Plattensau Oktober 2010

Bild: Leona Sedlaczek

Fritz Kalkbrenner
Titel: Here Today Gone Tomorrow
VÖ: 15.10.2010
Label: suol
4 von 5 Schweinchen

Als Gastsänger ist Fritz Kalkbrenner der Techno-Szene längst ein Begriff; u.a. schrieb er mit seinem Bruder Paul DEN Hit des letzten Jahres: „Sky and Sand“. Fritz’ Solo-Debüt erinnert dann auch ziemlich an den „Berlin Calling“-Soundtrack seines älteren Bruders; es ist ein kuschliger Techno ohne Minimal-Fetisch oder Turnhallen-Ambitionen. Soul ist da drin, nicht nur wegen des ansprechenden Gesangs, sondern auch, weil immer wieder der Blick über den Tellerrand Richtung Bandmusik gesucht wird.


Belle and Sebastian
Titel: Write About Love
VÖ: 08.10.2010
Label: Rough Trade / Beggars Group
5 von 5 Schweinchen

Es ist das achte Studioalbum der Glaswegians, und es ist ganz hervorragend geworden. Elf Pop-Nummern, die man immer wieder hören kann und möchte; weit weniger aufdringlich als das opulente „Dear Catastrophe Waitress“ (2003). Die Garantie für Qualität bei Belle and Sebastian ist nach wie vor Stuart Murdoch, dessen brillante Kompositionen auf abwechslungsreiche Arrangements treffen. Referenzen gibt es diesmal wieder hauptsächlich Richtung Northern Soul, aber auch ein Surf Pop-Stück und ein Exkurs in frühneuzeitlicher Blockflötenmusik sind dabei.


Yann Tiersen
Titel: Dust Lane
VÖ: 04.10.2010
Label: Mute
4 von 5 Schweinchen

Dass er ein Händchen für Stimmungserzeugung hat, bewies Guillaume Yann Tiersen schon mit dem Soundtrack für „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Auf „Dust Lane“ lädt der mittlerweile 40-jährige Franzose erneut auf eine Reise durch multiinstrumentale Klangwelten ein, doch diesmal zunehmend düsterer, nervenaufreibender. Der Hörer, stets in angespannter Erwartung, wird durch unheilvolle Gegenden getrieben, und erst mit dem letzten Stück „Fuck Me“ erlöst. Nur zum Nebenbeihören ist das nichts.


Jens Friebe
Titel: Abändern
VÖ: 08.10.2010
Label: Zick Zack
1 von 5 Schweinchen

Jens Friebe ist einer dieser Player in der deutschen Popmusik, die mit blasierter Zitatwichserei und sperrigem Diskurspop den Kritikern von FAZ bis Spex Abgänge verschaffen. Wenn Friebe jetzt die Venga Boys covert und dabei „abändern“ statt „Up & Down“ singen lässt, ist das wohl intelligent, vor allem aber nervig und unattraktiv. Dazu trägt auch bei, dass Friebe die Gitarre gegen ein klimperndes Klavier eingetauscht hat, das eine varietéhafte Spontanität in die Songs bringt. Das trieft nur so vor Ironie, igittigitt.

 

Bannerhintergrund von Markus Spiske, bearbeitet (mlt)

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Kilian war bis 2010 Chefredakteur des Albrechts.

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