Mit dem Teuro unterm Rettungsschirm

Der Begriff des Europäers tauchte erstmals im 8. Jahrhundert in einer spanischen Chronik auf und grenzte schon damals die europäischen Streitkräfte von den einfallenden Arabern ab. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges schloss die europäische Identität nie ganz Europa ein, sondern war immer von einer Hegemonialmacht bestimmt. Dieses nationalistische Europabild schuf stets Konflikte und gipfelte schließlich im traurigen Höhepunkt beider Weltkriege. Die vor diesem geschichtlichen Hintergrund Schritt für Schritt geschaffene Europäische Union vereint jedoch Europa immer mehr.

Doch gibt es wirklich eine bestimmbare Identität für ein geeintes Europa und wenn ja, wie bestimmt man sie? Wie zerbrechlich ist dieses Konstrukt?

Was ist Europa überhaupt?

Europa zeichnet sicht durch Vielfalt aus. Foto: Martin Berk / pixelio.de
Europa zeichnet sicht durch Vielfalt aus.
Foto: Martin Berk / pixelio.de

Das erste Merkmal Europas sind die geographischen Gegebenheiten als Kontinent. Hier gehen jedoch die Definitionen weit auseinander und sind widersprüchlich. Wenn die westlichen slawischen Staaten zu Europa gehören, wieso nicht ganz Russland? Endet Europa am Bosporus oder an der türkischen Staatsgrenze? Was ist mit Ländern wie Island, die fernab der anderen europäischen Staaten liegen oder zum Beispiel den französischen Überseegebieten? Davon abzugrenzen ist die politische Seite. Nicht alle Länder, die auf dem europäischen Kontinent liegen, gehören auch zur EU. Sind Nichtmitgliedsstaaten also von einer europäischen Identität ausgeschlossen? Hier zeigt sich, dass klare Grenzen nur schwer gezogen werden können.

Kulturell gesehen, entsteht kollektive Identität vor allem durch die Abgrenzung von anderen, das sogenannte Othering. Grenzen zu ziehen bedeutet, sich selbst zu definieren. Die Abgrenzung der Europäer von den Arabern fungiert ohne Frage als identitätsstiftend. Das Frühmittelalter ist geprägt von Franken und Iberern, die sich der arabischen Eroberer zu entledigen versuchen. Sie fühlten sich aber wohl eher als Christen, als als Europäer und wehrten sich nicht gegen die Araber, sondern gegen die zu Heiden verklärten Muslime. Wer das Christentum als europäisches Kulturgut, das Identität verleiht, sieht, erkennt zuerst, dass Christen zwar die Mehrheit der europäischen Bevölkerung bilden, sie untereinander aber in viele konfessionelle Gruppen fallen, die sich oft sehr uneins sind. Und welchen Stellenwert nimmt Religion für die europäische Identität in immer naturwissenschaftlicher geprägten Zeiten ein?

Eine kollektive, paneuropäische Kultur ist nur sehr schwer zu bestimmen. Bestimmte Riten, Küchenspezialitäten oder Traditionen kommen überall in den europäischen Staaten in anderer Form vor. Ist es europäisch, jede landesspezifische Kultur getrennt zu betrachten? Nicht einmal auf eine Sprache können sich die Menschen in Europa einigen.

Europa in der Krise

 

Ist der Euro Schuld an der Krise? Foto: Lupo / pixelio.de
Ist der Euro Schuld an der Krise?
Foto: Lupo / pixelio.de

Vor elf Jahren wurde der Euro eingeführt und bildete somit eine Währungsunion, die größer ist als der drittgrößte Staat der Erde und ist somit drittgrößter Währungsverbund dieses Planeten. Doch auch die durch die Währung vermeintlich geschaffene Einigung ist fragil. Jeder Staat hat seine eigene, nationale Souveränität. Trotz des Status als Europäer sind wir also in erster Linie alle Staatsbürger unseres Landes. Der Euro hat uns als Europäer enger zusammen gebracht, doch trennt er uns auch immer wieder voneinander. Insbesondere seit der Wirtschaftskrise werden Stimmen nach der Rückkehr zu den alten Währungen laut. Die Währungsunion spaltet sich in Nord und Süd, in Geber- und Nehmerländer. Die aktuelle Krise ist schwer und zeigt erneut, dass die nationalstaatliche Ideologie oft populärer ist, als ein ökonomisches Europadenken. Es zeigt sich, wie fragwürdig und volatil eine europäische Identität als kollektive Identität ist. Doch liegt es an jedem Einzelnen, neben der nationalen Identität und den nationalen Interessen, besonders in schwierigen Zeiten, nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Jeder sollte immer wieder daran zu denken, wie einzigartig und besonders Europa in der Welt ist und welche Chancen die EU und der Euro bieten.

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Paul war seit Ende 2012 Teil der Redaktion. Neben der Gestaltung des Layouts schrieb Paul gerne Kommentare und ließ die Weltöffentlichkeit an seiner Meinung teilhaben. In seiner Freizeit studierte Paul Deutsch und Anglistik an der CAU.

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Über Paul Niklaus Stahnke 52 Artikel
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