Mit dem Surfbrett um die Welt

Andreas Brendt, 1974 in Köln geboren, entdeckte während seines Studiums seine Leidenschaft für das Wellenreiten und reiste in den darauf folgenden Jahren von einem Surfspot zum nächsten. Nach zehn Jahren voller Reisen, Unbeständigkeit und Abenteuer wurde er Lehrer an einer deutschen Berufsschule und schrieb seine Erlebnisse während eines Sabbatjahres auf. Das Ergebnis ist sein Debutroman Boarderlines.

Alles hatte mit einer spontanen Idee begonnen, woraus eine knapp dreimonatige Reise nach Bali und Australien wurde. Auf Bali lernte er zusammen mit seinem Kumpel Alex das Surfen und in Australien das Leben auf Achse kennen. Die vielen Reisenden inspirierten ihn mit all ihren Erfahrungen und Geschichten, die sie von ihren eigenen Reisen berichten konnten. Zurück in Deutschland war er nur noch von einem Wunsch erfüllt: So schnell wie möglich wieder los! Ins Unbekannte, ins Abenteuer, in die Wellen, ins Wasser, ins Leben. Mit jeder Menge Nebenjobs, Sparmaßnahmen und dem einen Ziel vor Augen, kämpfte er sich durch sein Studium und packte bei jeder Gelegenheit seine Koffer. Es ging nach Australien, Südafrika, Frankreich, Spanien, Sri Lanka, Peru, die Malediven, Ecuador, immer wieder Indonesien, Fuerteventura, Neuseeland, Fidschi und Chile.

Autor Andreas Brendt zu Beginn seiner Reise.
Autor Andreas Brendt zu Beginn seiner Reise.

Zu Beginn war er gefangen zwischen zwei Welten. Der Welt des Surfens mit all seinem abenteuerlichen Charme, mit all der Ungewissheit, Unmengen neuer Eindrücke und jeder Menge Hindernisse, die es zu meistern galt. Und der Welt des Kölschen Unialltags, mit all seinen Höhen und Tiefen, tollen Abenden mit Freunden, vielen Jobs, Reiseplanungen und Geldnot, dem alltäglichen Trott und den stressigen Klausurenphasen, die es ebenfalls zu meistern galt.

Als er nur ein paar Jahre später seine Unilaufbahn mit Auszeichnung beendete, gewann die Sehnsucht nach dem Surfen, guten Wellen, Meer und Reisen, unbekannten Ländern und fremden Menschen die Überhand. Andi ließ das konventionelle Leben hinter sich, verkaufte alles, was nicht in seine Koffer passte und buchte seinen nächsten Flug nach Peru – ein Aufbruch ins Ungewisse.

Zwischen Frauen, Partys, Joints, dem Salsa Südamerikas und dem Strandleben eines Surfers wurde er immer wieder von Gefühlen überrollt, die ihn wie Steinlawinen trafen. Mal war es eine Frau, eine verbotene Liebe, mal war es die Einsamkeit, die er nur so lange ignorieren konnte, wie sein Leben von verrückten Erlebnissen erfüllt war. Immer wieder stellte er während der kurzen Zwischenstopps in Deutschland sein gesamtes Leben in Frage, brach aber schnell wieder auf, weil ihm die Antworten fehlten auf seine Fragen, wofür das Leben da war und wohin es ihn führen sollte. Ruhe und Geborgenheit fand er stets im Meer: Die Wellen und die Ozeane lieferten ihm eine Menge Symbolik für den Sinn des Lebens: „Vielleicht ist es nur Spaß, vielleicht aber auch mehr. Natürlich das Spiel mit der Vergänglichkeit als Übung für das Leben. Weil man nur den Moment hat, den kurzen Ritt und nichts davon bleibt.“

Schrittweise, schleichend, erst selten, dann immer häufiger, machte sich aber auch ein Gefühl der Einsamkeit breit. Wirklich feste Freunde, die ihn bei allen seinen Höhen und Tiefen begleiteten, konnte er keine haben, da es ihn immer wieder weiter zog.

