IRRATIONAL MAN – Filmkritik

Irrational Man ist ein typischer, aber kein klassischer Woody Allen Film. Die Geschichte handelt vom Philosophie Professor Abe (Joaquin Phoenix), der an eine neue Uni berufen wird. Sein Ruf eilt ihm voraus, Kollegen und besonders die Studentinnen, darunter ebenso Jill (Emma Stone), übertreffen sich in ihren mythischen Erzählungen über den neuen Professor. Dann kommt es, wie es kommen musste: Jills Bewunderung schlägt in Zuneigung um. Sie ist nicht die einzige, denn Abes Kollegin Kate (Parker Posey) aus dem naturwissenschaftlichen Department ist dem träumerischen, hilfsbedürftigen Philosophie Professor, mit der Vorliebe für Whisky und russischen Existenzialismus ebenso verfallen. Auf tiefgründige philosophische Dialoge verzichtet der Film jedoch ganz bewusst. Stattdessen wird oberflächig mit berühmten Namen und Zitaten um sich geworfen. Abe selbst nennt es beim Namen: „So much of philosophy is just verbal masturbation.“ Er spiegelt nicht die klassische Woody Allen Figur wider, sondern seinen Antagonisten, die die in Annie Hall in der Warteschlage vorm Kino lauthals ihre Filmtheorie erzählt oder ungefragt Gemälde von Picasso in Midnight in Paris interpretiert. Abe wollte etwas Bedeutendes schaffen, doch er wurde ein „passive intellectual who can’t fuck“. Bis er eines Tages ein Gespräch mithört, welches sein Leben verändert.

Abe stellt eine Kompilation aus früheren Woody Allen Figuren dar. Seine Wirkung auf Frauen ähnelt der Juan Antonios (Javier Bardem) in Vicky Christina Barcelona, jedoch mit der melancholisch, neurotischen Ader eines Boris (Larry David) oder Alvy Singer (Woody Allen) aus Whatever works oder Annie Hall, der Verklärtheit von Gil (Owen Wilson) in Midnight in Paris und dem Talent eines Allan aus Play It Again, Sam (zu dem Allen nur das Drehbuch geschrieben hat). Diese Allen-typischen Eigenschaften kombiniert mit dem wundervoll komisch spielenden Joaquin Phoenix, wie wir ihn bereits als Figur des Doc in Paul Thomas Andersons Inherent Vice sehen konnten, macht Irrational Man äußerst sehenswert.

Neben einer neurotischen Hauptfigur darf in einem Allen-Film selbstverständlich nicht der junge, attraktive, weibliche Konterpart fehlen, der, wie im letzten Werk (Magic in the Moonlight), von Emma Stone gespielt wird. Außerdem ein Soundtrack, der eine tolle Auswahl an Jazz, Soul, Pop und Klassik Stücken in sich vereint.


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Quelle: Warner Bros. GmbH

FAZIT

Irrational Man ist nicht Allens bester Film, aber auch nicht der schlechteste. Das Zusammenspiel von etablierten und neuen Ideen, machen den Film nicht nur für Fans von Woody Allen sehenswert. Wer schwarzen Humor oder Woody Allen per se mag, dem wird Irrational Man gefallen.


WERTUNG: 6,5 Kinokatzenpunkte


 

Irrational Man
Woody Allen, USA 2015, 95 min., Cast: Joaquin Phoenix, Emma Stone

Zu sehen im Studio Filmtheater am Dreiecksplatz

 

Autor*in

Marc studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Kiel. Für den ALBRECHT schreibt er seit 2015 insbesondere für das Kulturressort und dessen Filmsparte KinoKatze.

Marc Asmuß
Über Marc Asmuß 44 Artikel
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