Mitreißendes musikalisches Monumentalwerk

Nach Operngala-Auftakt mit Rienzi folgen die vier Werke aus dem Ring des Nibelungen

„Die Musik spricht nicht die Leidenschaft, die Liebe, die Sehnsucht dieses oder jenes Individuums in dieser oder jener Lage aus, sondern die Leidenschaft, die Liebe, die Sehnsucht selbst“, sagte Komponist Richard Wagner. Genau diese Eigenschaften spiegeln sich in zahlreichen seiner Opernwerke wider. Sie fesseln die Menschen von jeher und sorgen daher immer wieder für Diskussionen. In den vergangenen Spielzeiten standen mit Lohengrin, Tristan und Isolde sowie Der fliegende Holländer bereits einige seiner Meisterwerke auf dem Programm der Kieler Oper.

Die Operngala zu Richard Wagners Rienzi – Der Letzte der Tribunen gab einen guten Vorgeschmack, auf das was folgen wird: Wagners Monumentalwerk: Der Ring des Nibelungen.

In glänzendem Ton eröffneten die Trompeten des Orchesters die Ouvertüre zu Rienzi. Die Musiker inszenierten eine schaurig-düstere Klangatmosphäre und erzeugten so eine greifbare Spannung. Diese wird in der Operngala durch die Erläuterungen der Moderatorin Claudia Macht zeitweise unterbrochen. Sie spricht mal mit samtweicher, mal mit energischer Stimme und erläutert so die Entstehungsgeschichte und die Handlung der Oper, da bei der Operngala lediglich eine musikalische Darbietung, jedoch kein Schauspiel stattfand.

Sie spielt im Rom um die Mitte des 14. Jahrhunderts. Es geht wie so oft um Liebe, Rache und Macht. Die Liebe entfaltet sich auf mehren Dimensionen. Einerseits geht es um die Liebe, die Rienzi seiner Schwester Irene entgegen bringt. Andererseits stehen die romantischen Gefühle zwischen Irene und Adriano, dem Sohn einer verfeindeten Familie, im Fokus. Durch den Machtkampf zwischen den beiden Familien gerät Adriano zwischen die Fronten, steht aber zu seiner Liebsten und dessen Bruder. Als Rienzi jedoch Adrianos Vater tötet, schwört dieser Rache. Er verrät Rienzi, kommt letzten Endes jedoch mit ihm und dessen Schwester, die er zu retten versucht, in einem Feuer um.

Diese vielfältige Gefühlspalette in die Stimme zu legen, forderte von den Solisten der Operngala einiges an Können. Die Titelpartie des Rienzi war mit Sung Kyu Park bestens besetzt. Der Tenor bestach durch eine gute Artikulation und seine breite Range. In der Rolle seiner Schwester Irene brillierte Jane Dutton. Die Stimme der Sopranistin ging durch Mark und Bein. Die durchdringende Verzweiflung übertrug sie authentisch.

Die Rolle von Irenes Liebhaber Adriano war mit Christina Melis zwar mit einer Frau besetzt, doch ihr leidenschaftlicher Adriano überzeugte die Zuhörer. Nach anfänglich zu leisem Gesang für das Orchester, steigerte sich Melis immer mehr und ließ die Gefühle in ihre Stimme strömen.

Mit einer ebenfalls soliden Leistung überzeugten die Musikerinnen und Musiker des Philharmonischen Orchesters Kiel unter der Leitung von Michael Nündel. Im Gleichgewicht mit den Stimmen der Solisten oder in beeindruckender Symbiose mit dem Chor haben die Musikerinnen und Musiker die richtige Balance der Lautstärke und Klangfarben gefunden. Besonders im zweiten Akt, stach der Klarinettist an seiner Solostelle mit sauberer Intonation und federleichten Trillern hervor. Der Paukist hatte sowohl in der Ouvertüre als auch am Ende des zweiten Aktes das richtige Gespür für Rhythmus und Dynamik seiner Schläge.

Ein Highlight der Aufführung stellten der Philharmonische Chor und der Extra-Chor des Theaters Kiel, eingestimmt von Lam Tran Dinh, dar. Die knapp 90 Sängerinnen und Sänger entfalteten gesanglich eine enorme Wucht, mit der sie die Zuhörerschaft mitrissen.

Diese packenden Melodien, die bereits in Wagners Frühwerk Rienzi erklangen, vertiefen sich in dem mitreißenden musikalischen Monumentalwerk Der Ring des Nibelungen. Der Opernzyklus über Entstehung, Zerfall und Untergang einer Zivilisation, wie ihn das Theater Kiel umschreibt, wird am 26. September 2015 mit der ersten Oper des Zyklus starten: Das Rheingold. Am 12. März 2016 folgt Die Walküre. Siegfried und Die Götterdämmerung werden den Ring in den darauf folgenden Spielzeiten vervollständigen. Es darf sich auf eine kleine Version der Richard-Wagner-Festspiele in Kiel gefreut werden.


Quelle Titelbild: Arne List

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Über Anna Lisa Oehlmann 0 Artikel
Anna Lisa ist seit dem Herbst 2010 als Redakteurin beim Albrecht tätig. Sie schreibt besonders gern Opernkritiken und Theaterrezensionen und leitete mehrere Jahre das Kulturressort. Der kulturelle Schwerpunkt begründet sich im Studium der Fächer Deutsch und Europäische Ethnologie/ Volkskunde.

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