„Redet mit uns und nicht über uns!”

Ein Interview mit der Hochschulgruppe EmBIPoC

Bild: EmBIPoC

2019 kamen Maryam Al-Windi, Diana Nacarlı und Keniya Kilicikan auf eine Idee: Eine Hochschulgruppe speziell für die Stärkung von BIPoC an der Uni zu gründen. Fehlende Sensibilisierung für anti-rassistische Themen, sowie Mikroaggressionen im Unialltag begleiten zu viele BIPoC – dagegen wollten die Gründungsmitglieder ein Zeichen setzen. Inzwischen ist die Gruppe auf ungefähr 50 Mitglieder angewachsen. EmBIPoC und seine Mitglieder setzen sich für Empowerment von BIPoC-Studierenden ein, wollen diese miteinander vernetzen und Veranstaltungen mitgestalten, die sich mit Themen wie Anti-Rassismus beschäftigen: Damit Betroffene endlich eine Stimme im Diskurs bekommen. Auf den Treffen der Hochschulgruppe werden nicht nur zukünftige Veranstaltungen geplant und besprochen, sie sind auch ein Safe Space für die Mitglieder, um sich über Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen auszutauschen. 2020 fand die von ihnen geplante „Anti-rassistische Summer School” statt, die – Online-Veranstaltungen sei Dank – auch großen Anklang außerhalb Kiels fand. Für unsere Themenwoche Rassismus haben wir nach Stimmen auf dem Campus gesucht und drei Interviews geführt. EmBIPoC Antworten bilden den Anfang der Reihe.  

 DER ALBRECHTWas muss an der Uni Kiel bezüglich Antirassismus noch passieren? 

EmBIPoC: Zunächst ist es schön zu sehen, dass antirassistische Themen eine immer größer werdende Sichtbarkeit erlangen. Diese Entwicklung freut uns sehr.  

Es ist wichtig, dass es nicht nur beim Thematisieren bleibt, sondern aktiv gehandelt wird, um rassistische Strukturen aufzubrechen. Studierende der CAU müssen nur an die eigenen Dozent*innen und Professor*innen denken, um sich bewusst zu werden, dass BIPoC-Wissenschaftler*innen immer noch unterrepräsentiert sind. Das liegt nicht an der fehlenden Kompetenz von BIPoCs, sondern an den exkludierenden Mechanismen, denen sie unterliegen. BIPoCs sollten mehr Anlaufstellen und Programme zur Verfügung stehen, um Benachteiligungen auszugleichen.  

Habt ihr gute Beispiele für rassismuskritische Lehre beziehungsweise eigene Ideen dafür? 

Es gibt an der CAU einige Dozierende, die sich bewusst anti-rassistisch positionieren, was sich auch in Ihrer Lehre bemerkbar macht. Es sind immer noch wenige, jedoch ist auffällig, dass diejenigen, die darauf achten, vor allem in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften angesiedelt sind.  

Ein Weg, um die eigene Lehre rassismuskritisch zu gestalten, ist, sich zunächst persönlich mit dem Thema und den eigenen Privilegien auseinanderzusetzen. Das ist vor allem wichtig, um den Raum für Schwarze Studierende und Studierende of Color angenehmer zu gestalten und rassistische Zwischenfälle zu vermeiden beziehungsweise angemessen mit Ihnen umzugehen. Darüber hinaus sollte auf die Auswahl der Lektüre geachtet werden, sodass nicht nur weiße Autor*innen zu bestimmten Themen gelesen werden.   

Habt ihr Empfehlungen für Studierende, die sich mit antirassistischer Arbeit beschäftigen wollen? 

Wir haben das große Privileg, uns Wissen selbst aneignen zu können und sollten dieses auch nutzen, um uns über antirassistische Arbeit zu informieren. Es gibt viele BIPoC-Expert*innen, die durch ihre Werke und Vorträge wertvolle Bildungsarbeit leisten.  

Wichtige Bücher sind: Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow, Exit Racism: rassismuskritisch denken lernen von Tupoka Ogette und Sprache und Sein von Kübra Gümüsay. Für mehr Empfehlungen kann man bei unserem Instagram Kanal vorbeischauen: @embipoc.

Auch sollten die Möglichkeiten genutzt werden Vorträge und Workshops zu nutzen, um sich über antirassistische Themen zu informieren, sich zu reflektieren und sensibilisieren.  

Was wollt ihr zum Schluss noch sagen? 

Etwas, das uns durch unsere Mitglieder und auch im Gespräch mit anderen BIPoCs bewusst wurde, ist: Egal, wo du in Deutschland lebst und egal, wie wenig man eigentlich gemeinsam hat, als BIPoCs in Deutschland ist man durch geteilte Rassismuserfahrungen und das Gefühl zu wissen, wie es ist, als “Anders” wahrgenommen zu werden, miteinander verbunden. Denn Rassismus ist keine Erfahrung, die einzelne BIPoCs in Deutschland machen, Rassismus bewegt sich nicht nur auf der individuellen Ebene, sondern es handelt sich bei Rassismus um ein strukturelles und gesamtgesellschaftliches Problem in Deutschland.  

Unser Ziel ist es, nicht mit dem Zeigefinger auf Personen zu deuten und sie als Rassist*in abzustempeln. Unser Ziel ist es, auf rassistische Handlungen und Strukturen aufmerksam zu machen. Es ist unangenehm, sich mit dem eigenen Rassismus auseinanderzusetzen, aber noch unangenehmer ist es, Rassismus zu erfahren. Deswegen ist es wichtig, sich selbst zu reflektieren und aktiv was gegen Rassismus zu tun, damit wir einem schönen Zusammenleben in Deutschland näherkommen. 

Unser Appell lautet: Gebt BIPoCs eine Stimme und hört ihnen zu! 

Vielen Dank für das Gespräch! 

Autor*in

Leah Schrader studiert seit 2015 in Kiel. Seit 2018 die Masterstudiengänge Skandinavistik und Gegenwartsliteratur-und Literaturvermittlung.
Für den Albrecht schreibt sie seit Ende 2020.

Über Leah Schrader 4 Artikel
Leah Schrader studiert seit 2015 in Kiel. Seit 2018 die Masterstudiengänge Skandinavistik und Gegenwartsliteratur-und Literaturvermittlung. Für den Albrecht schreibt sie seit Ende 2020.

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