Kaltes Klima im Vorfeld der Olympischen Winterspiele

Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Russland steht in letzter Zeit vor allem wegen seines Umgangs mit der regierungskritischen Opposition und Nichtregierungsorganisationen in der Kritik. So wurden zum Beispiel 2012 die Sängerinnen der Punk-Rock-Band Pussy Riot nach einer Protestaktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale wegen „Rowdytums“ zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Erst kürzlich machte zudem der Fall des festgesetzten Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise Furore und sorgte für diplomatische Spannungen. Hinzu kommt die problematische Situation von Minderheiten, die in westlichen Medien immer wieder thematisiert wird. So sorgt ein Gesetz gegen „homosexuelle Propaganda“, welches das öffentliche Thematisieren von Homosexualität verbietet, nach wie vor weltweit für Empörung. Im Oktober berichtete die ZEIT von einem russischen Homosexuellen, dem aufgrund seiner Homosexualität in Deutschland Asyl bewilligt wurde. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland kühlen zunehmend ab und das Verständnis für politische Entscheidungen aus Russland schwindet hierzulande zunehmend.

Nun stehen in weniger als drei Monaten die Spiele in Sotschi bevor. In der Vergangenheit wurden politische Großereignisse häufig als zu unpolitisch kritisiert. Die Organisatoren, aber auch die politischen Amtsträger, vermeiden hier meist provokante politische Statements, mit dem Verweis es ginge ja vordergründig um Sport. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich, nachdem die scheidende Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) im August im SPIEGEL erwog aus Protest dem Event fern zu bleiben, selbst gegen einen Boykott aus.

Wie SPIEGEL-ONLINE am Sonntag letzter Woche nun bekannt gab, wird der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nicht zu den Olympischen Winterspielen nach Russland reisen und die deutschen Olympia-Teilnehmer stattdessen nach den Spielen in München empfangen. Über diese Entscheidung aus dem Bundespräsidialamt ist eine öffentliche Debatte entbrannt. Der deutsche Diskuswerfer und Olympiasieger Robert Harting sowie Politiker aus SPD und CDU kritisierten die Entscheidung, wie die Süddeutsche Zeitung am selben Tag online berichtete. Bundespräsident Gauck hat Russland bisher noch keinen offiziellen Besuch abgestattet und bereits mehrmals die Menschenrechtslage vor Ort kritisiert.

Am Dienstag letzter Woche wurde nun auch bekannt, dass die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Justiz-Kommissarin Viviane Reding ebenfalls nicht zu den Winterspielen reisen werde. Über Twitter begründete sie ihre Entscheidung mit den Worten: „Ich werde sicher nicht nach Sotschi fahren, solange Minderheiten auf diese Weise von der derzeitigen russischen Regierung behandelt werden“. Auch der französische Außenminister Laurent Fabius gab mittlerweile bekannt, dass die gesamte französische Regierung und somit auch Präsident François Hollande nicht zu den Winterspielen reisen werde, berichtete die FAZ diesen Montag. In der offiziellen Delegation der USA werden zudem, zwei offen homosexuelle Sportlerinnen nach Sotschi reisen, wie am Mittwoch die WELT berichtete.

Auf einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch, sprach sich die weltweit größte Menschenrechtsorganisation allerdings gegen einen Boykott aus. „Wir wollen, dass diejenigen die nach Sotschi reisen, Menschenrechte im Gepäck haben und sie dort auch auspacken“, teilte Imke Dierßen von Amnesty International mit.

Mittlerweile wurde auch bekannt, dass ARD und ZDF bei diesen Winterspielen mehr übertragen werden als je zuvor. Etwa 740 Stunden Sport sollen vor allem online ausgestrahlt werden. Ganze 240 Stunden werden live im Fernsehprogramm gezeigt. Für die Zahlenden des Rundfunkbeitrages wird ein Boykott also nicht möglich sein. ARD und ZDF werden für die Übertragung pro Sender knapp zehn Millionen Euro ausgeben, wie es in einem Beitrag des Handelsblattes heißt.

Es wird wohl bis zu den Spielen spannend und vor allem angespannt bleiben. Wer die Gewinner der Winterspiele sein werden, bleibt abzuwarten.

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Über Felix Rudroff 15 Artikel
Felix studiert Politikwissenschaft und Soziologie und war 2012 bis 2014 Redakteur des Albrechts. Er setzte sich vor allem mit gesellschaftlichen Themen auseinander.

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