‚tauschen statt wegwerfen‘, bringt jeder Teilnehmer Klamotten mit und nimmt dafür andere mit nach Hause. Auch bei Geschenkaktionen sind Mitglieder und Nichtmitglieder eingeladen sich etwas auszusuchen.

Kieler Tretwerk ist ein Projekt von vier Studierenden, die an der CAU den Sustainability-Master absolvieren. Ihr Lastenradverleih bildet eine Alternative zu herkömmlichen Transportmöglichkeiten. „Viele Leute haben kein Auto. Wenn dann mal größere Einkäufe anfallen oder wenn man Möbel transportieren muss“ seien Lastenräder praktisch, erklärt Raphael einer der Mitbegründer. Wer sich online registriert hat, kann die Lastenräder an der Radstation in der Stadt oder beim Studentenwerk auf Spendenbasis ausleihen.

Auch die Organisatoren von Kulturgrenzenlos, dem Tandemprojekt zwischen Studierenden und Geflüchteten in Kiel freut, dass sie die Gemeinschaftsräume in der Alten Mu nutzen können. Alle zwei Wochen findet ein Freizeitaustausch zwischen jeweils zwei Studierenden und zwei Flüchtlingen statt. Die Idee ist den Studierenden nach einem Gespräch mit Flüchtlingen gekommen. „Sie haben gesagt, dass der Kontakt zu Deutschen fehlt“, erzählt die 25-jährige Lea, die sich dort engagiert.

Noch ist die Zukunft der Alten Mu ungewiss. Denn die Nutzungsverträge sind zeitlich begrenzt. Um die Stadt Kiel zu überzeugen, dass sie bleiben können, haben sich die verschiedenen Initiativen zusammengeschlossen. „Wir entwickeln gerade ein Konzept, was hieraus entstehen könnte. Gut denkbar wäre eine Mischnutzung: arbeiten, wohnen, kreativ sein“, meint Robin, einer der Hauptaktiven der Alten Mu.

Mehr Informationen zu Veranstaltungen in der Alten Mu findet ihr auf: www.facebook.com/AlteMu

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Mirjam ist seit 2013 Redakteurin des Albrechts.

Mirjam Michel
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