Lehren und Lernen auf dem Campus

Ein großes Karree strahlt einem beim Eintreten als Erstes entgegen. Es sind selbst aufgenommene Bilder aus dem allgemeinen Arbeitsalltag einiger Universitätsmitarbeiter, die im Erdgeschoss des Uni- Hochhauses ausgestellt sind. Eine große Tabelle prangt daneben. Die Fotos gehören zur Ausstellung Diskurs auf dem Campus – Lehren und Lernen, die den ganzen November über auf dem Campus zu besichtigen war. Sie demonstrieren den Aspekt der Unterschiedlichkeit, der Individualität. Die eigene Auffassung des Lehrens. Keines der Bilder ähnelt sich, wo doch die meisten davon ein Büro darstellen.

Im Rest des Uni- Hochhauses herrscht reges Getümmel. Die Eröffnungsausstellung erfährt hohe Resonanz. Studierende der Pädagogik, die die Ausstellung ans Herz gelegt bekommen haben und auch Neugierige anderer Fachrichtungen treiben sich zwischen den einzelnen Ausstellungsteilen im ganzen Gebäude herum. In der Hoffnung auf einen Ansprechpartner zu treffen, der mir erklärt worum es geht, erwidert mir Frau Prof. Heidrun Allert, Initiatorin und Leiterin des Projektes, nur kurz „Probieren sie es doch einfach mal selbst“ und schon stehe ich am ECTS-Ausgabeschalter. Vor mir zwei Pädagogikstudentinnen, die genauso verwirrt aussehen wie ich selbst. Das Projekt der ECTS- Ausgabestelle bildet das Herzstück der Eröffnung. Hier wird man gebeten, vielmehr ermutigt, ein Formblatt, mit seiner Matrikelnummer versehen, auszufüllen und einen individuellen Antrag zu stellen, der das eigene Engagement verlangt. Dieser wird dann ganz förmlich eingereicht und nach einer persönlichen Begründung am Schalter angenommen oder abgelehnt. War man erfolgreich, erhält man Plastikbälle in verschiedenen Farben. Gekennzeichnet und mit Punkten markiert. Doch es sind keine gewöhnlichen Leistungspunkte, die man hier erhält. Die hier ausgeteilten ECTS-Punkte gehen auf das Empowering Creative Transformation System zurück, das speziell für die Ausstellung ausgewählt wurde. Die Absicht hinter dieser Idee? Die eigene Sicht erweitern. Wie ist es zu erfahren, einmal nach persönlichen Interessen gefragt zu werden? Die Auswahl der dafür zu erhaltenen Punkte ist selbst zu wählen. Ist das die Lehre von morgen? Die zwei Studentinnen zumindest sind von diesem Projekt überzeugt. Es sei eine gute Sache, die es wert sei dafür hart zu arbeiten, so Stefanie und Caro. Ich selbst stehe mit meinen Bällen in der Hand dann nun doch auch sehr stolz mitten im Raum und frage mich bereits, wie ich am besten gleich anfangen kann.

Thomas Duschlbauer bei seiner performativen Skulptur im Audimax. Foto: Prof. Dr. rer. nat. Heidrun Allert
Thomas Duschlbauer bei seiner performativen Skulptur im Audimax. Foto: Prof. Dr. rer. nat. Heidrun Allert

„Wir haben es in der Hochschule mit verschiedenen Perspektiven, Visionen, Werten, Ansprüchen und Erwartungen zu tun“, so Frau Prof. Allert. Lehre sei permanent im Gespräch, doch man traue sich nicht neue Perspektiven aufzuzeigen, sie anzusprechen. Dabei sei es von so großer Wichtigkeit Neues zu betrachten und unterschiedliche Perspektiven miteinzubeziehen. „Die Hochschulleitung macht damit deutlich, dass es gewollt und erlaubt ist, offen nachzudenken, Positionen zu beziehen und zu verändern.“ Das Projekt Diskurs auf dem Campus – Lehren und Lernen sollte so einen konstruktiven Diskurs unterstützen, der auch über die universitäre Lehre hinaus ragt. Es geht um eigene Fragen und Erwartungen an die Lehre von heute, die zur Diskussion anregen sollen. Jedoch ist auch die Lehre von morgen nicht uninteressant. So findet sich ein weiterer Teil der Ausstellung in einem Zeitkapsel-Projekt, das zusammen mit Studierenden und Professoren initiiert wird. Gesammelte Werke, abstrakt wie auch begrifflich, werden im nächsten Jahr zusammengepackt, in einer Kapsel vermutlich unter dem Audimax vergraben und erst wieder im Jahr 2043 hervorgeholt. Vereint mit der persönlichen Erklärung des Einzelnen verschwinden dann zum Beispiel eine Gießkanne, eine Platine oder ein Antrag auf Ausbildungsförderung, um in 30 Jahren eine gelungene Reflektion zuzulassen. Was ist erhalten geblieben? Was hat sich verändert?

Einem umfangreichen Einblick in die alltägliche Arbeit und die Lehre der heutigen Zeit stand mit dieser Ausstellung also nichts im Wege. Im Gegenteil. Nun hatte man endlich einmal die Möglichkeit neue Erfahrungen zu sammeln und sich konstruktiv mit dem Thema Lehre auseinander zusetzen. Das gesamte Projekt hinterlässt einen bleibenden Eindruck, persönlich, wie auch gesellschaftlich. Eine nette Abwechslung zum Uni-Lehrplan-Übel und zugleich einfach, anschaulich und zum Anfassen nah. Ein rundum gelungenes Projekt.

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Über Miriam Doka 0 Artikel
Miriam ist 24 Jahre alt und studiert Skandinavistik und friesische Philologie an der Uni Kiel. Seit Herbst 2012 ist sie Teil der Redaktion. Sie singt, schreibt und lektoriert am liebsten.

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