Lila auf dem Weg zu Grün: Die CAU wird klimaneutral

Forschung und Lehre benötigen viel Energie und produzieren eine Menge Abfall. Die Kieler Universität setzt mit dem Klimaschutzkonzept klik auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Bis 2030 soll die CO2-Bilanz der CAU schwarze Zahlen schreiben.

Willkommen im Web! Das Internet ist längst selbstverständlich geworden – wir checken auf dem Weg zur Arbeit schnell unsere Nachrichten, recherchieren in einer Vorlesung kurzerhand das unbekannte Wort oder vergleichen die Einkaufsliste noch einmal mit dem Kochrezept für heute Abend. In Deutschland sind ca. 160 Millionen Geräte mit dem Internet verbunden – das sind ca. zwei Geräte pro Einwohner. Online sein hat so viele Vorteile, dass wir die Nachteile schnell übersehen: Der hohe Stromverbrauch kostet nicht nur viel, sondern belastet auch die Umwelt. In den letzten zwanzig Jahren stieg der deutsche Verbrauch um fast 20 Prozent. Die deutschen Rechenzentren befinden sich heute umgerechnet im CO2-Emissionsausstoß auf der Höhe des deutschen Flugverkehrs. Auch an der CAU zeichnen sich Spitzenstromwerte ab: Hier stieg der Verbrauch innerhalb von zehn Jahren um 30 Prozent. Der enorme Anstieg veranlasste die Universitätsleitung sich intensiver mit dem Thema Ressourcen- und Umweltschutz auseinanderzusetzen. Dies war vor allem aus finanziellen Gründen unumgänglich, wie Frank Eisoldt, der Kanzler und zentrale Umweltmanagementbeauftragte der CAU, im letzten Jahr erläuterte: „Jedes Jahr müssen wir aus unserem zentralen Haushalt eine halbe Millionen Euro mehr zahlen, weil der Verbrauch gestiegen oder die Energie teurer geworden ist. Diese Entwicklung können wir uns auf Dauer nicht mehr leisten. Wir müssen gegensteuern.“ Wenn wir nicht aufpassen, dann steigen die Zahlen weiter ins Unermessliche und wir beschleunigen mit unserer IT-Welt die globale Erwärmung.

Die Expertinnen und Experten beim Energieforum 2014 – Quelle: klik
Die Expertinnen und Experten beim Energieforum 2014 – Quelle: klik


Die CAU als Vorbild für Umweltschutz

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist bekannt für zahlreiche studentische Umweltbewegungen. Seit 2010 gibt es den internen Arbeitskreis Umweltmanagement. Unter der Leitung von Herrn Dr. Norbert Kopytziok registrierte sich die Universität bei dem europäischen Umweltgemeinschaftssystem EMAS. EMAS ist die Kurzform für Eco-Management and Audit Scheme. Das Konzept wurde 1993 von der EU entwickelt und richtet sich an Institutionen aller Branchen. Mithilfe der internationalen Umweltmanagementnorm (ISO 14001) werden die registrierten Unternehmen jedes Jahr auf ihre Umweltleistungen, wie Energieeffizienz, Emissionen, Abwasser und Abfall, überwacht und überprüft. Regelmäßige Umweltkonzepte und aufgestellte Ziele helfen dabei, das Umweltmanagement kontinuierlich zu optimieren und zu verbessern. Neben der Christian-Albrechts-Universität sind acht weitere Universitäten und elf Fachhochschulen in Deutschland registriert, u.a. auch die Leuphana Universität Lüneburg, Universität Bremen, Hochschule Harz und die Hochschule für angewandte Wissenschaften aus Landshut. Insgesamt sind über 1200 deutsche Unternehmen bei EMAS eingetragen. Die Universität Kiel bekam das erste Umweltzertifikat im Jahre 2012 überreicht. Seither wird jedes Jahr ein eigenes Umweltprogramm mit konkreten Maßnahmen zur Verbesserung des Klimaschutzes erstellt. Seit 2012 gibt es das Kieler Klimaschutzkonzept (klik) und das Ziel ist eindeutig: Die Christian-Albrecht-Universität soll bis 2030 klimaneutral werden. ‚Klimaneutral‘ bedeutet, die durch den Eigenbetrieb verursachten klimaschädlichen Emissionen auf ein Minimum zu reduzieren und für unvermeidbare Emissionen einen Ausgleich zu schaffen. Die Zielsetzung klingt hoch – ist aber keineswegs unerreichbar. Die Leuphana Universität Lüneburg hat es bereits vorgemacht: Im Jahre 2014 wurde sie zur ersten klimaneutralen Universität Deutschlands gekürt. Die CAU und weitere Universitäten ziehen nach. Mit zahlreichen Umweltprojekten ist Kiel auf einem sehr guten Weg: Derzeitig wird hier der größte Energieverbraucher modernisiert. Bereits im August 2015 bekam das Rechenzentrum ein neues Kühlungssystem und zusammen mit den aktuellen Umbauarbeiten an der Lüftungsanlage werden Energieeinsparungen von 50 bis 70 Prozent erwartet. Spätestens 2017 soll ein Blockheizkraftwerk für eine umweltfreundliche Stromversorgung sorgen – auch hierdurch werden rund 5.000 Tonnen CO2 eingespart. Insgesamt investiert das Land Schleswig-Holstein in die Sanierung der Kieler Universität 165 Millionen Euro. Doch die ehrgeizigen Ziele, wie Reduktion des Energiebedarfs, Umstieg auf erneuerbare Energien und Kompensation der Emission, kann man nicht ausschließlich mit Geld erreichen – alle Studierenden und Mitarbeitenden müssen an einem Strang ziehen. Hierzu gehört ebenfalls das Licht einmal öfter auszuknipsen, mit dem Rad zur Uni fahren und das Fenster bei Heizungsbetrieb geschlossen zu halten. Hast Du weitere Ideen, um Deinen Campus umweltfreundlicher zu machen? Dann schreib eine E-Mail an energieberatung@uv.uni-kiel.de oder lege einen Zettel in den klik-Briefkasten in der Mensa 1. Mit wachsamen Augen und neuen Ideen wird der lila Campus grün!

Das klik-Team lädt zum Klimaforum ein!

Am Mittwoch, den 18. November 2015 lädt das Kieler Umweltmanagement zum diesjährigen Energieforum ein. Unter dem Motto „ENERGIEBEWUSST“ stellen sich Expertinnen und Experten die Frage: „Was ist nachhaltiges Engagement für den Klimaschutz?“ Start ist um 19:00 Uhr im Audimax (Hörsaal H). Das Energieforum ist wie immer kostenlos und richtet sich an alle Interessierten! Folgende Gäste werden empfangen: Herr Prof. Dr. Mojib Latif (Klimaforscher Geomar, CAU), Frau Katharina Beyerl (Institute for Advanced Substainability Studies, Potsdam), Herr Dr. Robert Habeck (Energiewendeminister des Landes Schleswig-Holstein), Herr Frank Eisoldt (Kanzler und Zentraler Umweltmanagmentbeauftragter, CAU). Nähere Infos auf der Homepage: http://www.klik.uni-kiel.de/de/energieforum-2015.

Ankuendigung-A5-2014

 

 

Fenja Wiechel-Kramüller
Über Fenja Wiechel-Kramüller 10 Artikel
Fenja ist 22 Jahre alt und studiert Germanistik und Philosophie in Kiel. Sie schreibt seit November 2015 für den Albrecht.

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