„Freude ist das einzige was mehr wird, wenn man es teilt. Freunde sollten einen Blick auf die Linien (in den Wellen) der anderen, auf sein Kunstwerk werfen können“

Auch Beziehungen waren nicht möglich und die kleinen schönen Momente mit Frauen, die er unterwegs kennen lernte, hielten nur kurz. So veränderte sich seine Wahrnehmung immer weiter und gerade seine Besuche in Deutschland, konfrontieren ihn mit dem anderen Leben: “[Dort gab es] echtes Leben, während ich mal wieder nur surfen war. Während Köln niemals schläft und jeder Tag mit neuen Sensationen aufwartet, bin ich mal wieder um die Welt geeiert. Von einem Strand zum nächsten. Alles nur Sand. Mir fehlen diese fröhlichen Treffen, das Miteinander, das Zusammensein in guten wie in schlechten Zeiten – mir fehlen meine Freunde. … Vielleicht fehlt mir eine Aufgabe im Leben. Vielleicht Routine, vielleicht Kontinuität, vielleicht eine Langzeitperspektive. Oder etwas Anderes.“

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Der Leser merkt, wie Andi strauchelt und fiebert auch mit dessen Niederlagen, wie Liebeskummer, der Einsamkeit sowie dem Versagen in den größten Wellen mit. Aber all das war notwendig, um etwas über sich selbst zu lernen, all das ebnete den Weg zurück.

Schließlich bewarb er sich von Bali aus auf einen Referendariatsplatz an einer Berufsschule in Köln, ohne groß Gedanken an die Folgen zuzulassen. Die Zusage nahm er mit gemischten Gefühlen auf, füllte die noch verbleibenden Monate mit noch mehr Reisen als ohnehin schon, genoss jeden Tag in vollen Zügen, surfte was das Zeug hielt, und stellte auf seinem Rückflug nach Deutschland – fest, dass er sich auf das neue Leben im alten Köln freute. „Ich sehe die Gesichter der Reisenden auf Bali ganz am Anfang. Das war es, was sich hinter ihnen verborgen hat. Die Suche nach einem neuen Sinn. Denn irgendwann verliert auch das Leben aus der Tasche seinen Reiz, weil es genauso zum Alltag, zu lähmender Routine wird, wie alles andere auch.“

Dieser autobiografische Roman steckt voller Erlebnisse und ungeahnter Wendungen, voller Erkenntnisse und Zweifel über den (Un)Sinn des Lebens, voller Verzweiflung und voller Enthusiasmus. Andi nimmt seinen Leser mit auf eine Reise nicht nur ans andere Ende der Welt und kreuz und quer über den Globus, sondern im Zickzack durch die Wirrungen des Lebens. Dabei erzählt er von kuriosen Liebesgeschichten, einmaligen Begegnungen mit den Einheimischen, die tiefe Einblicke in die unterschiedlichen Kulturen erlauben und Stories von Dealern, Haien und dem tödlich-wahnsinnigen Straßenverkehr Balis. Darüber hinaus entführt er den Leser in die Welt der Surfer, lässt ihn verstehen, was einen Surfer antreibt und dazu bringt, Unmengen an Aufwand zu betreiben, nur um den nächsten Swell nicht zu verpassen, lässt ihn gegen die Ungeheuer des Meeres, zusammenstürzende Wassermassen, scharfe Riffe und langsam ausgehenden Sauerstoff, genauso wie schwere Grippen in einsamen Hotels irgendwo im Nirgendwo mit ankämpfen und versorgt ihn gleichzeitig auch noch mit buddhistischen Weisheiten, Erkenntnissen und Ideen, wozu das Leben gut ist und was man alles damit anfangen kann; wohin Einsamkeit und Reisen führen und was der Weg zum Glück ist.

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Titel: Boarderlines
Autor: Andreas Brendt
Preis: 15,95€

Das Buch kann unter www.boarderlines-buch.de bestellt werden, dort sind auch weitere Informationen über den Autor, sowie eine Leseprobe zu finden.

Fotos: Andreas Brendt

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