Lost in CAU

Kommentar: Über die Grenzen der universitären Infrastruktur

Bild: Daoudi Aissa // Unsplash

Eines kalten Wintertages ergab es sich, dass die äußerst verfrorene Autorin dieses Textes auf dem Campus der CAU verloren ging. Es kam nicht plötzlich, sondern, um ehrlich zu sein, mit Ankündigung und hatte in mancherlei Hinsicht mit Planlosigkeit, den Standards der alten Bachelor-Uni und einem guten Schuss Naivität zu tun.

Es war ein Freitag und damit sicherlich der unglücklichste Tag der Woche, um die CAU als Zufluchtsort auszuwählen. Nach einer Reihe verschiedener Termine lief ich also über den verregneten oberen Campus auf der Suche nach einem Kaffee, einer Steckdose und einem Dach über dem Kopf bis zu meinem nächsten Termin um 18:30 Uhr. Nach einigen Mühen sollte ich zwei von drei Dingen bekommen – immerhin. Als Philosophie-Studentin bin ich üblicherweise eher am unteren Campus unterwegs. Dort kenne ich den richtigen Ort für abendliche Uniaufenthalte mit Zugang zu Kaffee und Stromnetz – das Café der UB.

Am oberen Campus bin ich hingegen seltener unterwegs. Trotzdem ging ich wie selbstverständlich – naiv – davon aus, dass es kein Problem sein dürfte, bis 18 Uhr irgendwo am oberen Campus einen Kaffee zu trinken und an der Masterarbeit zu werkeln. Über die Öffnungszeiten der Mensa und angrenzender Gebäude mit Aufenthaltsmöglichkeiten wie dem Audimax hatte ich mich deshalb nicht nochmal informiert – planlos.

17 Uhr – Kaffee in Sicht, Steckdose gesucht

Der Kaffee war um 17 Uhr noch kein Problem, das Café in der Mensa 1 versorgte mich mit dem nötigen Koffein für das anstehende Date mit meiner Masterarbeit. Da mein Laptop aber ohne direkte Stromzufuhr leider nicht mehr zu gebrauchen ist, benötigte ich auch noch eine Steckdose. Wer aber denkt, dass die Versorgung mit Steckdosen an Aufenthaltsorten der Uni irgendwie zu einer modernen Infrastruktur gehört, wird von der CAU eines Besseren belehrt. In der Mensa 1, dem beliebtesten Aufenthaltsort für Studierende am oberen Campus, gestaltet sich die Suche nach Steckdosen in der Reichweite von Tischen wie eine Ostereiersuche. Den Kaffee schon in der Hand, pirschte ich also durch die Mensa auf den Spuren der seltenen Stromquellen. Zu finden sind sie in manchen der rechteckigen Klötze am Rand der Mensa. Insgesamt sind es vielleicht eine Hand voll und die sind natürlich heiß begehrt. An geschäftigen Tagen bringt die erfahrenen CAU-Studierenden deshalb ein Verlängerungskabel mit Mehrfachstecker mit. Dann hocken Gruppen von Studierenden um mitgebrachte Steckerleisten herum und versorgen so ganze PC-Pools mit Strom.

Besagter Freitag war zu meinem Glück kein geschäftiger Tag und so fand ich tatsächlich einen Tisch in der richtigen Distanz zur Steckdose. Für meinen Tag wäre dies ein schönes Happy End gewesen, hätte um 17:25 Uhr nur nicht der wahrscheinlich netteste Rausschmeißer der Welt hinter mir gestanden.

17:30 Uhr – die CAU macht Feierabend

Denn es war 17:30 Uhr und die CAU schloss ihre Pforten. Feierabend! Nicht nur ich schaute mich ungläubig um und fragte mich, wie das denn bitte sein kann. Als wäre das Studium ein Job mit einer 40 Stunden Woche, geregelten Arbeitszeiten und ganz bestimmt keiner Wochenendarbeit. Der Alltag von Studierenden sieht meiner Wahrnehmung nach aber häufig doch ganz anders aus. Wir können an jedem Tag der Woche studieren – morgens, mittags, abends, nachts – wir sind flexibel, denn das zeichnet Studieren aus. Für viele von uns ist Studieren auch noch so viel mehr als das Sammeln von Wissen. Mit dem Engagement in verschiedenen Hochschulgruppen, in der Hochschulpolitik oder im Hochschulsport sind Studierende häufig noch über die Verpflichtungen ihres Studiums an der Uni aktiv und das eben gerade abends oder am Wochenende. Exzellenz-Universität? Vielleicht in der Forschung, aber sicherlich nicht in Sachen Infrastruktur. Was die CAU ihren Studierenden bietet, ist in dieser Hinsicht, wenn überhaupt, nur das Nötigste. Ich mag ja von meiner bayerischen Bachelor-Uni verwöhnt sein: Wenn dort die Mensa unter der Woche von 7:45 bis 20 Uhr Studierende und Mitarbeiter*innen mit Essen, Kaffee und einem Platz zum Verweilen versorgt, fällt es schwer, in der Realität der CAU anzukommen. Jetzt kurz vor dem Abschluss meines Masterstudiums habe ich es offensichtlich immer noch nicht geschafft. Und ganz ehrlich: Ich möchte mich damit auch gar nicht zufrieden geben. Es ginge noch so viel besser, CAU.

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Über Hochschulpolitik und Campuskultur schreibt Nadine am liebsten und seit dem Wintersemester 17/18 auch für den Albrecht. Für den Master Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt ist sie nach Kiel gekommen und genießt seit dem die Nähe zum Meer.

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Über Nadine Pelkmann 8 Artikel
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