PLATTENSAU – Mai 2015

Bild: Leona Sedlaczek

Vierkanttretlager
Titel: Krieg und Krieg
Label: Buback (Indigo)
VÖ: 17. April 2015

Mit ihrem zweiten Album Krieg und Krieg liefern Vierkanttretlager einen ordentlichen Nachfolger ihres Debutalbums. Zwar haben zwei Mitglieder der Band den Rücken gekehrt, doch das mindert die Qualität der Musik nicht. Deutsche Texte mit klaren Botschaften, die nicht nur zum Mitsingen sondern auch zum Mit- und Nachdenken anregen sollen. Doch nicht nur ernste Themen werden auf der Platte angerissen. Dieser schmale Grad zwischen Ernst, Ironie und Leichtigkeit lässt die Band nicht abgehoben wirken, sondern ruft einen gewissen Charme hervor: „Ich bin froh, dass ich nicht weiß, wie deine Augenfarbe heißt / Lass uns mit frohem Herzen in die Stille gehen“. Frontmann Max Richard Leßmann schafft es, den Hörer in jede Stimmung zu katapultieren, ob mit harten Gitarrensounds wie bei Wer tot ist oder einer ruhigeren Atmosphäre wie bei der zweiten Single Kaktusblüte oder dem finalen Track der Platte Schweigen . Fans von deutschem Indie-Rock werden diese Platte auf Dauerschleife hören. (Eric Kluge)

Mumford & Sons
Titel: Wilder Mind
Label: Island (Universal Music)
VÖ: 01. Mai 2015

“Don’t believe a word I say” singt Avantgardemusik Tausendsassa Jim O’Rourke gleich zu Beginn von Insignificance und will damit in der Popmusik die Frage durchspielen, ob das, was ein Songschreiber zur Musik von sich gibt, auch seinen persönlichen Auffassungen entsprechen muss. Das angesungene „You“ wird mit allerlei zart gesungenen Bösartigkeiten bedacht. Verpackt wird alles in von Klavier und von folkgeschulter Gitarre getragenem Indierock, hinter dessen unmittelbarer Eingängigkeit sich außergewöhnlich detaillierte Kompositionen verbergen. (al) Mit Wilder Mind erscheint der lang erwartete dritte Longplayer der britischen Folk-Rockband Mumford & Sons . Als „eine natürliche Entwicklung, keine Abkehr von den vorherigen Aufnahmen“ wurde die Platte von Marcus Mumford angekündigt. Entwicklungen und Veränderungen sind aber nicht immer nur positiv: Es klingt einfach nicht mehr nach dem ursprünglichen Sound der Band. Es fehlt der typische Banjo-Einsatz, die ausschweifenden Instrumentierungen oder die Detailverliebtheit in den Texten. Stattdessen setzen Mumford & Sons auf poppige und sphärische Elemente, sodass man kurz aufhorcht und sich an Coldplay erinnert fühlt. Kein Zweifel, auf der neuen Platte sind auch Songs, die die Wurzeln der Band erahnen lassen (zum Beispiel The Wolf oder Just Smoke), doch im Großen und Ganzen wirken die Songs austauschbar und nicht zu Ende gedacht. (Eric Kluge)

Young Fathers
Titel: White Men Are Black Men Too
Label: Big Dada
VÖ: 06. April 2015

Man nehme drei Schotten zwei davon mit afrikanischen Wurzeln, Lo-Fi Beats und eine Mischung aus Rap und Indie-Gesang und erhält Young Fathers . Das mit dem Mercury Prize ausgezeichnete Trio schwankt auf White Men Are Black Men Too stets zwischen Avantgarde und Gosse, vermischt mal ein Glockenspiel mit einem stumpfen Grime Beat, lässt den Gesang und Rap teils unverständlich werden. Bei aller anklingenden Kakophonie gehen die Songs dennoch ins Ohr und einmal gefangen, nickt man mit. Das Album ist kein musikalischer Meilenstein: Death Grips sind extremer, The xx melodischer, Caribou komplexer, Kate Tempest rotziger. Aber gerade die Schwierigkeit, die drei Jungs zu kategorisieren, macht sie umso interessanter und White Men Are Black Men Too absolut hörenswert. (Paul Stahnke)

Jim O’Rourke
Titel: Insignificance
Label: Drag City
VÖ: 19. November 2001

“Don’t believe a word I say” singt Avantgardemusik Tausendsassa Jim O’Rourke gleich zu Beginn von Insignificance und will damit in der Popmusik die Frage durchspielen, ob das, was ein Songschreiber zur Musik von sich gibt, auch seinen persönlichen Auffassungen entsprechen muss. Das angesungene „You“ wird mit allerlei zart gesungenen Bösartigkeiten bedacht. Verpackt wird alles in von Klavier und von folkgeschulter Gitarre getragenem Indierock, hinter dessen unmittelbarer Eingängigkeit sich außergewöhnlich detaillierte Kompositionen verbergen. (Arne Lüthje)

Bannerhintergrund von Markus Spiske, bearbeitet (mlt)

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Plattensau
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Die Plattensau ist die Musikredaktion der Hochschulzeitung DER ALBRECHT. Seit Anfang 2010 erschnüffelt sie fachkritisch drei Neuerscheinungen sowie einen Klassiker pro Print-Ausgabe. Von The Smiths über Fritz Kalkbrenner und Bratze, bis hin zu Taylor Swift ist für jeden Geschmack etwas dabei. Regelmäßige Updated gibt es auch auf der Plattensau facebook Page: https://www.facebook.com/Plattensau

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