Selbstrühren statt kaufen

Mareike Peters von Naturkosmetik München im Portrait

Bild: Eileen Linke

Wir leben in einer Zeit des Umdenkens, in der immer mehr darauf geachtet wird, dass der eigene Verbrauch – egal ob Lebensmittel, Transport oder Müll – weniger zu Lasten der Umwelt geht. Dazu gehören auch Kosmetikprodukte. Die Naturkosmetik, die unter anderem ohne synthetische Duftstoffe, Plastik, Silikone oder Parabene auskommt, hat in den letzten Jahren vermehrt Einzug in unsere Badezimmer gefunden.

So machte Naturkosmetik in Deutschland 2018 laut Statista einen Gesamtumsatz von rund 1,6 Millarden Euro – damit hat sich der Umsatz seit 2017 mehr als verdoppelt. Problematisch ist jedoch die Tatsache, dass es noch keine einheitliche Zertifizierung gibt und die unterschiedlichen Prüfkriterien lassen an der Vertrauenswürdigkeit der Gütesiegel zweifeln.

Die Geburtsstunde von Naturkosmetik München

Mareike beim Anrühren ihrer Produkte / Bild: Naturkosmetik München / Kunst im Hintergrund: Andrea von Coburg

Mareike Peters aus München hat sich deswegen auf Naturkosmetik spezialisiert. Ihrer Meinung nach ist diese nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch für unsere Haut. „Ich hatte über die Jahre selbst mit unreiner Haut zu kämpfen und habe die Dinge einfach selbst in die Hand genommen“, erzählt sie von ihren Anfängen als Selbstrührerin.

Selbstrühren, das bedeutet, sich seine Körperpflegeprodukte selbst herzustellen. „Ich mischte in meiner kleinen Wohnung alles mögliche zusammen, was natürlich erst einmal völlig schief ging. Doch durch Probieren und lange Recherche wurden meine Produkte besser“.

Bereits seit 2014 versucht sie, ihre Pflegeprodukte nicht mehr zu kaufen. Mareike hat sich mit der Wirkung und dem Nutzen verschiedener pflanzlicher Öle auseinandergesetzt und diese so miteinander vermischt, dass sie verschiedene Produkte für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Haut zur Hand hat. Dabei verzichtet Mareike auf synthetische Stoffe und andere Inhalte, die bei herkömmlichen Cremes lediglich für einen angenehmen Geruch und ein schönes Gefühl verwendet werden, aber keinen pflegenden Effekt für die Haut haben.

Bei der Auswahl der Zutaten achtet Mareike darauf, die Haut so wenig wie möglich zu belasten und sie in ihrer natürlichen Funktion zu unterstützen. Inzwischen hat die Jungunternehmerin ein Diplom in Natural Organic Formulation und viele Jahre Rührerfahrung, wobei sie sich inzwischen nur auf die pflanzliche Kosmetik fokussiert.

Nachhaltig selbst rühren

Bei der Herstellung ihrer Produkte setzt Mareike auf natürliche Inhaltsstoffe / Bild: Instagram/Mareike Peters

Im Oktober 2018 startete sie ihren Instagram-Kanal und postet seitdem Videos mit Anleitungen zum Nachmachen. Doch Mareike verkauft ihre Produkte nicht nur, sondern animiert ihre Kund*innen auch dazu, selbst zu rühren. Auf ihrer Internetseite verkauft sie Boxen mit den jeweiligen Zutaten. Dadurch entsteht ein ganz anderer Bezug zu den Produkten und es wird ein Bewusstsein dafür vermittelt, welche Inhaltsstoffe genau enthalten sind.

Dabei setzt die 24-Jährige auf Nachhaltigkeit. Sie ist ständig auf der Suche nach regionalen Alternativen, um ihre Öle zu verbessern. Die Zutaten werden in Glasflaschen geliefert oder in Papier eingewickelt. Die Menge der Zutaten ist meist für Monate ausreichend.

Auch beim Versand hat Mareike sich Gedanken gemacht: Als Verpackungsmaterial benutzt sie weder Plastik noch Styropor, sondern recyceltes Packpapier, Paketband aus Papier und Verpackungschips aus Mais. Diese können nach dem Öffnen der Box sogar gegessen werden.

In dem folgenden Video von Mareike könnt ihr sehen, wie sie einen antimikrobiellen Toner herstellt. Dabei erklärt sie, welche Zutaten warum enthalten sind und ihr bekommt einen Eindruck davon, was ihr euch unter Selbstrühren vorzustellen habt:

Der Weg zur Selbstständigkeit

Wie sehr Mareike mit ihrer Idee ins Schwarze getroffen hat, zeigt ihr Erfolg: Im Februar machte sie sich mit Naturkosmetik München (NKM) selbstständig. Innerhalb eines Jahres schaffte sie es auf mehr als 35 000 Follower bei Instagram. Ihr „kleines Dorf“, wie sie ihre Follower und Kund*innen nennt, ist inzwischen eine kleine Stadt geworden.

Der Weg dahin war jedoch nicht einfach: „Neben den Dingen wie der Finanzierung, dem nachhaltigen Erfolg oder der strategischen Planung, beschäftigten mich insbesondere rechtliche Unsicherheiten“, erklärt Mareike, „was passiert wenn jemand einen Ausschlag bekommt? Zu viel einwiegt? Und inwiefern darf ich etwas über Haut(-erkrankungen) oder die Pflegeprodukte anderer Marken aussagen?“.

Obwohl all das sehr stressig werden kann, genießt Mareike ihre Arbeit: „Am Schönsten ist es NKMler*innen kennenzulernen. Einige bleiben nach dem Besuch im Atelier auch einfach und helfen eine Weile mit. Es ist schön, nicht einfach nur ein Start-Up zu haben, sondern positives Feedback zu bekommen. Das motiviert unglaublich.“

Blick in die Zukunft

Seit November 2019 werden auch fertige Produkte verkauft, allerdings nur in begrenzter Zahl, denn Mareike möchte nicht, dass das Selbstrühren auf der Strecke bleibt. Doch es gibt noch weitere Pläne für die Zukunft von NKM: „Wir sind von unserem kleinen Atelier in einen Laden gezogen, in dem ab Anfang nächsten Jahres jede*r auf ein persönliches Gespräch vorbeikommen kann. Außerdem gestalten wir demnächst die Webseite neu. Gerne möchte ich einzelne Rohstoffe zur Kosmetikherstellung anbieten, nicht nur die Sets, und dafür bin ich auf der Suche nach Lieferanten, die die Zutaten möglichst regional beziehen.“ Der Laden soll im Juni 2020 eröffnen.

Wer mehr über Mareike und Naturkosmetik München erfahren will, gelangt hier zum Instagram-Account:

https://www.instagram.com/naturkosmetikmuenchen

Und hier zur Website:

Autor*in

Eileen studiert BWL und ist seit Oktober 2018 Teil der Redaktion. Sie leitete von Februar 2019 bis Februar 2020 das Ressort für Gesellschaft. Seitdem ist sie die stellvertretende Chefredakteurin. Außerdem werden viele der Illustrationen im Albrecht von ihr gezeichnet.

Eileen Linke
Über Eileen Linke 21 Artikel
Eileen studiert BWL und ist seit Oktober 2018 Teil der Redaktion. Sie leitete von Februar 2019 bis Februar 2020 das Ressort für Gesellschaft. Seitdem ist sie die stellvertretende Chefredakteurin. Außerdem werden viele der Illustrationen im Albrecht von ihr gezeichnet.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*