Jeder kann etwas machen

Es ist jedes Mal erschreckend, wenn in den Nachrichten neue Berichte darüber gezeigt werden, wie viele Menschen wieder auf ihrer Flucht über das Mittelmeer gestorben sind. Doch wir einfachen Bürger sind machtlos, wir können uns nur darüber ärgern, dass die Politiker auch nichts tun, obwohl sie es könnten. So denken wahrscheinlich viele, womöglich die meisten. Doch Lena Waldhoff (23 Jahre), die in Berlin Philosophie und Erziehungswissenschaften studiert und Jakob Schoen (19 Jahre), der 2015 sein Abitur machte, denken nicht so. Nach den großen Katastrophen auf dem Mittelmeer im Frühjahr 2015, bei denen erneut viele Menschen starben, wollte Jakob, zutiefst verärgert von der Untätigkeit der Regierung, nicht mehr nur zusehen, er wollte selbst etwas machen. So kam es zu der Idee, selbst ein Schiff zu erwerben und damit Flüchtende auf dem Mittelmeer zu retten. Gemeinsam mit Lena gründete er aus dieser Idee heraus die Organisation Jugend Rettet und stellte dafür seine Studienpläne zurück. Bis zum Sommer 2015 erarbeiteten sie ein konkretes Konzept für die Aktion, die es zum Ziel hat, private Seenotrettung auf dem Mittelmeer zu betreiben. Daraufhin suchten sie sich andere Freiwillige und bildeten in Berlin ein Kernteam aus zwölf jungen Erwachsenen und begannen, mit ihnen ein Botschafternetzwerk in Deutschland aufzubauen. Dieses Netzwerk soll dazu dienen, andere Menschen auf die Aktion und das Problem des Massensterbens auf dem Mittelmeer aufmerksam zu machen. Das Netzwerk vergrößerte sich schnell und so gibt es nun bereits in 17 Städten in Deutschland und sogar schon in Paris Botschafter. Die Aufgabe der Botschafter ist es, im Rahmen von offenen Treffen auf die Aktion aufmerksam zu machen und weitere Mitstreiter zu mobilisieren. Die Gruppen, die daraus entstehen, organisieren dann Spendenaktionen, Informationsveranstaltungen und Diskussionsrunden in ihrer Stadt. So konnten sogar schon prominente Gesichter wie die Schauspielerinnen Jasmin Gerat und Maria Furtwängler für die Organisation gewonnen werden.
Da die Mitglieder von Jugend Rettet keine erfahrenen Seeleute sind, nahmen sie Kontakt zu Reedereien auf, um Berater zu finden und mehr darüber zu erfahren, wie das Schiff für ihre Zwecke beschaffen sein muss. Dabei kamen sie unter anderem in Kontakt mit Harald Zindler, Mitbegründer von Greenpeace Deutschland, der inzwischen zu einem festen Berater der Organisation geworden ist. Dieser Kontakt war ein echter Glücksfang, da Harald Zindler ihnen Kontakte geben konnte, über die bereits die fachmännische Crew (Kapitän, Maschinist, Funker, Mediziner u.a.) für die Rettungseinsätze gebildet werden konnte. Nach reichlichen Beratungen und Informationen wurde sich im Juli 2015 für einen holländischen Fischtrawler (Fassungsvermögen 80-100 Personen; Länge ca. 30 Meter) als geeignetes Schiff für ihre Aktion entschieden. Die Finanzierung des Schiffes und anderer Kosten für die Organisation erfolgen ausschließlich über Spenden, die bis Dezember 2015 vor allem von Privatleuten kamen. Über Crowdfunding sollen in der Zukunft auch größere Unternehmen als Spender gewonnen werden, sodass bis Mitte Februar die Finanzierung des Schiffes geregelt sein soll und damit begonnen werden kann, das Schiff für ihre Zwecke aufzurüsten. Für die Anschaffung des Schiffes und die Aufrüstung werden jeweils 270.000 und 240.000 Euro benötigt. Daher ist es sehr wichtig, das Projekt bekannt zu machen und so viele Spender wie möglich zu mobilisieren. Ab April 2016 sollen dann auch die Kosten für die halbjährlich geplante Rettungsaktion, die im Sommer beginnen soll, über Spenden gesammelt werden. Lena und Jakob planen auch, bei einer Rettungsaktion auf dem Mittelmeer dabei zu sein. Dafür wird es im Voraus ein spezielles Training für diejenigen geben, die es sich zutrauen, direkt auf dem Mittelmeer aktiv zu sein. Doch die private Seenotrettung auf dem Mittelmeer ist nicht das Ziel allein. Die beiden jungen Erwachsenen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Regierung dazu zu bringen, sich der Seenotrettung anzunehmen und etwas gegen das Massensterben zu unternehmen. In Zukunft ist geplant, dass die halbjährliche Rettungsaktion im kommenden Sommer durchgeführt werden soll. Danach soll je nach der aktuellen Situation entschieden werden. Wenn die Regierung sich bis dahin nicht der Sache angenommen hat, wollen sie mit ihrer Organisation weiter im Einsatz bleiben.
Wer sich dieser Organisation anschließen möchte, ist herzlich willkommen. Über die Internetseite www.jugendrettet.org könnt ihr euch weiter über die Organisation und über den aktuellen Stand informieren. Eine andere Möglichkeit ist es, direkt mit Matthis, dem Botschafter hier in Kiel (matthis@jugendrettet.org) oder mit Lena (lena@jugendrettet.org) Kontakt aufzunehmen.

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Judith Rödger
Über Judith Rödger 21 Artikel
Judith ist seit April 2015 beim ALBRECHT. Sie studiert Deutsch und Geschichte auf Fachergänzung seit dem Wintersemester 2013/14. Sie leitet das Lektorat des ALBRECHTS.

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