PLATTENSAU – Dezember 2015

Bild: Leona Sedlaczek

Jess Glynne
Titel: I Cry When I Laugh
Label: Warner Music International (Warner)
VÖ: 16. Oktober 2015

Mit Rather Be machte die britische Sängerin Jess Glynne das erste Mal auf sich aufmerksam. Damals noch in Kollaboration mit Clean Bandit versucht sie nun mit ihrem Debütalbum I Cry When I Laugh ihr Talent zu beweisen. In You Can Find Me versucht sie in 80er-Synthesizer-Manier ihrer Liebe auf die Sprünge zu helfen, während sie im poppigen Don’t Be So Hard On Yourself zu mehr Stolz und Bewusstsein der eigenen Person aufruft. Mit ihrer kräftigen Kopfstimme schafft sie es, den routinierteren Popmusikhörer auf ihre Seite zu ziehen. Trotz dieser Qualität bleibt das Album in der Sparte „typisch tanzbarer Upbeat-Pop“ stecken. Ein wenig mehr Experiementieren würde nicht nur den Inhalten der Lieder, sondern auch dem Stil der Songs nicht schaden. (Eric Kluge)

The Neighbourhood
Titel: Wiped Out!
Label: Smi Col/ Sony Music
VÖ: 30. Oktober 2015

Ihre Lieder haben Titel wie The Beach, West Coast und Greetings from California, und ein Strand ziert das Cover ihres neuen Albums. Zu raten woher The Neighbourhood stammen, wäre ein kurzes Vergnügen, da sie sich oft und überschwellig zu ihren kalifornischen Wurzeln bekennen. Solche Verweise sind wohl eher aus Hip Hop oder Pop bekannt und könnten die Nuancen dieser Genres, die sich in den Stil der Alternative-Band geschlichen haben, erklären. Trotz der Nähe zu Malibu ist ihre zweite Platte kein Party-Album. Wie schon der Titel Wiped Out! sind die Texte vieler Lieder nachdenklich, düster und ungewiss. Die Musik wird von der Schwere allerdings nicht erdrückt, sodass die Stimmung des Hörers unbeeinträchtigt bleibt. (Mimke Teichgräber)

Raury
Titel: All We Need
Label: Columbia Records
VÖ: 16. Oktober 2015

Newcomer Raury hat das Genre-Hopping auf seinem Debüt-Album All We Need perfektioniert. Der US-Amerikaner scheint wenig Lust auf Schubladen zu haben und tobt sich in seinen Songs musikalisch aus. Von klassischem Hip-Hop über Indie-Rock, Funk, RnB bis hin zu Soul ist somit alles dabei, die Liste seiner Inspirationen entsprechend lang. „So who put the liquor store on the street across from the gun shop?” Raury stellt in seinen Texten solche und andere Fragen, stellt die amerikanische, als auch die gesamte Gesellschaft, Rassismus, Kapitalismus, Gewalt und die Menschheit als solche zur Debatte. In Tracks wie Revolution und Forbidden Knowledge könnte Raury demnach als der neue Tupac gehandelt werden. Mit seinen neunzehn Jahren hat der Jungspund eine Platte aufgenommen, die vielseitiger kaum sein könnte und musikalisch wie textlich gehörig abgeht. (Leona Sedlaczek)

Ryan Adams
Titel: Heartbreaker
Label: Bloodshot
VÖ: 05. September 2000

Vor etwas über 15 Jahren veröffentlichte der bis dahin vornehmlich als Teil von Whiskeytown bekannte Ryan Adams sein erstes Soloalbum, Heartbreaker. Der zufällig und unter Zeitdruck, von Mariah Carey inspiriert entstandene Titel fasst das Album, das angeblich von Adams gescheiterter Beziehung zu Amy Lombardi handelt, perfekt zusammen. Noch vor dem die Theorie bestätigenden Amy ist Come Pick Me Up der bei weitem beste Anspieler dieses starken Debüts – Alternative Country klang selten schöner. Ein Meister seines Faches, der musikalischen Verarbeitung und Untermalung von depressiver Stimmung, findet Adams stets den richtigen Ton, zupft die treffenden Akkorde, liefert den Soundtrack für Lebenskrisen. Wenn es Krisen und Schicksalsschläge braucht, um dieses Genie zu entfalten, kann man nur gespannt sein, was Adams nach seiner Scheidung von Mandy Moore veröffentlicht – 1989 war schon ein guter Anfang. (Paul Stahnke)

 

Bannerhintergrund von Markus Spiske, bearbeitet (mlt)

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Plattensau
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