Plattensau Mai 2010

Bild: Leona Sedlaczek

Frische Musik fachmännisch erschnüffelt: endlich in aufgestockter Version

Egotronic

 

Titel: Ausflug mit Freunden

VÖ: 30.04.2010

3 von 5 Schweinchen

Was soll’s? Kanne aufreißen, Sonne genießen, der Karriere formal die Kugel geben – so der begrüßenswerte Lebensentwurf von Egotronic. Umgesetzt wird das im vor allem von Deichkind bekannten Sprechen & Knallen-Stil; meint: Die Jungs können nicht singen und das ist gut so; das tun sie dann auf sehr, sehr dicken Beats. Doch Egotronic sind – auch im Vergleich zu ihren Labelmates Frittenbude – weniger fantasievoll, dafür radikaler und politischer. Zu den zehn Tracks von „Ausflug mit Freunden“ lässt sich mal mehr, mal weniger hüpfen; ein Klassiker wie „Raven gegen Deutschland“ vom Vor-Vorgänger-Album ist nicht dabei.

Broken Social Scene

Titel: Forgiveness Rock Record

VÖ: 30.04.2010

3 von 5 Schweinchen

11 Jahre gibt es das kanadische Musikerkollektiv Broken Social Scene mittlerweile schon, und auf fast jede Platte folgte ein Schwall euphorischer Rezensionen – gleiches gilt für die Solo- und Neben-Projekte der einzelnen Mitglieder wie Leslie Feist, Amy Millan, Stars, Metric, etc. BSS‘ Mittelding zwischen Indie- und Post-Rock kann man fade finden, und besonders ihre Landsmänner und -frauen von Arcade Fire versprühen sehr viel mehr Pop-Appeal. Nach mehreren Durchgängen aber beißt man langsam an – zumindest bei Songs wie dem Opener „World Sick“.

CocoRosie

Titel: Grey Oceans

VÖ: 30.04.2010

5 von 5 Schweinchen

Musik für besondere Menschen? Abzuholen bei den zwei Schwestern Bianca und Sierra Casady. Einmal flache Kinderstimme, einmal volles Opernorgan – so setzt man „Schizophrenie“ als Konzept formal um. Wenn die Mädels ihre melancholischen Stücke dann in Street Fashion-Klamotten mit Beat Box-Begleitung umsetzen, fehlt konsequenterweise auch nicht das Kammerorchester im Hintergrund. Abgerundet mit einem verträumten Jazz-Pianisten und wiedergefundenen Kassetten-Aufnahmen ihrer Mutter (im Cherokee-Dialekt!) ist ein Album zum Träumen, Traurig-sein und Nachdenken entstanden. Lieblingszeile aus dem Titelsong: „I’m watching myself like an old movie on colour-TV“.

Crystal Castles

 

Titel: Crystal Castles

VÖ: 21.05.2010

4 von 5 Schweinchen

2008: Was ist das für ein Debütalbum. Das kanadische Duo Crystal Castles brüllt plötzlich in tausend Ohren und haut rohe Synthesizer, verzerrten Gesang und brachiale Beats um die Selbigen. Exzessive Live-Shows, eine erst 20jährige Sängerin mit Killerblick und ein ausgezeichnetes Mode-Bewusstsein nähren den Hype. 2010: Die neue Platte trägt den gleichen Titel wie die erste. An illustren Aufnahmeorten (u.a. Kirche auf Island, Garage in Detroit, selbstgebaute Hütte in Ontario) hat Ethan Kath, der zweite im Bunde, ein etwas langatmigeres Album produziert, das weniger auf die zwölf geht, dafür mehr Klangfacetten zu bieten hat.

 

Bannerhintergrund von Markus Spiske, bearbeitet (mlt)

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Über Kilian Haller 0 Artikel
Kilian war bis 2010 Chefredakteur des Albrechts.

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