Märchenhafter Gesang

Rusalkas sehnsuchtsvoller Blick wendet sich in die Höhe zum Licht. Wie aus dem Nichts erscheint ein gut gekleideter, stattlicher Mann mit Gewehr in der Hand. Ihre Blicke, ihre Lippen und ihre Herzen treffen sich. Die Nixe Rusalka und der Prinz haben sich verliebt.

Die tschechische Oper „Rusalka“ erzählt die Geschichte der kleinen Meerjungfau, wie sie unter anderem in der Fassung von Hans Christian Andersen bekannt ist. Antonín Dvorřáks bekannteste Oper ist momentan, in tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln, im Kieler Opernhaus zu sehen. Die Inszenierung von Roman Hovenbitzer beleuchtet vor allem den Konflikt zwischen der traditionellen und der modernen Welt. Oberflächlichkeit, Lüsternheit, Verführung und Intrigen prägen die überspitzt dargestellte Menschenwelt.

Das Publikum zeigt sich auf der einen Seite hingerissen von der träumerischen Rusalka und ihrer verzweifelten Suche nach Liebe, auf der anderen Seite entrüstet von der grellen Welt des Prinzen, mit deren schockierenden Elementen Rusalka konfrontiert wird.

Die böse Hexe stürzt Rusalka mit in ihr Unlgück. Für ihren sehnlichsten Wunsch, in die Menschenwelt zu kommen, nimmt sie ihr die Stimme und ihre Kleider. foto: Olaf Struck
Die böse Hexe stürzt Rusalka mit in ihr Unlgück. Für ihren sehnlichsten Wunsch, in die Menschenwelt zu kommen, nimmt sie ihr die Stimme und ihre Kleider. foto: Olaf Struck

Rusalka, in weiß, der reinen Farbe der Unschuld gekleidet, steht im Gegensatz zu den offensiven, modernen Farben der Menschen. Ekaterina Isachenko verkörpert authentisch die Rolle der Rusalka und bringt das Innenleben ihrer Rolle durch die Gefühle, die ihre Sopranstimme transportiert, zum Ausdruck. Nicht nur ihr Gesang, auch Bewegungen harmonieren mit der verträumten Musik des philharmonischen Orchesters.

Der Prinz, Sung-Kyu Park, besticht durch sein unglaublich großes Klangvolumen im Tenor. Auch Eva Leitner und Marina Fideli verkörpern die fremde Fürstin sowie die Hexe glaubhaft und überzeugen durch ihre klaren, gewaltigen Stimmen.

Der Opernchor und die Statisterie des Theaters Kiel sorgen immer wieder für erheiternde Momente und verzaubernden Gesang. Die Sängerinnen und Sänger harmonieren perfekt mit dem sinfonischen Orchester Kiel. Immer wieder setzen sich aus dem Orchester andere Instrumente in Szene. Fast schelmenhaft zeigt sich das musikalische Motiv der Hexe.

Den Prinzen begleitet ein fanfarenartiges Horn-Motiv, Rusalka wird je nach Stimmung von Harfe, Holzbläsern oder Streichern begleitet. Das sie begleitende Mondmotiv zieht sich auf der einen Seite musikalisch, auf der anderen Seite mit Hilfe von Accessoires durch die ganze Aufführung. Der Mond zeigt sich als Laterne und leuchtet somit als Hoffnungsschimmer vor der in dunklem grün-blau gehaltenen Kulisse. Mit einer Wasserprojektion wird dem Ganzen Bewegung verliehen.

Nur eine Leiter führt hinauf ins Licht, zur Menschenwelt, die heller und schöner erscheint. Sie ist ausgestattet mit Palme, Brunnen und dickem Kronleuchter, sowie Sesseln mit Tierfell-Bezug. So zeigt sich die prächtige Welt der Oberflächlichkeit. Im letzten Akt besteht die Bühne aus vielen Betten, in der Mitte Rusalka. Die verlorenen Seelen sind gefangen, die Metallbetten gleichen fast einem Gefängnis. Bis zum Ende bleibt Rusalka dort als gealterter Geist ihrer selbst. Das Publikum zeigte sich bei der Premiere mit minutenlangem Applaus begeistert.

Rusalka ist am Ende, der Prinz liebt sie nicht mehr und nur sein Tod kann ihre Erlösung bedeuten. foto: Olaf Struck
Rusalka ist am Ende, der Prinz liebt sie nicht mehr und nur sein Tod kann ihre Erlösung bedeuten. foto: Olaf Struck

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Über Anna Lisa Oehlmann 31 Artikel
Anna Lisa ist seit dem Herbst 2010 als Redakteurin beim Albrecht tätig. Sie schreibt besonders gern Opernkritiken und Theaterrezensionen und leitete mehrere Jahre das Kulturressort. Der kulturelle Schwerpunkt begründet sich im Studium der Fächer Deutsch und Europäische Ethnologie/ Volkskunde.

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