PATERSON – Kurzkritik

Jim Jarmuschs Paterson ist der ideale Film, um einen düsteren, kalten Herbst- oder Wintertag wieder erstrahlen zu lassen. In seinem neuen Werk zeigt der Regisseur und Drehbuchautor (Only Lovers Left Alive, Coffee and Cigarettes, Dead Man) einen Mikrokosmos, einen Schuhkarton sozusagen, in dem der Busfahrer Paterson (Adam Driver) aus der Stadt Paterson, New Jersey, lebt. Jeden Tag führt er seinen routinierten Tagesablauf durch: seine Partnerin Laura (Golshifteh Farahani) im Bett neben sich liebevoll begrüßen, Frühstücken, Gedichte in sein Notizbuch schreiben, die Buslinie 23 fahren, mit dem Hund Marvin rausgehen und so weiter. Durch diese Eliminierung von globalen Ereignissen auf den Protagonisten sowie seine Abneigung gegenüber Wecker, Computer und Mobiltelefon findet eine unbewusste Entschleunigung statt, obwohl der Film vielfach auf das Motiv der Zeit verweist. Das mag erst einmal langweilig klingen, doch Paterson sieht und hört die Schönheit, die Poesie der kleinen Dinge und des Alltags, die um ihn herum geschehen. Wie zum Beispiel in seiner Lieblings Streichholzmarke Ohio Blue Tip Matches oder in einer, für Jarmusch typischen, Unterhaltung zweier Fahrgäste, die Paterson im Bus mithört. Während die Grenzen in schönen Postkartenmotiven zwischen der Figur, der Stadt und dem Film Paterson verschwimmen, vergeht die Spielzeit von knapp zwei Stunden völlig unmerklich.

8 von 10 Kinokatzenpunkte


Bildquelle Titelbild: Weltkino

Autor*in

Marc studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Kiel. Für den ALBRECHT schreibt er seit 2015 insbesondere für das Kulturressort und dessen Filmsparte KinoKatze.

Marc Asmuß
Über Marc Asmuß 44 Artikel
Marc studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Kiel. Für den ALBRECHT schreibt er seit 2015 insbesondere für das Kulturressort und dessen Filmsparte KinoKatze.

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