Schluss mit Hotel Mama

Von Gute Zeiten, schlechte Zeiten zu Berlin – Tag & Nacht bis hin zu Köln 50667: Die Sendungen, die niemand schaut, aber jeder kennt, machen es uns vor. Das WG-Leben ist modern wie noch nie. Schluss mit „Hotel Mami“ und rein in das Partyvergnügen mit den besten Freund*innen. Doch ist das WG-Leben wirklich so aufregend, wie es uns die Hausfrauen-Sendungen auf RTL versprechen? Plötzlich stehen offene Fragen, wie zum Beispiel „Wer macht die Wäsche?“ und „Wann darf ich endlich ins Badezimmer?“ sowie „Wo zum Geier sind meine Ohrringe hin?“ an der Tagesordnung. Während wir vorher das wohlbehütete Nest genießen konnten, ist es jetzt an der Zeit, die Flügel auszustrecken und notfalls auch die Krallen auszufahren, wenn es in der Küche mal wieder um die letzte Scheibe Toastbrot geht. Wir sagen „Bye bye“ zu Mutti, die uns jeden Tag mit einem Lächeln begrüßte und „Hello“ zum Diskutieren, wer sich nun um das dreckige Geschirr vom letzten Wochenende kümmern sollte.
Warum dann nicht lieber gleich in die eigene kleine Wohnung ziehen und das Leben genießen wie man es sich vorstellt, ganz im Sinne von: Papa „Worker“ – Wir „Wohner“? Bewaffnet mit den neuesten Instagram-Trends durch IKEA schlendern und ein Möbelensemble zusammenstellen, das sich perfekt mit den pastellfarbenen Wänden ergänzt, um dann morgens die akribisch kredenzte Oatmeal-Bowl in Ruhe genießen zu können.
Ein Blick auf die Allzweck-Couch, auf der von Herzschmerz über WG-Gewitter bis hin zum Trinkgelage so ziemlich alles seinen Platz findet, genügt und es wird klar, dass sich diese Momente alleine gar nicht auskosten lassen.
Wann anders wird es uns noch möglich sein, bis tief in die Nacht lange Gespräche auf dem Balkon mit einem Gläschen Wein zu führen, während im Hintergrund laut der neueste Track von Kraftklub läuft? Mit wem könnten wir beim Saubermachen der Wohnung sonst so feiern und tanzen? Und wo sonst ließe sich besser über Gott und die Welt diskutieren als in der eigenen WG?
So vielversprechend oder irreführend WG-Anzeigen auch klingen mögen und wie gerne wir das Schlange-Stehen bei Castings auch vermeiden würden, haben wir erstmal unsere paar Quadratmeter samt Mitmietern ergattert, dann wollen wir das (liebe)volle Gruppenchaos meistens nicht mehr missen.

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Anna Janning
Über Anna Janning 2 Artikel
Anna ist 20 Jahre alt und studiert Deutsch und Wirtschaft/Politik auf Lehramt. Seit April 2018 ist sie Mitglied der ALBRECHT-Redaktion.

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